Fernsehgeräte: Flach, teuer, aber gut
Jeder dritte Käufer entscheidet sich bei einem großen Fernsehgerät mittler-weile für eins mit flachem Bildschirm. Zum ersten Mal im Test bieten zwei LCDs sogar eine bessere Bildqualität als unsere dicken Röhren.
Wer sich bislang für einen dieser schicken, flachen LCD-Fernsehapparate entschied, kaufte sich für viel Geld meist nur mäßige Bildqualität ein. Wer Wert auf gute Bilder legte, kam um ein großvolumiges Röhrengerät nicht herum.
Doch die Zeiten ändern sich. Im aktuellen Test von fünf Röhren- und zehn LCD-Fernsehgeräten glänzten gleich mehrere LCD-Modelle mit „guten“ Bildern. Im Sehtest erreichten JVC und Philips wegen ihrer ausgewogenen und klaren Farben sogar die besten Noten – und lagen damit vor den Röhrengeräten. Auch Loewe, Sharp und Panasonic boten ein „gutes“ Fernsehbild.
Die bislang für LCD-Geräte üblichen leidigen Artefakte bei Bewegtbildern, wie Wischeffekte oder Kometenschweife hinter Tennisbällen, traten im Test kaum noch auf. Da waren die getesteten Röhrengeräte schlechter. Mit Preisen zwischen 560 und 695 Euro kosten sie aber deutlich weniger als die LCDs mit 1 410 bis 2 150 Euro.
Nachteil: Viel Geld für „befriedigend“
So bleibt als Hinderungsgrund für den Kauf noch der recht hohe Kaufpreis. So viel Geld sollte man nur für einen „guten“ Flachfernseher ausgeben. Immerhin bietet jeder zweite der zehn getesteten LCDs nur ein „befriedigendes“ Bild, was bei den hohen Preisen unbefriedigend ist. Der Sony zum Beispiel fiel beim Fernsehempfang durch unscharfe Bewegtbilder auf. Bei wenig Bewegung war alles scharf.
Vorteil: Kontrast für die ganze Familie
Ein weiteres LCD-typisches Manko wurde inzwischen deutlich reduziert: die schwachen Kontraste beim Blick auf das Bild von der Seite. Philips erreicht einen stattlichen Betrachtungswinkel von 63 Grad. Das heißt: Mehrere Personen können nebeneinander das Fernsehen genießen, ohne die Köpfe zusammenstecken zu müssen (siehe Grafik). LG und Samsung bieten einen Betrachtungswinkel von nur 22 Grad. Der war in den Vortests noch Standard.
Vorteil: Keine Reflexionen
Die Oberfläche von LCD-Bildschirmen ist matt. Deshalb reflektieren sie einfallendes Licht kaum. Nur Thomson fällt in diesem Punkt unangenehm aus dem Rahmen. Vor seinem Bildschirm ist eine spiegelnde Glasscheibe montiert. Und diese reflektiert, insbesondere in hellen Zimmern, die Umgebung des Fernsehers auf seitlich vor dem Bildschirm sitzende Zuschauer. Im Extremfall geht das Fernsehbild sogar in den Reflexionen unter. Röhrenfernseher sind in diesem Punkt wegen ihrer spiegelglatten Bildschirmoberfläche prinzipbedingt im Nachteil.
Nachteil: Kaum Platz für Lautsprecher
Die flachen TV-Flundern bieten kaum Platz für ausgewachsene Lautsprechersysteme. Umso erstaunlicher ist, dass die LCD-Modelle Sharp und Thomson im Hörtest am besten abschnitten. Beide klingen „recht ausgewogen und im Bassbereich füllig“, so steht es im Prüfbericht. Wermutstropfen beim Thomson: Bei sehr leisen Musikpassagen ist sein Lüftergeräusch schon hörbar.
LCD-typischer als Sharp und Thomson klangen JVC, LG, Samsung und Toshiba: dünn und blechern. Es mangelte sowohl an Bässen als auch an Höhen. Insbesondere beim JVC ist das schade, denn er hat gemeinsam mit Philips die beste Bildqualität. Es lohnt sich also, den Ton über eine externe Lautsprecheranlage zu leiten. Das stünde auch dem flachen Panasonic gut zu Gesicht.
Trotz ihrer großen Gehäuse und dem entsprechenden Platz für opulente Lautsprecher lieferten die Röhrengeräte eher schwächliche Bässe. Selbst der Grundig, der Stimmen recht ausgewogen wiedergibt, klingt im Bass recht mager.
Vorteil: Vielseitiger ausgestattet
Unsere aktuellen LCD-Modelle sind wesentlich vielseitiger und somit deutlich attraktiver als ältere. Sie haben vielfältigere Anschlussmöglichkeiten für digitale und analoge Videoquellen, für moderne DVD-Spieler und Camcorder, große Videotext-Seitenspeicher gegen lange Wartezeiten beim Blättern. Meist bieten sie auch „Progressive Scan“, ein Darstellungsverfahren für scharfe, flimmerfreie Bilder. Das fehlt jedoch bei Panasonic und Sony, die auch mit Anschlüssen geizen.
Beiden fehlt auch der Computeranschluss. Alle anderen LCD-Geräte im Test bieten ihn und können so auch als große Computermonitore dienen – ein weiterer Pluspunkt, der gegenüber dem hohen LCD-Preis milder stimmt.
Loewe hat sogar einen eingebauten DVB-T-Tuner. Der empfängt das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T ohne Zusatzbox.
Auch Thomson und Toshiba verfügen über einen zweiten Tuner, aber nicht für DVB-T. Beide Modelle können zwei verschiedene Programme gleichzeitig anzeigen (Bild im Bild oder Bild neben Bild). Das ist praktisch, wenn man ein Programm als Lückenbüßer für eine Werbepause nutzt und beobachten kann, wann die Werbung zu Ende ist.
Nachteil: Format
Im Test hatten wir diesmal große LCD-Modelle, die es nur mit 16 : 9-Bildschirmen gibt. Das Format kommt Filmfans entgegen, weil die meisten Spielfilme als Breitbild gesendet werden oder auf DVD gespeichert sind. Sie haben dann keine oder fast keine schwarzen Balken oben und unten. Fürs Normalfernsehen ist das ungünstig. Die meisten Sendungen werden im 4:3-Format ausgestrahlt, was auf 16 : 9-Schirmen zu Balken rechts und links führt. Zwar lässt sich das Bild aufzoomen, doch dabei gehen Inhalte verloren, wie Untertitel oder Börsenkurse, oder es wird verzerrt.
Wie gehabt: Handhabung
Auch in der Handhabung schlägt sich die moderne Technik kaum nieder. Lautstärke, Bild- und Toneinstellungen funktionieren über die Fernbedienung wie eh und je. Die LCD-Modelle von Loewe, Panasonic, Sony, Thomson und insbesondere Samsung glänzen durch eine besonders komfortable Grundeinstellung.
Bei Panasonic und Thomson fiel aber die Wartezeit von fast 2 Sekunden beim Programmwechsel auf, ebenso bei LG, Samsung Sharp und Toshiba. Beim Durchzappen von 30 Programmen ist das lästig. Dass es besser geht, zeigt der flache JVC. Er wechselt die Programme ohne Verzug. Bei Loewe kommt es beim Umschalten von Analog- auf Digitalempfang zu leichten Umschaltverzögerungen. Wegen des Zugriffs auf zwei verschiedene Tuner ist das aber entschuldbar.
Unterm Strich
Bislang waren die LCD-Fernsehgeräte nur schick. Nun ist jedes zweite Gerät schick und gut. Und technisch außerdem besser als die Röhrenfernsehgeräte an die digitale Fernsehzukunft angepasst. Das teuerste Modell im Test, der Loewe, kann sogar schon das hochauflösende Fernsehformat HDTV darstellen. Momentan wird es nur testweise über den Satelliten Astra ausgestrahlt, aber die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll schon in HDTV produziert werden. Und wenn der Preisverfall bei den Empfangsgeräten anhält, dürfte der Abgesang auf die Röhren-Glasgräber eingeläutet sein.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Unser Rat
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen