GPS-Empfänger: Wegweisende Hilfe von oben

GPS-Empfänger Test

test 06/2003

Schnitzeljagd modern: Eine 9. Klasse suchte mit Satellitennavigationssystemen ihren Weg – und alle kamen an. Das bestätigte unser Testergebnis: Viele Navigationssysteme sind brauchbar.

GPS-Empfänger

Hänsel und Gretel aus Grimms Märchen streuten im Wald Brotkrumen. Die sollten den Rückweg markieren, doch Vögel pickten sie auf. GPS-Navigationsempfänger sind besser. Sie zeigen die zurückgelegte Wegstrecke punktiert und nennen sie zuweilen Brotkrumenspur: „Breadcrump Trail“. Anhand der gespeicherten Spur führen die Empfänger auf dem gleichen Weg zurück – besser als im Märchen.

Wald ohne Schrecken

GPS-Empfänger Test

Jeder will beim Pilzesammeln zum Auto zurückfinden oder aber versteckte Schätze finden: Deren Koordinaten stehen unter www.geocaching.de. In Deutschland gibt es mehr als 1000 solcher Verstecke mit Plüschtieren oder Süßigkeiten. Gefunden werden sie wie von unseren Schülern bei der Schnitzeljagd per GPS-Empfänger. Schließlich zeigen sie die Position bis zu drei Meter genau (siehe „So funktioniert GPS“). Wichtig sind jedoch Ersatzbatterien. Ein Batteriesatz reicht je nach Gerät nur für gut 9 bis knapp 14 Stunden Betrieb.

Die Navigationsgeräte geben auf Basis der Satellitensignale nicht nur die Position in der Ebene, sondern auch die Höhe an. Zwei im Testfeld haben zudem einen barometrischen Höhenmesser. Der funktioniert beispielsweise auch im Fahrstuhl. Dort, wo die Signale der Navigationssa­telliten nicht hinreichen. Ganz nebenbei zeigen sie aber auch die Uhrzeit an. Und zwar mit der Genauigkeit einer Atomuhr. Eine solche Präzisionsuhr steckt in jedem Ortungssatelliten. Nebenfunktionen wie ein elektronischer Kompass und die Schnittstelle zum PC oder zu anderen Peripheriegeräten (wie Seekartenplotter ...) runden das Bild ab.

Tipp: Der elektronische Kompass benötigt viel Energie. Nutzen Sie ihn nur im Ausnahmefall, also in großen Intervallen.

In trockenen Tüchern

GPS-Empfänger Test

Weil die GPS-Empfänger auch Wasserwanderern dienen, sollen sie schwimmfähig sein (alle Magellan-Modelle im Test und Garmin GPS 72) oder zumindest wasserdicht. Das gilt nicht für die GPS-Handys. Nach einem Blick auf einladend klaffende Gehäusefugen warfen wir sie nicht ins Tauchbecken. Sie wären ganz bestimmt „ertrunken“. Jedoch sah der Wassertest mit den anderen Geräten teilweise richtig lustig aus. Wie eine Badeente tanzte das gelbe Magellan Spor Trak mit der Spitze über Wasser. Schade nur, dass der Meridian Platinum hierbei baden ging: Ein Testgerät fiel aus. Ein zweites erholte sich über Nacht, nachdem wir es geöffnet und getrocknet hatten.

Tipp: Kontrollieren Sie den Sitz des Dichtgummis, bevor Sie die Batteriekammer schließen, und ziehen Sie die Halteschraube bis zum Anschlag an.

Auf drei Meter genau

GPS-Empfänger Test

Verblüffend hoch ist inzwischen die Genauigkeit. Vier Geräte von Garmin zeigen im Test unter optimalen Bedingungen nur rund drei Meter Abweichung. Zwei dieser Geräte werten ein noch im Testbetrieb ausgestrahltes Korrektursignal aus (EGNOS), zwei sind auch so sehr genau. Andere Modelle haben eine Abweichung von bis zu zwölf Metern – obwohl sie teilweise auch EGNOS beherrschen.

Die hohe Genauigkeit wird bei den Magellans leider dadurch entwertet, dass man die Koordinaten (Grad, Minuten, Sekunden) nicht auf die Kommastelle genau eingeben kann. In unseren Breiten entspricht eine Bogensekunde (die genaueste Eingabe bei diesen Modellen) einem Raster von 20 x 30 Metern. Einige Schülergruppen suchten deshalb den ver­steckten Zettel mit den Koordinaten des nächsten Wegpunkts in einem 30-Meter-Kreis. Die Garmins sind besser.

Neue Geräte sollen nicht nur präzis arbeiten, sondern auch im Wald und in Straßenschluchten gut funktionieren. Bei einigen klappt das („sehr gut“ im Prüfpunkt „Zuverlässigkeit“). Doch immer noch sinkt die Genauigkeit, wenn der direkte Blick zu den Satelliten verstellt ist. Die Garmin eTrex Summit und Vista waren am genauesten. Relativ große Abweichungen dagegen hatten das Benefon GPS-Handy und die Casio-Uhr.

Tipp: Bei schlechten Empfangsbedingungen unter Bäumen/zwischen Häusern in Schneisen/auf Kreuzungen den freien Blick gen Süden nutzen; der gewiesenen Richtung folgen; beim nächsten Satellitenkontakt erneut peilen.

Notnagel

GPS-Empfänger Test

Die GPS-Uhr von Casio erreicht das Klassenziel nur knapp. Ihr integrierter Akku hält keine anderthalb Stunden durch und die Handhabung ist, mit Verlaub gesagt, ziemlich haarsträubend.

  • Während andere Empfänger sechs, sieben Satelliten „einfingen“ und die Position fast metergenau angaben, stocherte die GPS-Uhr mit Kontakt zu nur zwei, drei Satelliten im Nebel. Im Wald zeigte sie 15-mal, in der Stadt 11-mal nichts an. Höhenangaben fehlten fast immer.
  • Das GPS-Modul schaltet nach kurzer Zeit ohne Satellitenempfang ab. Nur ein kurzer Warnton weist darauf hin. Dann gibt es – womöglich unbemerkt – keine „Brotkrumenspur“ für den Weg zurück.
  • Allenfalls unter freiem Himmel hilft sie zusammen mit einer guten Karte weiter.

Kein Kinderspiel

GPS-Empfänger Test

Nicht jeder von uns taugt zum Helden wie bei Jules Verne, der seine Protagonisten in „Die Kinder des Kapitän Grant“ die Erde bei 37 Grad und 11 Minuten südlicher Breite umrunden lässt – einer kaum leserlichen Flaschenpost folgend. Mit topographischen Koordinaten hantieren, Kartenmaterial abgleichen, Kompasskurse berechnen und dergleichen – da muss man viel lernen und freut sich, wenn das Navigationsgerät mit verständlichen Bedienmenüs und klarer Sprache keine zusätzlichen Hürden aufstellt. Am besten gefiel unseren Prüfern darin das Garmin eTrex Vista (555 Euro).

Unsere Schulklasse war gehörig gefordert: Manches Team kam binnen weniger Minuten zurecht, andere erreichten den ersten Wegpunkt, ohne die Zielkoordinaten eingegeben zu haben. Sie hatten zwar ein für die Handhabung gut beurteiltes eTrex in der Hand, fanden dennoch nicht das spezielle Menü dafür. Wie kamen sie zurecht? Sie orientierten sich an der Positionsanzeige. Die Zahlen für Längen- und Breitengrad im Auge, bewegten sie sich so, dass sich die Koordinatenangabe der des Zielpunkts anglich. Erst gings ein paar Schritte in die falsche Richtung, dann liefen sie richtig.

Noch mehr Einarbeitung kostet die Routenplanung am PC. Doch nur damit laufen die Navigationsempfänger zur Hochform auf. Topographische Karten werden gescannt oder als digitale Karte beschafft. Beispielsweise gibt es bei den Landesvermessungsämtern das Kartenwerk „TOP 50“ auf CD-Rom. Statt der 88 Landkarten für Berlin-Brandenburg zum Preis von zusammen rund 450 Euro kostet die CD-Rom nur 55 Euro. Am PC werden Wegpunkte markiert, zu einer Route zusammengestellt und zum GPS-Empfänger übertragen. Im Internet finden sich Routen, die bereits gelaufen wurden. So lässt sich der Trip gut planen. Zur Ermittlung beispielsweise einer Laufstrecke funktioniert das mit allen Geräten im Test auch in umgekehrter Richtung.

Kartenspiel

GPS-Empfänger Test

Etliche Geräte zeigen nicht nur Koordi­naten, sondern auch die Position auf einer Karte (Prüfpunkt „Genauigkeit der Karten“). Diese Karte wird Basemap genannt und umfasst meist die ganze Welt. Deshalb geht sie kaum über Details von der Größe einer Landeshaupt- oder Millionenstadt und ein paar wichtige Autobahnen und Bundesstraßen hinaus. Das mag dem Piloten eines Jets hoch am Himmel genügen, den Schülern unserer 9. Klasse wäre das zu wenig. Sie hätten sich bestimmt auch über die bis zu über 100 Meter Differenz zwischen gespeicherten und tatsächlichen Koordinaten der „Points of Interest“ beim Garmin eTrex Vista mokiert. Als „interessanter Punkt“ gelten beispielsweise Sehenswürdigkeiten, Tankstellen, Flughäfen und Gaststätten. Und 100 Meter Abweichung können bedeuten, dass man nicht an einer taschengeldfreundlichen Pizzeria, sondern bei einem teuren Yuppieladen landet.

Das passiert mit dem GPS-Handy Nav Talk wahrscheinlich nicht. Das teuerste Gerät im Test (1200 Euro) wird mit detaillierten Karten auf CD-Rom ausgeliefert. Mit denen lief es zur Hochform auf: Per Sprachausgabe (englisch, die deutsche Sprachausgabe fanden wir im Internet) führte es uns durch die Stadt. Statt Kompasskurs und Luftlinien-Entfernung gab es klare Ansagen: „Nächste Kreuzung 200 m links auf die Tiergartenstraße abbiegen“. So einfach machten wir es unserer Testklasse nicht. Das Handy blieb unter Verschluss. Sorry, liebe Schüler der 9B.

Für das Benefon-Handy wiederum können 500 Kartenblätter gratis aus dem Internet geladen werden. Das wollte uns trotz mehrerer Telefonate und Mailwechsel mit dem finnischen Anbieter nicht so recht gelingen. Kostenlos bekamen wir nur grobes Kartenmaterial, gut auflösende Karten gab es nur gegen Cash. Schließlich mussten sich die GPS-Han­d­ys auch als Telefon auf dem Prüfstand beweisen. In der Sprachverständlichkeit schnitten beide nur mittelmäßig ab, wir urteilen „befriedigend“. Besser, nämlich „gut“ ist ihre Empfindlichkeit, also das Verhalten bei schwachem Empfang.

Finde den Freund

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Anbieter wie Benefon und Garmin, die über den Tellerrand hinausblicken, sind sympathisch. In das Benefon-Handy packten die Finnen neue Funktionen wie „friend find“. Damit kann man seine Position und die aktuelle Route als Kurznachricht SMS an ein anderes Telefon senden. Ist dies ebenfalls ein Benefon ESC!, zeigt dieses die Richtung und Entfernung zum Absender an. Finde mich! Kleiner als das Handy; zum Anklipsen beispielsweise am Halsband eines Hundes. Jäger verfolgen dann anhand automatischer SMS, wo ihr Jagdhund gerade das Wild stellt.

GPS als Spiel

GPS-Empfänger Test

Die Stöberhund-Funktion des Benefon probierten wir mit unserer Schulklasse bei der Schnitzeljagd nicht aus. Die hatte dafür mit dem Garmin Geko ihren Spaß. Dieses besonders handliche Gerät bietet Spiele, zu denen spontan der Kommentar kam: „Besser als ein Gameboy – man muss sich bewegen“. Stimmt, und sie mussten sich sogar ziemlich heftig bewegen. Bei diesem Spiel zeigt das Display ein virtuelles Spielfeld. Darin erscheint ein Gecko, auf den man treten muss. Dafür gibt es Punkte. Ist das Spielfeld groß gewählt (variabel bis zur Größe etwa eines Fußballfeldes), muss man richtig rennen und springen. Im Nu ging es quer über den Sportplatz der Schule, obwohl gerade ein Spiel lief. Wen kümmerte es, das Spiel mit dem Gecko ging vor.

Auch das sattsam bekannte „Labyrinth“ gewinnt mit dem Garmin Geko eine neue Dimension. Der Spieler bewegt nicht mehr Cursortasten, sondern sich selbst. Es stimmt also, der insgesamt „gute“ GPS-Empfänger ist in dieser Hinsicht besser als ein Gameboy. Teurer leider auch (Ladenpreis 209 Euro, ab 180 Euro im Internet), doch immerhin ist er der mit Abstand billigste Navigationsempfänger im Test. Und im Urteil unserer Schüler erhielt er den höchsten Fun-Faktor. Wenn das nicht Schule macht!

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