Standlautsprecher: Hoch, schlank, gut
Angenehmer Klang, properes Design, Leistung nicht zu knapp: Die Lautsprecher des aktuellen Tests machen durchweg Spaß. Schwächen gibt es allenfalls im Detail.
Wer sich eine Lautsprecheranlage aufbauen will, hat die Qual der Wahl: Soll es eine herkömmliche Stereoanlage sein, mit zwei Boxen rechts und links vor den Zuhörern? Oder besser gleich Surroundsound mit rund um den Sitzplatz angeordneten fünf oder mehr Lautsprechern? Der Kompromiss: Jetzt Stereo kaufen und später bei Bedarf Surround nachrüsten. Der Handel bietet dafür Lautsprechersysteme an, bestehend aus einem Boxenpärchen für Stereo plus passende Surround-Ergänzungssets. Wir haben für unseren Test die Stereopärchen solcher Systeme ausgesucht: schlanke, etwa ein Meter hohe Standlautsprecher, die rund 400 bis 1 700 Euro pro Paar kosten.
Fürs Auge bieten die Boxen eine reiche Palette verschiedener Macharten: vom wertvollen Holzfurnier über Mattlack bis hin zu Kunststoffoberflächen, deren Dekor nur bei ganz genauem Hinsehen von Echtholz zu unterscheiden ist.
Die Lautsprecherchassis sind nicht – wie früher oft üblich – schlicht in die Schallwand geschraubt. Metallringe oder Kunststoffformteile schaffen fließende Übergänge zum Lautsprechergehäuse. Selbst billigere Modelle warten mit attraktiven Designelementen auf, die Preisunterschiede vergessen lassen.
Außerdem sind die Gehäuse groß genug für tiefreichende Bassfundamente. Zumindest optisch hinterlässt keiner der Testlautsprecher den Eindruck, dass da billige Bausteine eingesetzt wurden.
Im Hörtest werden die Boxen vor unserer Jury hinter undurchsichtigen, aber schalldurchlässigen Vorhängen versteckt. So können unsere „Goldenen Ohren“ unvoreingenommen lauschen, ob ein Lautsprecher den natürlichen Klang der Instrumente abbilden kann, ob die Transparenz im Ton einzelne Geigen aus einem Orchester hörbar macht. Und lassen sich Stimmen oder Instrumente im Klangpanorama auch räumlich orten?
Jazz, Kammerchor, Sinfonie
Die Jazztrompete klang im Test weder zu blechern noch zu dumpf. Die Stimmen eines Kammerchors ließen sich klar differenzieren. Und die großen Kesselpauken des Sinfonieorchesters machten genügend Druck, selbst aus den kleineren Gehäusen. Vom Klang her liegt man mit keinem der getesteten Lautsprecher falsch.
Die besten Noten im Hörtest erzielten Canton GLE 407 und Heco Victa 700, dicht gefolgt von der teureren Elac, Infinity und Quadral. Interessant: Bei Canton und Heco klingen die billigeren Produkte sogar etwas besser als die teureren.
Watt sind wenig wichtig
Im Unterschied zum Klang sollte man die angegebene Wattzahl (Belastbarkeit) beim Kauf nicht zur Auswahl heranziehen. Das ist kein Qualitätskriterium, sondern allenfalls ein Anhaltspunkt für die Partytauglichkeit der Boxen.
Interessanter ist die Bewertung des maximalen Schalldruckpegels. Ist er „gut“, eignet sich die Box für ordentliches Rambazamba, ohne dabei den Klang zu verzerren. Ein „Ausreichend“ an dieser Stelle bedeutet: Dynamik im Musiksignal treibt die Lautsprecher eher über ihre Belastbarkeitsgrenze. Folge ist ein verzerrter Ton. Wenn man Pech hat, werden dadurch die Chassis beschädigt.
Ebenfalls interessant für die Lautsprecherwahl ist der Wirkungsgrad, ein Maß, wie effektiv ein Lautsprecher mit den angebotenen Watt umgeht. Ein hoher, sprich guter Wirkungsgrad bedeutet hohe Lautstärke bei vergleichsweise geringer Verstärkerleistung. Liebhabern traditioneller Röhrenverstärker, die selten viel Leistung bieten, empfehlen wir Lautsprecher mit einem „sehr guten“ Wirkungsgrad wie Elac FS 57 und Nubert.
Besser sind Verstärker-Kraftpakete
Wer einen kräftigen Verstärker besitzt, beispielsweise jenseits von 150 Watt pro Kanal, braucht sich um den Lautsprecherwirkungsgrad nicht zu scheren. Er dreht einfach so lange den Lautstärkeregler nach rechts, bis die Lautstärke stimmt.
Und wie viel Watt soll denn der angeschlossene Verstärker haben? Wenn Verstärker und Lautsprecher eine ähnliche Wattzahl haben, wird es kaum Probleme geben. Wer meint, mit einem Verstärker mit wenig Watt die Lautsprecher zu schonen, irrt. Schwächliche Verstärker, an ihrer Leistungsgrenze betrieben, schädigen mit ihren Verzerrungen den Lautsprecher eher als wattstarke Boliden, die auch bei hohen Pegeln sauber arbeiten. Denn Verzerrungen haben übermäßig hohe Leistungsanteile im Hochtonbereich. Also lieber Verstärker mit ein paar Hundert Watt als einen Schwächling mit einigen zehn Watt benutzen. Letztlich bestimmt das Ohr über Leben und Sterben von Lautsprechern. Wenn der Ton in dynamischen Passagen verzerrt, hilft nur noch, den Lautstärkeregler nach links zu drehen.
Elac und Nubert verlassen sich nicht auf die Ohren der Lautsprechernutzer und bauen in ihre Boxen eine Sicherheitsschaltung ein. Bei zu viel Leistung reduziert sie die Lautstärke. So kann der Lautsprecher nicht kaputtgehen. Dann kann es aber passieren, dass Lauterdrehen für leisere Musik sorgt. Bei einer stimmungsvollen Party dürfte das auffallen, bei „normalem“ Musikgenuss im Testbetrieb griffen die Schutzschaltungen aber nicht ein.
Ein Schirm für die Magnete
Ein anderer Lautsprecherschutz dürfte die Nutzer von Röhren-TV-Apparaten interessieren. Denn wenn Lautsprecherboxen zu nah am Fernsehgerät stehen, näher als etwa einen halben Meter, können die Magnete der Lautsprecher die Bildwiedergabe stören. Das würde zu Farbfehlern führen. Damit das nicht passiert, sind einige der Testlautsprecher magnetisch abgeschirmt (siehe Tabelle „Lautsprechersysteme“). Solche Boxen können unmittelbar neben dem Fernsehgerät stehen, ohne dass es Probleme gibt. Wer einen LCD- oder Plasmabildschirm hat, braucht sich um die Abschirmung der Lautsprecher nicht zu scheren. Denen können die Magnetfelder nichts anhaben.
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