Schnurlostelefone: T-Com gewinnt

Schnurlostelefone Test

test 03/2004

Bei billigen Schnurlosen wird auch Wichtiges weggespart – etwa die Ruftaste an der Basis, mit der man abtrünnigen Mobilteilen auf die Spur kommt.

Schnurlostelefone

Man muss kein Chaot sein, um das Schnurlostelefon gelegentlich in der Küche zu vergessen. Oder war es das Schlafzimmer? Normalerweise gibt ein Knopfdruck auf die Basisstation Antwort auf diese Frage (Paging genannt). Beim Siemens Gigaset A 250 für 80 Euro ist Paging zwar möglich, doch die Taste ist kaum zu sehen und noch dazu auf der Rückseite versteckt. Beim insgesamt noch „befriedigenden“ Philips Xalio 300 für 50 Euro fehlt die Taste sogar ganz. „Spartanisch“, fällt unserem Testleiter dazu nur ein. Telefonieren geht, sonst kaum etwas. Der Mangel scheint gelegentlich System zu haben. So verfügt das Siemens Gigaset A110 für 50 Euro zwar über eine Notizzettelablage, doch das sehr bescheidene Telefonbuch mit 20 Speicherplätzen hat einen entscheidenden Makel: Die Namen werden nicht in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt, sondern nach Zeitpunkt der Eingabe. So kann „Erna“ vor „Anton“ im Telefonbuch stehen. Bitte, so scheint der Anbieter nahe zu legen, doch lieber zu teureren Modellen greifen.

Der Markt für Schnurlostelefone hat sich aufgeteilt: Auf der einen Seite abgespeckte Geräte für rund 50 Euro, auf der anderen Seite Komfortmodelle, die doppelt und dreifach so teuer sind. Im Test von 31 Schnurlostelefonen (davon 15 mit Anrufbeantworter) haben wir beide Klassen verglichen. Ergebnis: Zwar kann man auch für 50 Euro ein „gutes“ Telefon sein Eigen nennen, doch etwas Komfort, wie ein gutes Display, wird schnell teuer.

Für Spezialisten

Kaum ein Komforttelefon, das heute nicht auch als Babyphon, Notruf und Walkie-Talkie dienen kann. Dadurch werden die Menüs komplizierter, die Bedienungsanleitungen immer länger. Das „gute“ T-Sinus 514AB für 90 Euro bringt es auf genau 168 Seiten – einsprachig deutsch. Allein die Beschreibung der im Festnetz kaum genutzten SMS-Funktion, das Senden von kurzen Textnachrichten, nimmt fast 30 Seiten ein. Schlimmer noch: Bei der Auslieferung sind SMS-taugliche Telefone so eingestellt, dass sie beim ersten Klingeln stumm bleiben und erst einmal in die Leitung horchen, ob eine SMS unterwegs ist. Bei ungeduldigen Anrufern kann das zum Problem werden. Um die SMS-Funktion auszustellen, muss man langwierig das Handbuch wälzen – bei T-Sinus 514AB, Philips Onis 380 Vox und Audioline DECT 8600SIM fanden wir keine Antwort darauf, wie sich das Schweigen beim ersten Klingelton vermeiden lässt.

Schwere Wahl

Wer einfach nur ein bezahlbares Telefon mit etwas Komfort, aber ohne Schnickschnack sucht, wird kaum fündig. Praktisch wäre zum Beispiel ein Telefonbuch mit mindestens 40 Plätzen, bei dem auch Namen eingegeben werden können. Immerhin drei Viertel der Geräte im Test haben das. Damit der Name gut zu lesen ist, wäre auch ein großes Display mit Beleuchtung angenehm. Schon schrumpft die Auswahl in der Testtabelle auf der nächsten Doppelseite auf fünf Modelle: Außer den drei teuersten im Test für 160 bis 170 Euro bieten das nur T-Sinus 514 AB für 90 Euro und das Audioline DECT 8600SIM für 70 Euro (ohne Anrufbeantworter). Neben einem guten Display haben diese Telefone auch eine „sehr gute“ Menüführung. Ausnahme: Das Philips Onis 380 Vox kommt in diesem Punkt nur auf „befriedigend“. Auch die anderen Philips-Modelle sind in Sachen Bedienung gewöhnungsbedürftig. Ganz anders das Audioline DECT 8600SIM. Es ist nicht nur das billigste Komforttelefon, sondern fällt auch durch die gelungene Konzeption auf. Schade, dass es wegen Schwächen bei der Übertragung nur zum „befriedigenden“ Gesamturteil reicht.

Zwei billige mit gutem Klang

Alle Telefone im Test arbeiten mit dem Dect-Standard. Dabei wird das Tonsignal bei der Übertragung komprimiert. Die Schnurlosen sind im Klang deshalb immer schlechter als ein gutes Telefon an der Strippe. Wird an beiden Seiten der Leitung schnurlos gesprochen, ist das deutlich zu merken. Umso wichtiger, dass ein Dect-Telefon an Klang herausholt, was möglich ist. Nur siebenmal vergaben wir ein „Gut“ in puncto Übertragung, darunter auch an das T-Easy C 214 für 50 Euro. Wer einfach nur telefonieren will, ist damit gut beraten. Etwas besser im Klang und gleich billig ist Philips Kala 300 ohne Anrufbeantworter. Wer andere Familienmitglieder an einem Telefonat teilhaben lassen möchte und deswegen den mittlerweile fast immer vorhandenen Lautsprecher des Mobilteils anstellt, hat bei einigen Geräten keine Freude. Beim AEG Ventura Comfort 2 Voice für 65 Euro ist der Gegenüber kaum zu verstehen. Viele Geräte verhalten sich wie eine Gegensprechanlage: Wenn der eine spricht, verstummt der andere. Am besten in diesem Punkt schnitt der Testsieger T-Sinus 711A Komfort ab.

Unterschiede gab es auch bei der Tonqualität der Anrufbeantworter. Unter 80 Euro ist ein Schnurlostelefon mit „gutem“ Anrufbeantworter nicht zu haben. Alle Geräte speichern die Stimme digital, einfache Geräte aber in zum Teil mäßiger Qualität. Da wäre ein größerer Speicherchip angebracht. Auch deshalb, weil die Speicherzeiten oft sehr gering sind, meist nur 15 Minuten in der schlechtesten Aufzeichnungsqualität. Nur zwei packen mehr: der Philips Onis 380 Vox speichert bis zu 60 Minuten, der Panasonic KX-TCD 515 immerhin 30 Minuten. Die meisten der Modelle mit Anrufbeantworter im Test sind übrigens auch ohne zu haben.

Deutliche Unterschiede gibt es bei der Reichweite: elfmal vergaben wir ein „Gut“. Am schwächsten schneiden die Audioline-Telefone ab. Systembedingt können Dect-Telefone zu einer flimmernden Röhre führen, wenn man das Fernsehbild mit analogem Sat-Receiver empfängt. Am besten ein gut abgeschirmtes Antennenkabel zum Receiver legen und die Basisstation weit weg stellen.

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