Fernsehgeräte: Voll im Bild
Moderne Fernsehapparate machen technisch einen recht ausgereiften Eindruck. Und trotzdem gibt es auch an ihnen noch was zu verbessern, wie der Test zeigt.
Flimmerkiste – der nicht gerade schmeichelhafte Spitzname für Fernsehgeräte war berechtigt. Seit dem Start des deutschen Fernsehens vor rund 50 Jahren mühen sich die Ingenieure, ihren TV-Empfängern das Flimmern abzugewöhnen. Erfolg hatten sie erst mit der 100-Hertz-Technik. Anders als bei herkömmlichen Apparaten zeigt sie jedes Fernsehbild zweimal. Dadurch sehen wenig bewegte Bilder aus wie gemalt. Schwierigkeiten machten allerdings Action-Szenen. Da produzierten bislang viele 100-Hertz-Geräte Bildstörungen bis hin zu Aussetzern.
Doch das ist wohl Schnee von gestern. Im aktuellen Test von 50- und 100-Hertz-Fernsehgeräten war nur noch ein Gerät dabei (Metz), das einem durch das Bild huschenden Tennisball einen kurzen Kometenschweif verpasst – eines der typischen „Bewegungsartefakte“ älterer 100-Hertz-Modelle. Außerdem werden bei schnell bewegten Bildern die Konturen verwischt. Dann wirkt beim Fußball der Rasen oft flächig grün.
Auch die 50-Hertz-Modelle sind besser geworden. Denn im Vergleich zu ihnen hatte nur noch ein 100-Hertz-Empfänger (Philips 28 PT 7007) im Test einen Vorteil in der Bildruhe. Klar, wenn ein 100-Hertz-Empfänger neben einem mit 50 Bildwechseln pro Sekunde steht, ist der Unterschied noch sichtbar. Steht er aber allein, fällt das leichte Flimmern der 50-Hertz-Geräte kaum noch auf.
Grundsätzlich sind die 50-Hertz-Geräte billiger als die „flimmerfreien“. Aber auch da haben sich die beiden Gruppen angenähert. So kostet der 50-Hertz-Sony bei den Modellen mit 70-Zentimeter-Bildröhre genauso viel wie der 100-Hertz-Philips, wobei das Sony-Bild sogar einen Hauch besser bewertet wurde als das des Philips. Es ist noch gar nicht lange her, da lagen nur 100-Hertz-Billigprodukte im Preisbereich der 50-Hertz-Markenware.
Panasonic ist nicht gleich Panasonic
Apropos Preis: Es gibt im Test kein Gruppenurteil, in dem nicht ein preisgünstigeres Modell besser abschneidet als ein teureres. Bestes Beispiel ist die Bildqualität. In der 82-Zentimeter-Gruppe hat der teuerste Fernsehapparat, der LG für knapp 1 500 Euro, gemeinsam mit dem Breitbild-Sony die schlechteste Testnote für die Bildqualität. Die beste Bewertung erhielt das billigste 16:9-Modell, der Panasonic. In der 70-Zentimeter-Klasse aber wurde der Panasonic im Bild rund eine Note schlechter bewertet. Daraus lässt sich nur eine Schlussfolgerung ziehen: Verbraucher sollten von der Testnote eines Produkts eines Anbieters nicht auf die Qualität eines anderen Produkts desselben Anbieters schließen.
Weitere Beispiele in dieser Richtung: Thomsons teurer Breitbildapparat ist mit einer Note von 2,0 Gruppenbester, sein 4:3-Billigmodell mit 2,8 aber zweitschlechtester. Philips, in der Tonqualität bei den Breitbildgeräten weit vorn, tönt in der 70-Zentimeter-Klasse knapp anderthalb Noten schlechter. Achtung also, wenn im Handel andere Modelle eines Anbieters als gleichwertig zu den getesteten hingestellt werden. Das gilt auch für Nachfolgemodelle, falls das Testgerät nicht mehr erhältlich ist.
Der Test bietet noch mehr Erkenntnisse: Wer viel tagsüber fernsieht und das Zimmer nicht verdunkeln will, braucht einen hohen Kontrast bei hellem Umgebungslicht. Bei den 4:3-Modellen bietet das der Loewe am besten, bei den Breitbildgeräten Panasonic und Thomson.
Unrühmliche Ausnahmen beim Ton
Die Tonqualität der Testgeräte ist meist gut. Mit dem kraftvollen Sound einer ausgewachsenen Tonanlage können sie aber nicht mithalten, nur der Breitbild-Thomson kommt dem recht nahe.
Unrühmliche Ausnahmen sind die 4:3-Fernsehgeräte von Philips (28 PT 4457), Thomson und Sharp. Ein zusätzliches Manko: Gerade die drei weniger gut klingenden Modelle (und noch einige andere) haben weder Lautsprecher- noch Verstärkerausgänge. Der Anschluss einer externen Audioanlage verhilft zu deutlich besserem Klang.
Auch wer Surroundton haben will, ist auf eine externe Audioanlage angewiesen, denn keines der getesteten Geräte ist entsprechend ausgestattet. Wenigstens kann jeder Fernsehapparat über das Stereosignal von Spielfilmen auch die Pro-Logic-Signale für einen Surroundverstärker liefern – wenn er denn einen Audioausgang hat.
Wer zu seinem Fernsehbild digitalen Rundumton haben will, muss als Signalquelle den Receiver für digitales Satelliten- oder terrestrisches Fernsehen verwenden. Und wenn der Film von der DVD kommt, liefert der DVD-Spieler den Ton direkt zur Tonanlage.
Zusatzteil für Digital-TV
In die Testgeräte ist kein Digitalempfänger eingebaut. Wenigstens können die Modelle von Loewe und Metz mit Digitalempfängern geordert oder nachgerüstet werden. Das kostet aber rund 400 Euro extra. Externe Empfänger sind schon für weniger als die Hälfte zu haben (siehe Test DVB-T-Empfänger).
Ein bisschen Kinogefühl mit Breitbild
Wer sich zu seinem Fernseher eine Surroundton-Anlage besorgt, sollte Spielfilmfan sein. Denn für andere Sendungen, von Konzertmitschnitten oder anderen Musiksendungen einmal abgesehen, dürfte sich der Aufwand kaum lohnen. Für Spielfilmfans empfiehlt es sich wiederum, einen großen 16:9-Fernseher zu kaufen, auch wenn der noch einen kräftigen Aufpreis kostet. Denn mit dem 82er Breitbild kommt auch im Wohnzimmer Kinogefühl auf. Die lästigen schwarzen Bildstreifen entfallen oder aber sind ganz schmal.
Außer den Spielfilmen wird nur wenig im Breitbildformat ausgestrahlt. Über 90 Prozent sind 4:3-Bilder. Die sind auf den 16:9-Fernsehern trotz der gewaltigen 82-Zentimeter-Röhre kleiner als auf den 70ern und haben dunkle Balken rechts und links. Zwar lässt sich das Bild „aufzoomen”, doch gehen dann oben und unten Bildinhalte verloren, zum Beispiel Untertitel wie die Börsenkurse von n-tv. Wenigstens haben wir keine nennenswerten Einbußen in der Bildqualität festgestellt, wenn Cinemascope-Spielfilme (mit Streifen oben und unten) auf das 16:9-Vollformat aufgezoomt wurden.
Beste Bildqualität liefern die 16:9-Geräte bei Spielfilmen von der DVD – vor allem dann, wenn sie im „anamorphotischen“ 16:9-Format aufgenommen sind. Dabei wird die volle Zeilenzahl des Fernsehgeräts genutzt, das so seine optimale Auflösung bietet. Das Bild braucht dann nur noch in der Horizontalen aufgezoomt zu werden und dem Fernsehspaß steht nichts mehr im Wege.
Warum Bud Spencer dünn aussieht
4:3-Fernseher haben mit dem anamorphotischen 16:9-Format ein Problem: Sie zeigen ein dermaßen verzerrtes Bild, bei dem Schauspieler wie Ottfried Fischer oder Bud Spencer mit der dünnen Twiggy konkurrieren können. Da hilft die Umschaltung „16:9-Bild auf 4:3-Bildschirm“, und die Proportionen stimmen wieder. Diese Umschaltung fehlt beim billigeren Grundig, bei Philips und Thomson. Wer darüber seine Spielfilm-DVDs wiedergeben möchte, sollte Platten mit dem Aufnahmeformat „Pan-scan“ oder „Letterbox“ kaufen und die Verhältnisse sind wieder richtig.
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