Kopfhörer: Ab 46 Euro klingt es gut
Testsieger ist ein HiFi-Kopfhörer. Für die Überraschung sorgen aber Leichtkopfhörer.
Es soll Leute geben, die setzen sich in ihr Auto und fahren eine Runde, wenn sie mal richtig laut Musik hören wollen. Schließlich soll ihr „Radau“ zuhause niemanden stören. Die Alternative: Kopfhörer benutzen. Selbst gute Modelle kosten deutlich weniger als gute Lautsprecherboxen. Für kraftvollen Klang braucht es auch keine großen Leistungsverstärker. Außerdem ist mit Kopfhörern differenzierteres Hören als über Lautsprecher möglich. Wer altersbedingt nicht gut hört, braucht sich beim Fernsehen keine Sorgen über lärmgeplagte Mitbewohner zu machen. Und für unterwegs, zum Beispiel in Bus oder Bahn, gibt es zum Kopfhörer eh keine brauchbare Alternative.
So unterschiedlich wie die Anforderungen sind auch die Kopfhörer in unserem Test: große, ohrumschließende HiFi-Kopfhörer zu Preisen bis deutlich über 150 Euro, Leichtkopfhörer, die den HiFi-Modellen recht ähnlich, aber deutlich billiger sind. Und zwei bügellose Ohrmuschelhörer waren noch stellvertretend für die bei MP3-Spielern beliebten Minihörer dabei. Im Vergleich zu den großen schlagen sie sich passabel. „Guten“ Klang bieten sie zwar nicht, taugen aber als Alternative zu mitgelieferten Billighörern.
Funk verschlechtert den Klang
Beim meterlang am Ohrhörer baumelnden Kabel hört für viele der Spaß an einem Kopfhörer schon auf. Wer sich nicht an die Leine legen lassen will, versucht sein Glück mit einem Funkkopfhörer. Ein kleiner Sender, angeschlossen an die Tonquelle, überträgt die Signale. Im Kopfhörer sitzt der passende Empfänger. Doch über die Funkstrecke dazwischen werden nicht nur Musiksignale übertragen, sondern auch lästiges Rauschen. Das stört insbesondere bei leisen Signalen und bei Sprache. Dabei ist Sprache die Domäne von Funkkopfhörern, denn sie werden hauptsächlich fürs Fernsehen genutzt.
Am deutlichsten rauscht der Funkkopfhörer von Philips. Er klingt auch so blechern, dass er abgewertet werden musste. Und das bei einem Preis von 139 Euro. Der Vivanco produziert echoartige Rauschfahnen. Die fallen bei Impulsen (Klavier) und bei Sprache auf. Er kostet auch nur 35 Euro. Am besten funkt der Sennheiser RS 120 für 90 Euro. Selbst gemessen an den HiFi-Modellen mit Kabel liegt der Funk-Sennheiser noch im Mittelfeld.
Betriebsdauer und Reichweite
Am besten klappt die Übertragung bei „Blickkontakt“ zum Sender. Bei der Funkreichweite kommt Sennheiser so auf etwa 100 Meter, Vivanco auf 30 Meter. Wer das Zimmer verlässt, kann mit dem Sennheiser noch mehrere Räume vom Sender entfernt ungestört weiterhören. Beim Vivanco jedoch reißt der Kontakt beinahe schon hinter der ersten Tür ab.
Und wenn in der Nachbarwohnung auch jemand einen Funkkopfhörer benutzt? Dafür bieten die Geräte mehrere Funkkanäle. Werden verschiedene Kanäle eingestellt, gibt es keine Störungen, selbst wenn die Kopfhörer in benachbarten Räumen betrieben werden.
Die Freiheit vom Kabel hat nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich Grenzen. Die längste Betriebsdauer, 23 Stunden, erreichte Sennheiser. Vivanco kam auf knapp 10 Stunden, was für einen Fernsehabend aber noch locker ausreicht.
Nicht jeder HiFi-Kopfhörer klingt gut
Funkreichweite, Nachbarkanaltauglichkeit, Betriebsdauer pro Akkuladung sind für Kabelkopfhörer kein Thema. Hier geht es vornehmlich um Tragekomfort und Klang. Viele HiFi-Liebhaber schwören auf die analytische Wiedergabe hochwertiger Kopfhörer. Am besten klingt der Sennheiser HD 595. Ausgewogen, mit klaren Höhen, druckvoll im Bass, transparent, da macht das Musikhören Spaß. Nachteil: Er ist mit 177 Euro auch der teuerste.
Klar distanziert liegen gleich drei Modelle im Klang auf Platz zwei: AKG K 501, Beyerdynamic DT 440 und Koss KTX Pro 1. Überraschung dieses Trios ist Koss. Das ist einer der Leichtkopfhörer, die inzwischen auch gern als Ersatz für die bügellosen Ohrhörer unterwegs verwendet werden. Mit 46 Euro kostet er knapp die Hälfte des Beyerdynamic (97 Euro) und rund ein Viertel des AKG (160 Euro). Der Koss wirkt nicht gerade edel, seinem guten Klang tut das aber keinen Abbruch.
Hinzu kommt, dass einige deutlich teurere Kopfhörer erheblich schlechter klingen, vor allem der Technics RP-F880E-S. Dünn, grell und unausgewogen steht bei ihm im Prüfprotokoll. Selbst der 168 Euro teure Bose TriPort hat gegenüber Koss nur kleine Vorteile, wobei der Bose plastikhafter wirkt. Empfehlungen aus dem Lager der Leichtkopfhörer: Sennheiser PX 100 und Beyerdynamic DT 231 Pro. Beide klingen ordentlich bei günstigem Preis.
Trotz Prozessor kein Surround
Eine Besonderheit des Tests ist der Sony MDR-DS 1000, ein Set, bestehend aus Kopfhörer (DMR-DS 050) und Surroundprozessor. Die Testergebnisse in der Tabelle beziehen sich nur auf den Kopfhörer. Aber wir haben auch den Prozessor eingehend geprüft: eine Kunststoffbox mit zwei Kopfhörerbuchsen, einem digitalen Toneingang (optisch) sowie einem Stereo-Analogeingang. Über den Digitaleingang unterstützt er die Tonformate Dolby Digital und DTS, über den Analogeingang Dolby ProLogic II.
Doch so richtig surround kommt der Ton nicht rüber. Das Gerät erzeugt zwar einen gewissen räumlichen Eindruck, nachvollziehbare akustische Ortung gibt es aber nicht. Beispiel: Bei einem Videoclip geht ein Sänger im Halbkreis vor der Kamera von links nach rechts. Über Lautsprecher ist das deutlich nachzuvollziehen. Über den Prozessor und Kopfhörer geht der Sänger vom linken Ohr hinter dem Kopf vorbei zum rechten Ohr. Das stellt nicht zufrieden. Immerhin taugt der Prozessor über die Analogeingänge auch als Verstärker für zwei Kopfhörer.
Der Tragekomfort stimmt
Während sich die Prüfpersonen über den Klang der getesteten Modelle weitestgehend einig waren, sah das beim Tragekomfort schon anders aus: Von Person zu Person, genauer von Kopf zu Kopf, gibt es abweichende Bewertungen. Bemerkte ein Prüfer bei einem Hörer einen spürbaren Druck auf den Ohren, fand der andere den Sitz möglicherweise angenehm. Und wenn jemand einen leichten Wärmestau vermerkte, registrierte ein weiterer Prüfer ihn nicht.
Bei den Trageeigenschaften haben wir das Urteil „gut“ vergeben, wenn Druckgefühle oder ein Wärmestau nicht auftraten. Ein „Befriedigend“ gab es, wenn die eine oder andere einschränkende Bemerkung im Prüfprotokoll zu lesen war. Positiv fiel aber auf: Es war kein Kopfhörer im Test, der im Tragekomfort eine „ausreichende“ oder gar eine „mangelhafte“ Bewertung erfordert hätte. Dennoch der Tipp: Probieren Sie den Kopfhörer Ihrer Wahl vor dem Kauf ausgiebig aus.
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