Fernsehgeräte: Zu groß für die Gegenwart?
Auf den großen LCD- und Plasmafernsehern soll sich die Fernsehzukunft abspielen. Doch mit dem Pal-Standard der Gegenwart haben viele noch Probleme.
Neben dem Pool räkelt sich eine junge Frau. Auf ihrer Haut funkeln Wassertropfen so plastisch, dass man gleich selbst ins kühle Nass springen möchte. Eine Herde Antilopen grast in der Savanne. Jedes Hälmchen ist so gestochen scharf – man würde am liebsten mitgrasen. Solche hochaufgelösten Bilder, die in Elektronikmärkten als Endlosschleife auf den riesigen Flachfernsehern laufen, können einen schon ins Schwelgen bringen. Doch bevor man im Bilderrausch ein Bündel Geldscheine zückt, sollte man sich auf denselben Schirmen mal ein ganz gewöhnliches Fernsehbild ansehen. Das kann ernüchternd sein.
Die großen Flachen im Test
Im aktuellen Fernsehertest haben wir uns die ganz großen Flachbildgeräte angesehen: Neun LCD-Modelle mit 80 Zentimetern und vier Plasmageräte mit über einem Meter Bilddiagonale prägen das Testfeld. Immerhin zeigen sechs Geräte eine „sehr gute“ Bildqualität im hochauflösenden HDTV-Format (High Definition Television), das als „Fernsehen der Zukunft“ von sich reden macht (siehe auch Artikel „TV extrascharf“). Doch beim Fernsehen der Gegenwart in der heute üblichen Pal-Auflösung zeigt von diesen sechs allein das LCD-Gerät von Philips ein „gutes“ Bild. Die übrigen fünf bringen hier nur durchschnittliche Ergebnisse.
Vorsicht, Abstand halten!
Ein Grund für das Auseinanderklaffen liegt schon in den unterschiedlichen Videosignalen: Auf große hochaufgelöste Flachbildschirme gebracht, lässt das HDTV-Bild den Traum vom Heimkino in greifbare Nähe rücken. Bläst man dagegen ein Pal-Bild auf diese Größe auf, sieht das aus der Nähe betrachtet nie richtig toll aus. So nennen denn auch die Anbieter als Faustregel für den Mindestabstand zwischen Gerät und Betrachter die vierfache Bilddiagonale. Bei einem 1-Meter-Gerät bedeutet das also mindestens vier Meter Platz zwischen Sofa und Bildschirm!
Doch nicht nur das Format der eingehenden Bildinformationen ist wichtig, sondern auch deren Verarbeitung im Fernsehgerät. Besonders die Umwandlung der Pal-Auflösung auf die viel höhere der LCD-Schirme ist eine enorme Rechenleistung. Bei einigen bleibt da zum Beispiel die Farbtiefe auf der Strecke: Gesichter erscheinen seltsam flächig, Texturen wie Grasflächen oder Mauerwerk verlieren an Details, Spielfilme wirken eher wie Computeranimationen. Oder aber es kommt zu pixeligen Bildartefakten – besonders bei bewegten Bildern.
Der Kauf eines Fernsehers wird da zu einer strategischen Frage: Will man in die noch recht ungewisse HDTV-Zukunft investieren, ist eine sehr gute HDTV-Qualität ein entscheidendes Argument – ebenso wie das „HD ready“-Logo, das die vollständige Kompatibilität zu zukünftigen HDTV-Sendungen und -Videos garantieren soll. Doch vielen wird wichtiger sein, dass sie sofort ein gutes Bild haben, wenn sie ihr neues Gerät zu Hause anschließen und damit Fernsehen und DVDs in der ganz normalen Pal-Auflösung ansehen.
Nur einer hat immer ein „gutes“ Bild
Keiner der LCD-Fernseher im Test zeigte ein „gutes“ Pal-Bild über die externen Videoeingänge. Allein das Plasmagerät von Panasonic hat sowohl über Pal wie auch über HDTV eine durchgehend „gute“ Bildqualität. Allerdings trägt es schon mangels ausreichend hoher Bildschirmauflösung nicht das „HD ready“-Logo.
Unterschiede gab es im Test nicht nur bei der Pal- und HDTV-Darstellung, sondern auch in der Handhabung. Die beiden Geräte von Panasonic und der sonst so üppig ausgestattete Humax-Fernseher fallen durch unangenehm lange Wartezeiten beim Programmwechsel auf.
Das Humax-Gerät gehört mit dem Fernseher von Toshiba und dem Röhrengerät von Samsung auch zu den dreien im Test, in deren Kunststoffgehäusen wir problematische Flammschutzmittel gefunden haben. Vermutlich sind sie durch Verunreinigungen bei der Produktion hineingeraten. Für eine flammhemmende Wirkung reichte die Menge jedenfalls nicht. Es war andererseits aber zu viel, um bei den Umwelteigenschaften eine bessere Note als „befriedigend“ zu erlauben.
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