Schnurlostelefone: Gut ab 40 Euro
Trübe Displays und permanent sendende Basisstationen will niemand. Bei einigen Modellen ist das aber noch der Fall.
Rundgang durchs Museum
Ein Test von schnurlosen Telefonen ähnelt einem Rundgang durchs technische Museum. Über die Hälfte der geprüften Telefone wirkt antiquiert. Das gilt insbesondere für die Displays der Modelle unter 60 Euro, die mit geringem Kontrast und schwer lesbarer Darstellung enttäuschen. Ebenso fühlen sich wohl junge Nutzer unverstanden, deren erstes Telefon ein Handy war – mit Kurznachrichten „SMS“ und dem Anschluss für eine Sprechgarnitur, dem Headset. So etwas ist bei Schnurlosen nicht selbstverständlich: SMS beherrschen nur 10 der 18 Telefone im Test. Ein Headset haben nur Hagenuk AIO 600 und Philips SE7351B dabei. Oft fehlt sogar der Anschluss dafür.
Strahlungsarm sind alle
Entwicklungsmöglichkeiten gibt es auch noch bei der Funktechnik. Schnurlostelefone senden mit maximal einem Viertel der Leistung von E-Netz-Handys, die in einem ähnlichen Frequenzbereich arbeiten (siehe Text „Für Vorsichtige“). Sie liegen weit unter den Vorsorgegrenzwerten. Darüber hinaus sollte die Sendeleistung bedarfsgerecht geregelt und die Basisstation im Standby automatisch abgeschaltet werden – auch wenn mehr als ein Mobilteil verwendet wird.
Bedarfsgerecht ist besser
Eine dem Stand der Technik entsprechende Funktechnik haben nur 8 der 18 geprüften Schnurlosen, was meist als „eco“, „strahlungsreduziert im Standby“ oder „Mobilteil strahlungsreduziert im Umkreis der Basis“ beworben wird. Das AEG Fame 405, das Hagenuk Stick SR und das Siemens Gigaset AS150 verringern die Sendeleistung des Mobilteils bedarfsgerecht, wenn es in der Nähe der Basisstation benutzt wird. Volle Pulle senden sie nur wenn es nötig ist, beispielsweise bei großer Entfernung zur Basisstation. Sieben Schnurlostelefone reduzieren automatisch die Sendeleistung der Basisstation radikal bis unter die Nachweisgrenze, sobald das Mobilteil hineingesteckt wird.
Die auch vom Bundesamt für Strahlenschutz geforderte „Null-Diät“ der Basisstation im Standby funktioniert aber nur, wenn lediglich ein Mobilteil an der Basis angemeldet ist (siehe Glossar).
Spezialfall „Nulldiät“
Im Betrieb mit mehr als einem Mobilteil kann die Basisstation im Standby nicht abschalten. Das klappt auch nicht beim Hagenuk Stick SR, das am meisten verspricht: „dauerhaft strahlungsreduziert, auch beim Betrieb mit mehreren Mobilteilen“. Es mag strahlungsarm sein, doch radikal schaltet es die Basisstation nur mit einem, nicht aber mit mehreren Mobilteilen ab.
Große Tasten
Speziell ältere Nutzer werden mit Werbeaussagen wie „Großtastentelefon für Senioren“ oder „Zielgruppe 50+“ angesprochen. Wer ein schnurloses Telefon mit einem gut ablesbaren Display, mit einer großen, guten Tastatur, mit selbsterklärenden Funktionen und vielleicht auch mit einer Notruffunktion sucht, wird womöglich am AEG Fame 405, dem Siemens Gigaset E365 und dem T-Com Sinus 200 seine Freude haben. Doch das Audioline Dect 8848 und das Philips CD 2451S aus dieser Kategorie enttäuschen mit ihren schlecht abzulesenden Displays. Das ist nicht Stand der Technik. Viele Handys, selbst preiswerte für weniger als 100 Euro, sind da sichtbar besser. Beim Audioline fielen außerdem zwei Geräte im Test aus. Nach kurzer Betriebszeit fangen sie unmotiviert zu piepen an: „mangelhaft“.
Für Menschen mit Hörproblemen
Auch Hörgeräteträger haben besondere Anforderungen an Schnurlostelefone. Dem kommen drei Geräte mit besonders großer Lautsprecheröffnung entgegen: das Hagenuk AIO 600 – es ist auch insgesamt am lautesten einzustellen –, das Siemens Gigaset E365 und das T-Com Sinus 200. Dank ihrer großen Lautsprecheröffnung kann das Mikrofon des Hörgeräts hinter dem Ohr mithören. Das klappt bei kleinen Lautsprecheröffnungen der anderen Schnurlostelefone eher nicht.
Wenn es piept, rasselt und tönt
Mag Menschen mit Hörproblemen ein lautes Telefon sehr lieb sein, so kann es andere umso mehr stören. Vor allem nachts soll das Schnurlose nicht unvermittelt piepen, den Text des Anrufbeantworters aufsagen oder nicht enden wollende Klingel-Arien von sich geben. Das aber passiert tatsächlich. Kein Telefon im Test kann wirklich lautlos geschaltet werden. Stattdessen werden die Nerven auf die Probe gestellt: Geht zum Beispiel der Akku zur Neige, warnt das Schnurlostelefon mit hektischen Pieptönen. Gab es einen Stromausfall, rasselt überfallartig eine Warnmeldung oder gar der komplette Ansagetext aus dem Lautsprecher. Hatte das Mobilteil kurzfristig die Basisstation verloren und nun wiedergefunden, verkündet es fröhlich diese Neuigkeit mit seinem unnachahmlichen Gepiepe.
Der mündige Schnurlostelefonierer mag das dezenter. Er will Signaltöne und Warnmeldungen selbst ein- und vor allem abstellen können. Bitte, verehrte Hersteller, beim Mobiltelefon gibt es doch auch einen Lautlosbetrieb.
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