Mobiltelefone: Kontaktfreudig
Manch einer kann selbst in der Badewanne nicht von seinem Handy lassen. Die neuen Mobiltelefone haben Mini-Joysticks, integrierte Radios oder sogar Schreibmaschinentastaturen.
Wasserdicht sind die Mobiltelefone dieses Tests zwar nicht, dafür aber bunt, musikalisch und kontaktfreudig. Bunt, weil die Geräte zunehmend auch mit farbigen Displays ausgerüstet werden wie das Trium Eclipse oder das Ericsson T68. Musikalisch, weil sie wie das Nokia 5510 auch ein integriertes Radio haben oder von einem Speicherchip Musik wiedergeben können. Kontaktfreudig, weil sie mit entsprechend ausgerüsteten Geräten wie Notebooks, Freisprechanlagen oder Palmtops ohne Kabel Daten austauschen können (Bluetooth-Technik).
Dabei ist es schon verblüffend, dass die Leistungen der Winzlinge trotz Miniaturisierung und umfassender technischer Ausstattung eher noch besser werden. Das leichteste Handy aus unserem Test wiegt nur 73 Gramm und kommt von Alcatel. Der naturgemäß ebenfalls winzige Akku des Alcatel One Touch 511 erreicht aber trotzdem gute Laufzeiten. Bei einem Gewicht von nur 85 Gramm verbindet das umfassend ausgerüstete Ericsson T68 sehr gute Akkuwerte mit einer Ausstattung, die auch bei Handyfreaks keine Wünsche offen lässt. Weiter so, denkt sich der geneigte Handynutzer – wenn nur der hohe Preis von 665 Euro nicht wäre.
Musik und SMS
Das ungewöhnlichste Handy aus dem aktuellen Test ist das Nokia 5510: Es wird nicht nur auf Deutschlands Schulhöfen für Aufregung sorgen. Seine Form ähnelt eher einem Brillenetui mit Display in der Mitte und einer kompletten Miniatur-Schreibmaschinentastatur. Nummerntasten wie bei anderen Handys gibt es nicht, gewählt wird mit den Ziffern der obersten Tastaturreihe. Das ist ungewöhnlich, weil das Handy zum Wählen mit beiden Händen gehalten wird. Lange Fingernägel sind bei den kleinen Tasten allerdings nicht zu empfehlen.
Richtig Spaß machen die Musikfunktionen. Das 5510 hat nicht nur ein Radio, sondern auch einen separaten Musikspeicher. Auf Knopfdruck kann er aus dem Radio mehr als eine Stunde Musik in brauchbarer Qualität laden. Auch das Überspielen von CD oder Kassette ist sehr einfach: Das mitgelieferte Adapterkabel für den Kopfhörerausgang einfach an den Spieler zu Hause anschließen, am Handy „Aufnahme“ drücken und die Musik überspielen. Innerhalb kurzer Zeit können sich so auch technisch weniger Versierte die richtige Mischung für unterwegs zusammenstellen.
Technisch etwas aufwendiger, dafür qualitativ besser ist das Überspielen von MP3-Songs aus dem Computer. USB-Kabel werden ebenfalls mitgeliefert. Nokia will mit dem 5510 Musik- und SMS-begeisterte Jugendliche ansprechen. Allerdings ist der Preis mit 390 Euro für diese Zielgruppe recht hoch, scheint aber wegen des teuren 64-Megabyte-Speichers noch gerechtfertigt.
Offen bleibt, warum Nokia seiner musikalischen SMS-Schreibmaschine kein größeres Handydisplay spendiert hat. Mit 156 Gramm Gewicht ist das 5510 ein echtes Schwergewicht.
Geschäftliches
In der Business-Class treten als direkte Konkurrenten das Nokia 6310 und das Ericsson T 68 gegeneinander an. Sowohl in den Noten als auch in der Ausstattung ähneln sich beide Geräte sehr. Beide haben Sprachwahl, -steuerung und -notizen, Modem, Infrarotschnittstelle, beide beherrschen die schnellen Datenübertragungsverfahren GPRS und HSCSD. Darüber hinaus sind sie mit einem Bluetooth-Chip ausgerüstet, der ihnen die drahtlose Kontaktaufnahme mit bis zu zehn Meter entfernten Geräten erlaubt. Das ist praktisch, um mit dem Notebook oder Palmtop unterwegs zu surfen.
Große Unterschiede gibt es allerdings im Preis und in der Form. Das Nokia 6310 ist Nachfolger des sehr erfolgreichen 6210, ähnelt ihm auch sehr und kostet 450 Euro ohne Vertrag. Es wiegt recht schwere 111 Gramm. Das Ericsson T68 hingegen ist deutlich kleiner und leichter, mit 665 Euro aber auch erheblich teurer. Dafür überrascht es mit pfiffigen Neuerungen. Auf dem „sehr guten“ Farbdisplay machen die mitgelieferten Spielchen, zum Beispiel Tetris, einfach mehr Spaß als auf der monochromen Anzeige des Nokia. Interessant ist auch der Mini-Joystick in der Mitte des T68: Dieser kleine blaue Knopf ist in vier Richtungen beweglich und startet auf Druck diverse Handyfunktionen. Da die Menüführung des Nokia insgesamt aber übersichtlicher ist, bekam es im Prüfpunkt „täglicher Gebrauch“ die besseren Noten.
Fazit: Das Tribandhandy Ericsson T68 ist ein echter „Hingucker“, der Aufmerksamkeit und Spieltrieb weckt, während das „klassische“ Nokia 6310 eher zum Understatement neigt.
Anmerkung am Rande: In Zukunft wird es keine Ericsson- und Sony-Handys mehr geben. Beide Firmen haben ihre Handyproduktion zusammengelegt und vertreiben ihre Modelle künftig unter dem Namen Sony Ericsson. Alle Geräte im Test hatten auf den Packungen noch die bisher üblichen Bezeichnungen.
Besonderheiten
Das rotmetallicfarbene Klapphandy Samsung SGH-A400 soll Frauen ansprechen. Es wiegt nur 87 Gramm und wird mit einer Art Halskette geliefert. Wer es mag, kann sich das Mobiltelefon (mit integrierter Freisprecheinrichtung) um den Hals hängen. In Hongkong soll das bereits weit verbreitet sein. Im Internet wirbt Samsung mit markigen Worten für neue Spezialfunktionen: „Wie sehr dieses Modell auch von moderner frauenorientierter Technik geprägt ist, zeigt die eindrucksvolle Feature-Liste. Zykluskalender, Kalorienzähler, Biorhythmus, Organizerfunktionen ... Zusätzlich rundet der Vibrationsalarm das gesamte Profil dezent ab ... inklusive der neidisch-interessierten Blicke aller Männer.“ Weniger neidvoll blicken die Nutzer allerdings auf die Akkuleistungen: Das 480 Euro teure SGH-A400 erreichte die schlechtesten Werte im Test, vor allem aufgrund der sehr niedrigen Standby-Zeiten.
Eine ungewöhnliche Funktion hat das ebenfalls aus dem Hause Samsung stammende SGH-N400. Während fast alle anderen Hersteller die Handyantennen in das Gehäuse integrieren, hat Samsung eine automatische Antenne eingebaut, die durch Öffnen oder Schließen der Tastaturklappe heraus- oder hereinfährt. Besseren Empfang garantiert das aber nicht. Das SGH-N400 wird im Prüfpunkt „Telefonieren“ nur vom Alcatel One Touch 511 unterboten.
Einen ebenfalls etwas zwiespältigen Eindruck hinterließ auch das Ericsson T65. Es überzeugte vor allem mit starken Akkuwerten. Aber: Der Akku des T65 kann ohne Spezialwerkzeug nicht gewechselt werden. Vieltelefonierer, die immer einen geladenen Ersatzakku parat haben, sollten sich ein anderes Modell kaufen. Wenn nach etwa zwei Jahren regelmäßiger Nutzung der Akku schwächer wird, muss das T65 in die Werkstatt. Die dabei entstehenden Kosten gibt es bei anderen Mobiltelefonen nicht.
Eine Erwähnung wert ist auch das Trium Eclipse. Das recht große und verhältnismäßig schwere Handy hat ein großes und dabei auch gut nutzbares Farbdisplay. Trotz dieses eigentlich recht energiehungrigen Extras erreichte das Eclipse „gute“ Akkuwerte.
Leider nennen die Hersteller nur für sieben geprüfte Handys die SAR-Werte (spezifische Absorbtionsrate, Messwert für die Erwärmung des menschlichen Körpergewebes beim Telefonieren). Samsung beispielsweise gibt bei keinem seiner drei Mobiltelefone im Handbuch oder auf der Verpackung einen Hinweis auf die Strahlung. Den nach Herstellerangaben besten Wert mit 0,30 Watt pro Kilogramm hat das Alcatel One Touch 511. Für das T65 gibt Ericsson einen SAR-Wert von 0,98 Watt pro Kilogramm an. Alle Angaben liegen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert von 2 Watt pro Kilogramm Körpermasse.
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