Handytarife: Verbindung – bitte halten!

Handys Test

test 12/2002

Nummernmitnahme heißt das neue Schlagwort. Seit Novem­ber können Mobiltelefonierer ihre alte Handynummer zu einem neuen Anbieter mitnehmen. Aber: Vor einem vorschnellen Vertragswechsel ist Tarifvergleich angesagt.

Handys

Ute ist PR-Beraterin. Stets auf dem neuesten Stand, was News und Börse angeht – nur ihr Handyvertrag, der ist noch von 1998. Steinzeit in der telemobilen Welt. Doch für sie hat das einen guten Grund: „Meine Handynummer ist mein Kapital. Wenn sie sich ändert, gehen mir wertvolle Kontakte verloren“, sagt die Geschäftsfrau. Hinzu kommen die Kosten: Bei Netz- oder Providerwechsel hätte sie unzähligen Kunden ihre neue Nummer mitteilen, neue Briefköpfe und Visitenkarten drucken müssen.

Diese Argumente galten bis zum 1. November 2002. Seitdem ist alles anders. Zum ersten Mal in der deutschen Mobilfunkgeschichte können Kunden den Anbieter wechseln, ohne ihre heiß geliebte Handynummer in den Orbit schicken zu müssen. Egal ob D1, D2, E-Plus oder O2 – die Bonner Regulierungsbehörde fürTelekommunikation und Post hat alle Netzbetreiber gleichermaßen verpflichtet, ihren kündigenden Kunden die Mitnahme der Rufnummer zu ermöglichen. Das Gleiche gilt auch für Provider wie zum Beispiel debitel, Hutchison oder Victorvox.

Zwar ist die „Rufnummernportabilität“ schon seit 1998 im Telekommuni­kationsgesetz verankert. Aber wegen techni­scher Schwierigkeiten hatte die Regulierungsbehörde sie fast fünf Jahre außer Kraft gesetzt. Jetzt soll die Nummernmitnahme endlich ihre Schuldigkeit erfüllen: Dem Verbraucher freie Netz- und Providerwahl ermöglichen und damit den Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt ankurbeln.

Und so funktionierts: Der wechselwillige Kunde kündigt fristgerecht seinen alten Vertrag. Dann geht er zu einem Anbieter seiner Wahl und stellt dort einen Antrag auf Nummernmitnahme. Der neue Vertragspartner wickelt mithilfe einer zentralen Datenbank die Freischaltung der alten Nummer im neuen Netz ab. Aber Achtung: Der Antrag sollte ein bis zwei Wochen vor Vertragsablauf gestellt werden. Zum einen kann es so lange dauern, bis die Daten bearbeitet sind. Zum anderen ist die Nummer nur noch einen Monat nach der Deaktivierung reserviert.

Alte Nummer: Lieb und teuer

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Die erste Euphorie über die alte Nummer bei einem neuen, günstigeren Anbieter sollte nicht über den einen oder anderen Stolperstein hinwegtäuschen. Denn die Anbieter lassen sich die Untreue flüchtender Kunden teuer bezahlen. Während die Mitnahme der Handynummer in Schweden für 11 Euro und in Holland sogar für 8 Euro zu haben ist, sollen deutsche T-Mobile-Kunden, Vodafone- und E-Plus-Kunden 24,95 Euro und O2-Kunden immerhin noch 22,50 Euro löhnen.

Damit sich potenzielle Neukunden trotz dieser Kosten nicht abschrecken lassen, haben die beiden kleineren Konkurrenten sich etwas einfallen lassen: O2 stattet Neukunden mit 25 Euro Gesprächsguthaben aus und E-Plus will „in Einzelfällen und auf Anfrage“ die Portierungsgebühren übernehmen.

Prepaid: Kunden zweiter Klasse

Kunden mit Guthabenkarte (Prepaidkarte) haben noch ein anderes Problem. Manche Mobilfunkanbieter ermöglichen ihnen erst gar nicht die Nummernmitnahme (Stand zu Redaktionsschluss). Wer bei O2 oder E-Plus eine Guthabenkarte kauft, kann seine alte Nummer nicht behalten. Die beiden wollen das vorerst nur Kunden ermöglichen, die bei ihnen einen Handytarifvertrag abschließen. An den sind sie dann in der Regel für zwei Jahre gebunden. D1 und D2 ermöglichen dagegen die Nummernmitnahme auch beim Kauf einer Guthabenkarte. Juristisch ist diese Ungleichbehandlung umstritten, da das Gesetz keinen Unterschied zwischen Vertrags- und Prepaidkunden macht. Ein Vertrag ist aber durchaus eine Überlegung wert: Denn Guthabenkarten haben höhere Gesprächsgebühren und lohnen sich nur für Wenigtelefonierer.

Doch manche Prepaidhandys mit so genanntem Sim-Lock funktionieren ausschließlich mit der Sim-Karte des Anbieters, mit dem sie im Paket verkauft wurden. Bevor die Kunden zu einem anderen Anbieter wechseln können, müssen sie erst warten, bis ihre Handy­sperre (meist zwei Jahre) ausläuft oder hohe Entsperrungsgebühren zahlen.

Netzerkennung: Mission (im)possible

Aber auch wenn die altbewährte Nummer ins neue Netz gerettet ist, lauern noch immer Tücken, besonders auf Privattelefonierer. Denen haben wir stets geraten: Das Netz Ihrer Freunde ist auch Ihr Netz! Denn innerhalb eines Netzes kann man in der Regel zu einem besonders günstigen Tarif telefonieren. Das stimmt auch jetzt noch. Nur verrät die Vorwahl nicht mehr, um welches Netz es sich handelt. Woher wissen, ob der Gesprächspartner nicht längst gewechselt hat? Die Funknetzbetreiber haben alle eine kostenlose Abfragemöglichkeit eingerichtet. Auch die Abfrage per SMS oder Wap wird möglich sein, aber meist kostenpflichtig. Informieren Sie sich über die unterschiedlichen Möglichkeiten bei Ihrem Mobilfunkpartner.

Kunden: Durchblick im Tarifdickicht

Gekündigt, Wechselgebühren bezahlt? Bereit, einen Vertrag abzuschließen? Dann besteht freie Auswahl, was Netz und Provider angeht. Jetzt gilt es nur noch, sich als Einzelkämpfer durch den Dschungel der Tarife zu schlagen. Denn der günstigste hängt allein vom individuellen Telefonierverhalten ab. Für diejenigen, denen die ständige Zuordnung von Nummern zu Netzen und damit zu ermäßigten Gesprächsgebühren zu lästig ist, könnte ein netz­unab­hän­giger Tarif die Lösung sein: Zum Beispiel hat O2 Tarife mit „Mobile Option“ im Sortiment. Für 19 Cent am Abend und 29 Cent am Tag kann man mit dem Tarif Genion Mobil in jedes andere Mobilfunknetz telefonieren und 10 beziehungsweise 30 Cent pro Minute sparen. Der Haken: Gespräche im eigenen Netz kosten tagsüber 10 Cent mehr als ohne diese „Mobile Option“.

E-Plus bietetTime&More-Tarife an, die ähnlich funktionieren: Je nach Tarifpaket 20, 60 oder 120 Minuten pro Monat für jeweils 15 Cent. Hier ist sogar egal, ob Handy- oder Festnetz, nah oder fern – jedes Gespräch kostet das Gleiche. Kein lästiges Rechnen mehr. Aber: Sind die gewählten Minuten abgelaufen, wird es teuer. Dann schlägt jede Folgeminute tagsüber mit satten 50 Cent zu Buche, am Abend mit 20. Teuer ist dieser Tarif aber nicht nur für diejenigen, die mehr, sondern auch für alle, die weniger telefonieren. Denn das ausgewählte Minutenpaket ist immer zu bezahlen.

Während O2 und E-Plus mit netzunabhängigen Einheitstarifen locken, setzen die Großen auf günstige Partnertarife: Mit der CombiCard von D1 oder der Partnerkarte von D2 und E-Plus gibt es zum eigenen Vertrag eine zweite Karte für den Wahl-Partner dazu, die er in sein Handy einlegen kann. Vorteil: Der telefoniert dann ohne Grundgebühr, aber mit 5 Euro Mindestumsatz im Monat.

Auch die City-Optionen sind nach wie vor bei D1 und D2 im Programm: Gespräche vom Handy ins Festnetz kosten in dem Ort, in dem man sich gerade aufhält, jederzeit nur 9 Cent. Die E-Plus-Family-Variante: Fünf Festnetznummern auswählen und abends nur 6 Cent zahlen.

Ihr Tarif: So individuell wie Sie selbst

Ob City-, Family- oder Partneroption, der richtige Tarif ist immer individuell zu finden. Ein guter Berater wird seinen Kunden fragen, wie viel und zu welchen Zeiten er telefoniert. Ob er eher das Festnetz oder Funknetze, seinen Wohnort, ganz Deutschland oder das Ausland anwählt.

Tipp: Orientieren Sie sich an unseren Tabellen. Wir haben aus über 600 Tarifen die günstigsten für vier unterschiedliche Telefontypen herausgesucht. Oft bieten Serviceprovider besonders billige Tarife an, indem sie Netzbetreibern Tarifpakete abkaufen und zu eigenen Konditionen neu schnüren. Dafür haben sie dann weniger Filialen wie zum Beispiel Alphatel oder Serviceprobleme wie Talk­line. Manches Mal berechnen sie hohe Sonderkosten wie Deaktivierungsgebühren, die nur dem Kleingedruckten zu entnehmen sind.

Nicht immer ist der preiswerteste Tarif also auch der beste. Sowohl bei Netzbetreibern als auch bei Providern gilt: Wirklich sparen kann nur, wer sich an die jeweiligen Tarifbesonderheiten hält. Für Geschäftsleute, die sich weder bestimmte (Kunden-)Netze aussuchen noch an Nebenzeiten halten können, gibt es andere Lösungen: zum Beispiel eine Tarifautomatik innerhalb der Professional-Tarife von E-Plus. Jeden Monat wird das Telefonierverhalten neu analysiert und dem jeweils günstigsten Tarif zugeordnet. Praktisch, aber immer teurer als festgelegte Sparoptionen.

Auch Geschäftsfrau Ute hat ihren neuen Businesstarif gefunden. Mit dem kann sie richtig sparen. Und gesichert ist auch das Wichtigste: ihre alte Nummer. Samt den wertvollen Kontakten.

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