Multifunktionsgeräte: Faxende Druckscansau
Sie drucken, scannen, kopieren oder faxen – mit brauchbaren Ergebnissen. Schwachpunkte sind allerdings Tintenkosten und Stromverbrauch.
Die eierlegende Wollmilchsau bleibt weiterhin der Wunschtraum von Biologen und Landwirten. Das gesuchte Wundertier könnte Milch, Eier, Wolle und Fleisch zugleich liefern. Die Kollegen aus der Computerbranche sind da schon weiter. Glaubt man den Prospekten, so haben sie ab etwa 90 Euro ein Produkt im Angebot, das diverse im Alltag nützliche Funktionen vereint: Es druckt (Fotos bei Bedarf direkt von der Speicherkarte), scannt und kopiert. Wir haben elf dieser auch als „All-in-One“ bezeichneten Kombigeräte geprüft.
Als Drucker arbeiten alle geprüften Geräte mit Tinte und kommen von den vier großen Druckerherstellern Canon, Epson, HP und Lexmark – mit Ausnahme des Modells von Brother. Dadurch bringen sie auch die bereits aus den Druckertests bekannten Vor- und Nachteile mit, wie zum Beispiel brauchbare Druckergebnisse bei zum Teil erheblichen Tintenkosten. Die Noten für die Druckfunktion sind direkt vergleichbar mit den Ergebnissen des letzten Druckertests (Heft 7/04). Insgesamt jedoch drucken die Kombigeräte etwas schlechter als hochwertige, „einzelne“ Tintenstrahler. Die Tintenkosten sind nur bei Canon niedrig und sollten ein entscheidendes Kaufkriterium sein. Jeder Anbieter verwendet ein eigenes System.
Hewlett Packard: Tintentanks und Druckkopf sind eine Einheit, oft hohe Tintenkosten. Besonders teuer wird es mit den Fotopatronen von HP. Ein DIN-A4-Foto kostete im Test bis zu 220 Cent (Photosmart 2610). Preiswertere Ersatztinten von Zweitanbietern sind selten und bieten bei gleichwertiger Druckqualität nur geringe Ersparnis (siehe Druckerpatronen).
Canon: Diese Drucker verursachen die mit Abstand geringsten Tintenkosten – und das bei guter Druckqualität. Die Pixma-Modelle druckten unser Testfoto für 80 bis 90 Cent aus. Darüber hinaus gibt es für Canon Tintentanks von Zweitanbietern, die die Kosten um weitere 50 Prozent reduzieren (siehe Druckerpatronen).
Epson: Liegt bei den Tintenkosten zwischen Canon und HP. Der Epson Stylus CX 6600 verbrauchte beim Ausdruck des Testfotos Tinte im Wert von 140 Cent. Auch für Epson gibt es günstigere Tinte von Zweitanbietern, die mögliche Ersparnis liegt bei etwa 50 Prozent (siehe Druckerpatronen).
Lexmark: Verkauft zum Teil sehr günstige Modelle, hat aber oft sehr hohe Verbrauchskosten – vor allem bei Verwendung spezieller Fotopatronen. Der Lexmark P6250 druckte unser Testfoto für horrende 330 Cent.
Kopieren
All-in-Ones sind sehr einfach als Kopierer zu benutzen: Vorlage auflegen, Knopf für „bunte“ oder „schwarz-weiße“ Kopie drücken, fertig. Der PC bleibt ausgeschaltet. Recht unterschiedlich sind allerdings die Zeiten. Der Lexmark X2250 kopierte im Test ein Foto in 95 Sekunden, sein deutlich teurerer Bruder X7170 brauchte für die Vorlage 8 Minuten und 40 Sekunden. Aufgrund des Qualitätsverlustes, der hohen Tintenkosten und der Dauer sollte das Kopieren von Fotos ein seltenes Vergnügen bleiben. Die insgesamt beste Kopierfunktion hat der HP Photosmart 2610, gefolgt von den beiden Canon Pixma.
Scannen
Wie auch bei herkömmlichen Scannern gilt: Die hochtrabenden Angaben zur Auflösung der Geräte sagen wenig über die Leistungsfähigkeit aus. Alle geprüften Modelle sind für Heimanwendungen ausreichend und haben eine Auflösung von mindestens 600 dpi. Die besten Noten erzielte der HP Photosmart 2610.
Problematisch ist allerdings die Tiefenschärfe. Wer häufiger Bücher, dicke Zeitschriften oder gar Gegenstände wie Uhren und Schmuckstücke scannen will, sollte sich den Photosmart 2610, die beiden Canon oder den Lexmark X7170 näher ansehen: Sie hatten in diesem Prüfpunkt die besten Ergebnisse. Manche Scanner wie zum Beispiel im Lexmark P6250 oder Brother lesen nur das scharf ein, was direkt auf dem Scanfeld aufliegt. Bei der Uhr (siehe Bild) ist zum Beispiel der aufliegende Rand deutlich erkennbar, aber schon der etwas „dahinter“ liegende Sekundenzeiger ist unscharf. Ein solcher Scanner kann zum Beispiel die leichte Wölbung zum Bund bei dicken Büchern nicht mehr korrekt einlesen. Auch mit stark gefalteten Zeitschriften dürfte er Probleme haben. Die Software für die Texterkennung (OCR) kann dann die verzerrt eingelesenen Zeichen nicht mehr korrekt in Buchstaben umwandeln.
Faxen
Die Faxfunktion wird im Zeitalter von E-Mails mit angehängten Fotos oder anderen Dateien immer seltener genutzt, kann aber praktisch sein. Vier Modelle aus dem Test haben eine eingebaute Faxweiche und können auch bei ausgeschaltetem PC Faxe senden und empfangen. Die Noten ähneln sich sehr, kleine Unterschiede gibt es bei der Geschwindigkeit.
Besonderheiten
Multifunktionsgeräte vereinen drei oder vier Grundfunktionen in einem Gehäuse. Doch nicht immer bieten sie alle bei Einzelgeräten nutzbaren Anwendungen. So ist es bei Scannern häufig möglich, mit einer Durchlichteinheit auch Diapositive einzulesen. Bei diesem Vorgang leuchtet eine Lampe von hinten durch das Dia. Die geprüften Drucker-Scanner-Kombinationen haben eine solche Funktion nicht.
Achtung: Alle Modelle können nur per USB-Anschluss mit dem Personalcomputer verbunden werden.
Eine unangenehme Besonderheit ist der Stromverbrauch. Aus technischer Sicht gibt es keinen Grund, warum ein Multifunktionsgerät im Bereitschaftsmodus (Stand-by) oder gar ausgeschaltet, Strom verbrauchen sollte. Dennoch „ziehen“ vor allem die ansonsten recht guten Pixma-Modelle von Canon ausgeschaltet bis zu 14 Watt! Sie wurden ebenso wie einige andere Prüflinge abgewertet. Die meisten digitalen Brüder der eierlegenden Wollmilchsau sollten deshalb nur eingeschaltet werden, wenn sie wirklich gebraucht werden. Die Ingenieure von Canon und Co. können sich ein Beispiel an Brother nehmen: Hier schaltet der Aus-Schalter auch wirklich aus.
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