Scanner: Teure Blender
Wie viel Scanner braucht der Mensch? Die Hersteller werben mit sehr hohen Auflösungen – doch die Zahl der erkennbaren Bildpunkte ist um bis zu 75 Prozent niedriger.
Nehmen wir mal an, Sie sind ein gutgläubiger Mensch mit sehr viel Geld und kaufen sich einen sündhaft teuren Sportwagen. Er kostet doppelt so viel wie ein Ferrari und soll laut Hersteller fast 1 000 Stundenkilometer schnell fahren. Doch auf der Autobahn hängt ihnen bei Vollgas und Tempo 250 ein aufgemotzter GTI an der Stoßstange. Der Verkäufer sieht die Sache gelassen: „Unter bestimmten Bedingungen könnte der Wagen rein theoretisch 1 000 Kilometer pro Stunde schaffen. Auf der Straße in Deutschland sind es nur 250 Kilometer. Das hätten Sie sich aber doch eigentlich denken können ...“
Käufer von Scannern müssen sich Ähnliches gefallen lassen. Keiner der geprüften Flachbettscanner schafft die vom Anbieter beworbenen Auflösungen. Die beiden teuersten und modernsten Scanner Epson Perfection 3200 Photo (505 Euro) und Canon Canoscan 9900F (500 Euro) ermitteln auf einer mehr als feinen horizontalen Linie von einem Zoll Länge (2,54 Zentimeter) bis zu 3 200 Punkte. In der Vertikalen sollen sie sogar doppelt so gut sein: Von 6 400 erkannten einzelnen Punkten auf einem Zoll ist da die Rede. Den Buchstaben „E“ aus diesem Artikel verwandeln die Scanner demnach in etwa 500 (!) Zeilen mit jeweils 200 Punkten. Macht zusammen 100 000 Bildpunkte.
Stimmt aber nicht. Die Sensoren der Scanner haben zwar technisch eine Auflösung von 3200 dpi (dots per inch; „Punkte pro Zoll“), können sie aber nicht umsetzen. Die Optik ist nicht gut genug, um diese enormen Zahlen zu ermöglichen. Auch in der Senkrechten schaffen die beiden Scanner bei weitem nicht die genannten Werte.
Die Alternative zu den Blendern
Statt der versprochenen Gesamtauflösung von 3 200 x 6 400 dpi erreichen die beiden teuersten Scanner des Tests nur etwa 2400 x 2400 (siehe „Gemessene Auflösung“ in der Tabelle). Der Kunde bekommt etwas mehr als ein Viertel der versprochenen Leistung, zahlt aber für die „neueste“ Technik: Der Preis ist im Vergleich zu den anderen geprüften Scannern viel zu hoch. Statt der beiden teuren Blender empfehlen wir den Epson Perfection 2400 Photo. Er ist fast ebenso gut, aber mehr als 200 Euro günstiger.
Hohe Auflösungen brauchen Scanner zum Einlesen von Dias oder Negativen. Dazu ist zusätzlich eine Lampe erforderlich, die von oben durch die Vorlage leuchtet (Durchlichteinheit). Wer ein vergleichsweise kleines Negativ später als Foto im Format 10 x 15 cm ausdrucken will, sollte vorher mit einer Auflösung von etwa 1 200 x 1 200 dpi gescannt haben – sonst wird der Ausdruck pixelig. Nur wer noch größere Formate oder gar Poster produzieren möchte, braucht höhere Auflösungen. Alle anderen sonst üblichen Anwendungen kommen mit weniger Technik aus. Zum Scannen eines Fotos für das Internet genügen magere 75 dpi. Bei feineren Auflösungen entstehen sonst unsinnig große Datenmengen. Die würden das Laden des Bildes aus dem Internet verzögern. Zum Einlesen von Texten oder Dokumenten reichen etwa 200 dpi. Selbst wer ein Foto scannen und auf dem eigenen Tintenstrahldrucker ausgeben will, braucht nicht mehr als 300 dpi – feinere Farbstrukturen kann der Printer später gar nicht drucken. Kunden sollten sich deshalb von der Leistungshatz der Anbieter nicht irritieren lassen: Ein Scanner mit echten 1 200 x 1 200 dpi genügt. Aus dem Testfeld können wir in dieser Leistungsklasse den Epson Perfection 1260 Photo (132 Euro) empfehlen. Auch er wirbt mit überhöhten Werten, kommt aber auf ein brauchbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Unter der Bezeichnung Epson Perfection 1260 gibt es ihn auch ohne Durchlichteinheit (Preis: 104 Euro).
Schwarz ist nicht gleich schwarz
Granat-Mineral.
Gut: feine, scharfe Kanten (oben).
Schlecht: unscharf, wenig Details (unten)
Was gute und schlechte Scanner unterscheidet, zeigen die beiden Foto- beziehungsweise Scanserien. Zum einen wurde ein in etwa 6 mal 3 Zentimeter großes Granat-Mineral gescannt und dann ein Ausschnitt am PC vergrößert. Das obere Bild stammt vom Epson Perfection 3200 Photo: feine Strukturen, gute Farben. Das untere Bild hat der deutlich schlechtere Canon Canoscan 3000 F gescannt: Es ist unscharf und in der Darstellung sehr viel unrealistischer.
Bitte beachten Sie: Sowohl der Canon Lide 50 als auch der Mustek Bearpaw 2400 können keine dreidimensionalen Gegenstände einlesen, da sie nicht den dafür geeigneten CCD-Sensor sondern eine LED-Zeile verwenden. Im Vergleich zu den anderen Modellen sind sie deutlich leichter und kleiner. Sie eignen sich besonders für die mobile Nutzung mit einem Notebook, da es außer dem üblichen USB-Anschluss keine separate Stromversorgung gibt.
Würfelscan
Schlecht: bunte Pünktchen im Schwarz (unten).
Für die Scans haben wir zwei Würfel aus schwarzer Pappe konstruiert und in jeweils eine Seite ein Loch (0,5 cm) gestanzt. Bei einem der Würfel wurde die verbliebene Fläche auf der gelochten Seite zusätzlich mit weißem Papier beklebt. Die Scanner mussten im Test nun die gelochten Seiten einlesen, was eigentlich ein schwarzes Loch in einer weißen Fläche und ein schwarzes Loch in einer dunklen (schwarzen) Fläche ergeben sollte (die Scans wurden für den Druck etwas aufbereitet). Die oberen Bilder zeigen die Ergebnisse eines guten Scanners. Deutlich sind die Lochkanten zu erkennen, die Farben sind einheitlich, das Loch tiefschwarz. Selbst die weißen Papierfransen des Stanzlochs sind gut sichtbar. Auf dem rechten Bild ist das schwarze Loch viel dunkler als die „schwarze“ Pappe.
Auf den beiden unteren, schlechten Scans ist dagegen von einheitlichem Schwarz im Stanzloch wenig zu sehen, da die hellere Umrandung in die Mitte „einstrahlt“ und aus dem Schwarz ein fleckiges Grau macht. Es sind sogar bunte (!) Farbpünktchen zu sehen: Der Fachmann spricht vom „Rauschen“ und kann damit Rückschlüsse auf die Qualität des Scan-Sensors ziehen (siehe Tabelle).
Bildbearbeitung
Die mit einem Scanner eingelesenen Daten können nachträglich bearbeitet werden: Farben abgleichen, Ränder glätten oder Kontraste schärfen. Mit ein paar Mausklicks verschwinden die roten „Blitzlichtaugen“, der Himmel wird noch etwas blauer, die Haare dunkler. Bis zu einer gewissen Grenze werden auch Einlesefehler des Scanners korrigiert. Die mit den Scannern verkauften Programme zur Bildbearbeitung haben meist nur eingeschränkte Funktionen, Profiprogramme wie Adobe Photoshop kosten über 1000 Euro. Zwischen diesen Extremen gibt es erschwingliche Programme mit vielen Einsatzmöglichkeiten.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Unser Rat
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen