Spiegelreflexkameras und Zooms: Preise im Blick behalten
Chip kontra Film, digital kontra analog: Auch bei Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven spielt sich ein Wettkampf der Systeme ab. Riesige Unterschiede gibt es noch im Preis.
Stolz zeigt Computerfreak Dieter den Schnappschuss vom Zoobesuch gleich nach dem Knipsen auf dem Monitor. Er hat eine nagelneue digitale Spiegelreflexkamera. Freund Franz blickt etwas neidisch. Er muss den Film seiner altbewährten Kleinbild-Spiegelreflexkamera erst entwickeln lassen, ehe er die Bilder präsentieren kann. Dafür kann Franz später mit scharfen Postern – nicht nur von Krokodilen – protzen. Die gelingen Digitalkameras selbst mit den besten Objektiven (noch) nicht. Auf übermäßigen Vergrößerungen digitaler Aufnahmen sind die mosaikartigen Pixelstrukturen, aus denen sich ein Bild zusammensetzt, kaum zu übersehen.
Das Schlüsselwort heißt Auflösung. Und die wird bei der Digitalfotografie letztlich durch den Chip bestimmt, der anstelle des Films in der Kamera steckt: Je mehr lichtempfindliche Elemente (Pixel oder Bildpunkte) der Chip hat, desto höher ist das Auflösungsvermögen beziehungsweise desto schärfer wird das Foto. Die getesteten Kameras mit rund drei Millionen Bildpunkten (drei Megapixel) Canon EOS D30, Fujifilm Finepix S1 Pro und Nikon D1H können über einen guten Drucker schon sehenswerte Fotos in der Größe 20 x 30 Zentimeter liefern. Der Abstand zum Film und damit zu analogen Kameras ist freilich noch beachtlich, denn ein Farbnegativ oder Dia glänzt mit bis zu zehn Millionen Bildpunkten.
Zehnfacher Preis
Im Vergleich zu den digitalen Spiegelreflexkameragehäusen glänzen die analogen auch mit ihren Preisen. Das billigste „gute“, Canon EOS 3000N, ist schon für 252 Euro zu haben. Das preiswerteste digitale Modell des Tests kostet mehr als das Zehnfache: 2 910 Euro.
Gemeinsam ist beiden Spiegelreflexkameratypen das vorbildliche Suchersystem. Im Unterschied zu gewöhnlichen Fotoapparaten mit separatem Durchsichtsucher blickt man quasi durch das Objektiv aufs Motiv. Hauptsächlicher Vorteil: Spiegelreflexsucher zeigen ziemlich genau alles so, wie es auch auf dem Foto erscheint. Fehlperspektiven (Parallaxen) sind ausgeschlossen, egal welches Objektiv und welche Brennweite verwendet werden. Durch das große, klare Sucherbild lassen sich auch Details deutlicher erkennen.
Wegen der Spiegelreflextechnik müssen Digitalfotografen jedoch einen kleinen Nachteil in Kauf nehmen: Sie können nicht wie bei „normalen“ Digitalkameras den Monitor auf der Rückseite des Gehäuses als (zusätzlichen) Sucher benutzen. Denn ein Bild erscheint dort erst nach der Aufnahme. Wenn es nicht gefällt, kann es sofort wieder gelöscht werden und Speicherplatz für den nächsten Schnappschuss frei machen. Das ist auch bitter nötig, weil auf eine – meist mitgelieferte – Speicherkarte mit 16 Megabyte nur ein bis drei Fotos in bester Qualität passen. Wer zur Fotopirsch nicht auch noch einen Laptop mitschleppen will, in den er die Bilder gleich übertragen kann, sollte sich mit „größeren“ Speicherkarten eindecken. Das geht jedoch ins Geld: 64-Megabyte-Cards beispielsweise kosten kaum unter 40 Euro. Dafür bekommt man schon ungefähr 20 Farbnegativfilme à 36 Aufnahmen.
Ein wesentlicher Pluspunkt von Spiegelreflexkameras: Die Objektive lassen sich auswechseln. Zoomobjektive ermöglichen veränderbare Brennweiten und somit einen erweiterten Spielraum bei der Bildgestaltung. Für den Test wählten wir jeweils vom Anbieter empfohlene Zooms aus. Bei Digitalkameras ist – bedingt durch den kleinen Chip – die Bilddiagonale etwa 40 Prozent kürzer als beim 24x36-Negativ oder Dia und folglich die Bildqualität, speziell die Helligkeitsverteilung, etwas besser. Außerdem entspricht die Normalbrennweite nur ungefähr 30 und nicht 50 Millimeter wie bei klassischen Spiegelreflexkameras. Das erlaubt eine kompaktere Bauform. Die geprüften Analogmodelle bieten breitere Brennweitenbereiche: zwischen 28 und 80 (Zoomfaktor 2,9) oder 28 und 105 Millimeter (Zoomfaktor 3,8). Damit sind Weitwinkel- bis leichte Teleaufnahmen möglich. Die den Digitalkameras zugeordneten Objektive haben höchstens einen zweifachen Zoomfaktor und liegen in zwei Fällen eher im Weitwinkel-, einmal eher im Telebereich (Fujifilm/AF Zoom-Nikkor 2,8/35–70 mm).
Da die digitalen Spiegelreflexkameras wie ihre analogen Brüder Bajonettanschlüsse haben, lassen sich etliche Objektive des jeweiligen Herstellers aufsetzen: Canon-Objektive auf Canon-Gehäuse, Nikon-Objektive auf Nikon-Gehäuse und hier ausnahmsweise auch auf ein Fuji-Gehäuse, weil Fujifilm FinePix S1 Pro ein Nikon-Bajonett hat.
Mächtige Megazooms
Theoretisch passen an digitale Spiegelreflexkameras auch neuartige Megazooms. Die vier Modelle mit überdimensionalem Brennweitenbereich (Zoomfaktor zehn bis elf), die wir untersucht haben, sind jedoch vorwiegend für die Spiegelreflexklassiker konzipiert. Die systembedingt auftretende Verzeichnung, vor allem bei Weitwinkel- und Tele-Randbrennweiten, wenn gerade Linien gekrümmt aussehen, stört höchstens bei Architekturaufnahmen. Die ausgedehnten Telebrennweiten (300, 350 oder 500 Millimeter), mit denen sich weit entfernte Motive ganz nah heranholen lassen, erfordern unbedingt ein Stativ. Sonst erscheint zum Beispiel das Krokodil im Zoo oder der Löwe auf der Safari stark verwackelt. Für einen Urlaub mit leichtem Gepäck sind besonders Sigma 50-500 mm und Canon 35-350 mm zu klotzig. Sie wiegen 1,7 beziehungsweise 1,3 Kilogramm. Bei Canon schreckt zudem der happige Preis von 2 170 Euro ab.
Die „Fremdobjektive“ von Sigma und Tamron sind übrigens nicht auf eine bestimmte Spiegelreflexmarke festgelegt, sondern können mit Bajonetten für die gängigsten Gehäuse geliefert werden.
Automatik ist Trumpf
Mit einer Ausnahme arbeiten alle getesteten Kameras vollautomatisch, sofern der Anwender es so will: Die Belichtung, also Blende und Verschlusszeit, wird ebenso selbsttätig geregelt wie die Entfernung, sie lassen sich aber auch jederzeit von Hand einstellen. Nur das nostalgisch anmutende analoge Modell Nikon FM 3A hat weder motorischen Filmtransport noch automatische Scharfstellung (Autofokus), noch vollautomatisches Belichtungssystem. Es ist ein Zeitautomat, bei dem zur manuell vorgewählten Blende die passende Verschlusszeit automatisch dazugesteuert wird. So kann der Fotograf die Schärfentiefe selbst bestimmen, das heißt, den Bereich, in dem das Objektiv Dinge scharf abbildet. Deshalb eignet sich die Zeitautomatik besonders für Landschaftsaufnahmen.
Bemerkenswert ist bei Nikon noch der Hybridverschluss, der mechanisch funktioniert, wenn man die Zeit mit der Hand einstellt. Dadurch kann notfalls sogar ohne Batteriestrom fotografiert werden. Eine Belichtungsmessung ist dann jedoch nicht mehr möglich. Im Zeitautomatikmodus werden die Zeiten allerdings wie üblich elektronisch gebildet.
Da es sich bei den anderen Kameras um Mehrfachautomaten handelt, können sie ebenfalls mit Zeitautomatik betrieben werden. Darüber hinaus aber auch mit Blendenautomatik. Hierbei wird die Zeit manuell fixiert und die Blende bewegt sich automatisch auf den optimalen Wert. Die Blendenautomatik spielt ihre Stärken besonders dann aus, wenn kurze Verschlusszeiten gefordert sind, zum Beispiel bei Sportaufnahmen.
Vier Testmodelle, die digitalen Canon EOS D 30 und Fujifilm FinePix S1 Pro sowie die analogen Canon EOS 3000N und Minolta Dynax 5, bieten zusätzlich Motivprogramme. Bei ihnen wird die jeweils beste Zeit-Blenden-Kombination für verschiedene Aufnahmesituationen automatisch eingestellt. Letztlich dominieren bei beiden Kameratypen die positiven Aspekte, sodass auch Franz und Dieter weiter ihr System – hier analog, da digital – favorisieren können.
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Testtabelle: Analoge Kameragehäuse
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