Handytarife: Selbst kaufen ist schlau
Handys wie das neue Sony Ericsson W550i sind oft an teure Mobilfunkverträge gekoppelt. Das geht auch billiger: mit Guthabenkarte und selbst gekauftem Handy.
Fotohandy für 0 Euro, 50 Euro Guthaben für Gespräche oder sechs Monate keine Grundgebühr. Mit solchen und ähnlichen Vergünstigungen werben Mobilfunkanbieter für ihre Dienste. Was oft nur im Kleingedruckten steht: Zu vielen Angeboten gehören Verträge mit teuren Gesprächspreisen und zusätzlichen Fixkosten. Wer nicht aufpasst, zahlt viel Lehrgeld. Guthabenkarten (Prepaid) dagegen sind häufig preiswerter. Ihre Minutenpreise sind dank neuer Billigangebote wie blau.de, debitel-light und simyo in letzter Zeit ständig gesunken. Die niedrigsten liegen aktuell bei 14 Cent pro Minute in alle Netze (bei Easymobile und Simply), weitere Fixkosten fallen nicht an. Nachteil: Es gibt kein Handy dazu. Wer ein neues Handy sucht, steht also vor einer Grundsatzentscheidung: Lieber das billige Handy mit teurem Zweijahresvertrag wählen oder das Wunschhandy selber kaufen und dazu einen preiswerten Prepaidtarif aussuchen? test hat bei Mobilfunkanbietern recherchiert, mit welchem Tarif sie das Sony Ericsson W550i möglichst billig anbieten, und nachgerechnet, wie teuer der dazugehörige Zweijahresvertrag ist.
Unpassende Werbung bei Talkline
Am billigsten gibt es das Sony Ericsson W550i unter anderem bei Talkline im Internet: für 0 Euro – zusammen mit dem 9,9-Cent-Tarif. Doch der Tarif ist oft teurer, als sein Name verspricht. 9,9 Cent pro Minute zahlt hier nur, wer jeden Monat genau 200 Abrechnungsminuten netzintern oder im Festnetz telefoniert. Nicht genutzte Inklusivminuten verfallen am Monatsende. Zusätzliche Minuten und Gespräche in andere Netze kosten dagegen fast das Fünffache: 49 Cent pro Minute. Außerdem: Wer das Multimedia-Paket nicht deaktiviert, zahlt monatlich 1 Euro für polyphone Klingeltöne, Logos, Bilder.
Wer das dicke Minutenpaket nicht ausschöpft, in andere Netze telefoniert und SMS verschickt, legt drauf. Bei einem Gesprächsvolumen wie etwa bei unserem „Wenigtelefonierer“ kostet der Talkline-Tarif pro Monat 30 Euro. Ein Tarif ohne Handy mit Guthabenkarte aber nur 14 Euro. Ersparnis in 24 Monaten: 384 Euro. Sony Ericsson verkauft das W550i ohne Vertrag für 299 Euro. Über zwei Jahre kosten Prepaidkarte und Handy also 635 Euro – 85 Euro weniger als im Talkline-Vertrag mit Gratishandy. Selbst Normal- und Vieltelefonierer finden in den Tabellen preiswertere Tarife.
Teure Minutenpakete bei Vodafone
Noch teurer ist es bei Vodafone. Ohne nach dem Telefonierverhalten zu fragen, empfiehlt uns der Verkäufer den Tarif Vodafone 100 zum Wunschhandy. Mit dem monatlichen Paketpreis von 25 Euro für 100 Minuten ins Vodafone- und Festnetz und auch sonst recht hohen Minutenpreisen (35 bis 50 Cent) ist dieser Tarif vergleichsweise teuer. Ein Wenigtelefonierer bezahlt hier monatlich 28 Euro. In diesem Preis ist das Handy noch nicht inklusive: Es kostet weitere 130 Euro und ist mit einer Taste ausgestattet, die beim Drücken sofort eine kostenpflichtige Internetverbindung aufbaut. In zwei Jahren kostet dieser Tarif in unserem Wenigtelefoniererprofil 802 Euro – 167 Euro mehr als ohne Vertrag, die Kosten für unbeabsichtigte Internetverbindungen nicht eingerechnet.
Noch größer ist die Differenz für Normaltelefonierer: Hier sparen Prepaidkarte und selbst gekauftes Handy 215 Euro gegenüber der günstigsten Vodafone-100-Variante.
Geschenkt gibts nichts
Guthabenkarte und selbst gekauftes Handy sind im Moment also in vielen Fällen preiswerter als ein Zweijahresvertrag. Trotzdem lassen sich viele von den billigen Handys anlocken. Dabei zahlt der Kunde den Preisvorteil während der zweijährigen Vertragslaufzeit über die Minutenpreise und die Fixkosten zurück.
Aber auch die Prepaid-Billiganbieter haben ihre Nachteile: Sie bieten wenig Service und haben oft teure Kundenhotlines. Darüber hinaus lassen sich bei Karten im E-Plus-Netz die Mailboxen nicht abschalten. Doch in puncto Transparenz und Einheitlichkeit der Preise sind diese Angebote klar im Vorteil: Ihre Minutenpreise sind niedrig und gelten rund um die Uhr. Außerdem gibt es keine monatliche Grundgebühr und in der Regel keinen Mindestumsatz. Der Handybesitzer ist hier flexibler. Er zahlt nur, was er tatsächlich vertelefoniert.
Handykauf nicht beim Netzbetreiber
Wer sich für eine Prepaidkarte entscheidet und ein neues Handy kaufen möchte, sollte das nicht beim ersten besten Netzbetreiber tun. Einige Anbieter verteuern ihre Handys ohne Vertrag künstlich. Die an Verträge gekoppelten preiswerten Handys erscheinen so noch verlockender. Zum Beispiel Vodafone: Hier kostet das W550i ohne Vertrag 400 Euro – rund 100 Euro mehr als beim Hersteller Sony Ericsson selbst. Preiswerter gehts bei unabhängigen Anbietern und im Internet. Außerdem: Die Preise fallen rapide, je länger ein Handy auf dem Markt ist und es schon Nachfolgemodelle gibt. Deshalb gilt: Unbedingt die Preise vergleichen.
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