Fernsehgeräte (70/72 cm, 100 Hz): Fast flimmerfrei
Vorzugsweise stellen Bundesbürger immer noch Fernsehapparate mit 70 bis 72 Zentimeter großen Bildschirmen im 4:3-Format in ihre Wohnzimmer. Die rund 400 bis 1 300 Euro teuren Geräte mit 100-Hertz-Technik sind recht ausgereift.
Läuft heute der etwa 30 Jahre alte Spielfilm „Herzflimmern“ des französischen Altmeisters Louis Malle im Fernsehen, flimmert die Mattscheibe kaum noch. Zumindest nicht mit den Fernsehgeräten, die wir diesmal unter die Lupe genommen haben. Bei allen 13 Testmodellen sorgt eine Flimmerfrei-Schaltung für ein ruhigeres Bild: Sie verdoppelt die herkömmliche Bildwechselfrequenz von 50 auf 100 Hertz. Der Vorteil wirkt sich besonders bei Standbildern und Videotext aus, bei normalen bewegten Szenen fällt er weniger auf.
Ein früher häufiger beobachteter Nachteil der 100-Hertz-Technik stört jetzt nur noch selten: das Bildnachziehen, auch bekannt als „Kometenschweifeffekt“. Er kommt bloß bei äußerst schnellen Bewegungen vor, beispielsweise bei Sportübertragungen wie Fußball oder Tennis. Dann könnte ein scharf geschlagener Ball merklich verwischen, was entfernt dem Schweif eines Kometen ähnelt. Doch vereinzelte Unschärfen entdeckten wir in unserer Untersuchung höchstens noch beim Panasonic-Modell (Bildnachziehen „ausreichend“).
Bildvergnügen
Der Sehtest fiel meist gut aus. Bei einigen Geräten gab es große Qualitätsunterschiede zwischen den bewegten Bildern und den Standbildern. In der Bewertung kam es natürlich vor allem auf das bewegte Bild an. Am schwächsten schnitten im Sehtest Metz und das nur kurzfristig im Mai von Aldi verkaufte Medion-Modell ab („befriedigend“), am besten der Grundig-Fernseher: „sehr gut“.
Wenn am helllichten Tage ferngesehen wird und das Zimmer nicht abzudunkeln ist oder wenn sowieso helles Umgebungslicht bevorzugt wird, ist der Kontrast sehr wichtig. Den größten Kontrast bietet dabei das Quelle-Universum-Gerät, das zwar nicht mehr im Katalog, bei Redaktionsschluss aber noch im Internet angeboten wurde.
Erfreulich bei allen Apparaten ist die Auflösung (Schärfe). Auch wer nicht frontal vor dem Schirm sitzt, sondern den Krimi oder das Pokalspiel nur aus spitzerem Winkel von der Seite verfolgen kann, weil die Mitte schon von Familienmitgliedern oder Freunden besetzt ist, muss am Fernsehvergnügen kaum Abstriche machen.
Tonprobleme
Etwas weniger glänzten einige Testmodelle in der Tonqualität. Hier kamen Medion, SEG und vor allem Samsung (hohler Klang) und Universum (klirrender Klang) nicht über „befriedigende“ Noten hinaus. „Sehr gut“ klingen nur Grundig und Loewe. Generell lässt sich die Tonqualität verbessern, indem man den Fernseher an eine HiFi-Anlage anschließt. Das geht bei allen Apparaten über Scartbuchsen, bei mehreren auch über einen simplen Audioausgang. Jedes getestete TV-Gerät hat mindestens zwei Scartbuchsen, einige sogar drei. Eine davon wird gewöhnlich für den Betrieb eines Videorekorders genutzt, an die andere lässt sich zum Beispiel ein Camcorder koppeln. Nur bei Samsung nicht. Da kann man den Camcorder jedoch in den separaten Y/C-Eingang stöpseln, den auch die meisten anderen Testmodelle besitzen. Über Scart können auch Videoaufnahmen problemlos von einem Rekorder zum anderen überspielt werden.
Kein Fernsehapparat hat übrigens ein echtes Dolby-Surround-System. Etliche verfügen höchstens über ein virtuelles Dolby Surround. Das soll dem Sound einen mehrdimensionalen Charakter verleihen, was mit zwei Lautsprechern aber nur unzureichend gelingt. Erst richtiges Dolby Digital 5.1 und DTS (Digital Theatre Systems) machen sich demgegenüber mit fünf bis sechs Boxen entsprechend vernehmlich bemerkbar.
Videotextansichten
Zu einem Geduldsspiel artet bei manchen Fernsehern die Nutzung des Videotextes aus: Bei Panasonic, Samsung, SEG und Medion dauert es verhältnismäßig lange, bis die gewählte Seite erscheint. Da kann man lediglich ein bis drei Seiten vorblättern, und dann beginnt der nervende Suchlauf erneut.
Bei drei Fabrikaten lassen sich Fernsehsendung und Videotext gleichzeitig anschauen – empfehlenswert zum Beispiel bei alltäglichen Talkshows oder einer langweiligen Talkrunde.
Loewe und Quelle Universum bieten Splitscreen, wobei der Bildschirm horizontal geteilt ist, und Grundig zeigt das laufende Programm in einem kleinen Bild mitten im Videotext. Dieser Komfort nennt sich PIT (Picture in Teletext).
Ein ähnliches Ausstattungsmerkmal hat zwar nichts mit Videotext zu tun, ist aber ebenfalls komfortabel: Bild im Bild. Damit kann der Zuschauer zwei Sendungen mit einem Blick erfassen: Eine wird in einem Fensterchen oben auf dem Schirm in die andere Sendung eingeblendet. Das erfordert freilich einen zweiten Tuner. Und der ist nur bei Loewe, Thomson und Universum eingebaut.
Sony ermöglicht bloß die simultane Ansicht eines Fernsehprogramms und einer Aufzeichnung von einem Videorekorder oder DVD-Spieler. Allerdings lässt sich hier auch der Tuner des Rekorders einschalten, um zwei laufende Fernsehsendungen zu verfolgen.
Bei der Ausstattung ist noch erwähnenswert, dass bis auf Technisat sämtliche Testgeräte neben dem europäischen PAL und SECAM auch noch den amerikanischen NTSC-TV-Standard „verinnerlicht“ haben. Das Technisat-Modell im schicken abgerundeten Colani-Design fällt zudem auch förmlich aus dem Rahmen des Üblichen.
Metz brilliert dagegen mit einem fragwürdigen Superlativ: Sage und schreibe 999 Programme lassen sich hier vorwählen. Die anderen Fabrikate begnügen sich da mit 99 bis 220.
Handhabungsunterschiede
Programme installieren und wechseln, Farbe, Schärfe, Helligkeit oder Kontrast verändern, Lautstärke regeln: Alles am Fernseher wird bequem vom Sofa aus mit der Fernbedienung eingestellt, zum Teil über praktische Bildschirmmenüs.
Bei Schneider geht bis auf das Ein- und Ausschalten gar nichts mehr am Apparat selbst – wehe, wenn da die Fernbedienung nicht parat liegt. Immerhin gibt es bei Schneider und bei Technisat nicht nur für solche Fälle zwei Fernbedienungen: eine ganz normale mit allen Finessen und – für Leute, denen die zu kompliziert ist – eine kleinere mit den wichtigsten Funktionen, der Fernsehgrundversorgung sozusagen.
Dazu gehört in jedem Fall die Taste zum Zappen, dem allgemein beliebten spontanen Umschalten von Kanal zu Kanal. Doch so schnell wie meist gewünscht lassen sich die Werbung und geistlose Unterhaltung nicht immer wegdrücken. Relativ langsam passiert der Kanalwechsel bei Grundig, Universum, SEG und Medion, erfreulich rasch dagegen bei Philips, Sony, Technisat und Panasonic.
Die Fernbedienungen sind vorwiegend recht handlich und vernünftig gestaltet. Bei einigen liegen nur die tagtäglich gebrauchten Tasten oder Knöpfe offen, vermeintlich seltener benötigte sind hinter einer Klappe versteckt. Oft ist die Handhabung auch nur eine Sache der Gewöhnung. Abgewöhnen sollte man sich aber unbedingt den Standbybetrieb, denn der zieht bei einigen Flimmerkisten immer noch mehr Strom als gedacht. Der Fernsehkonsument sollte also nie vergessen, den Aus-Knopf am Gerät zu drücken, besonders nicht abends nach dem letzten Melodram. Vorsichtshalber kann er vorher auch den Sleeptimer, die so genannte Schlummerautomatik, aktivieren. Den hat jedes Testmodell.
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