Druckertinte: Fremdtinte immer besser
Gestatten, mein Name ist Tinte, Fremdtinte. Mit mir können Sie kein Geld drucken, wohl aber sparen. Doch wie bei Agent 007 gerät manchmal etwas aus der Kontrolle – der Füllstand beispielsweise.
Tinte von Fremdanbietern ist besser denn je. Erstmals stießen wir auf einen Anbieter, dessen Tinte nur eine zehntel Note schlechter druckt als das Original, und das zum halben Preis – Armor für Canon. Mit einigen anderen Fremdtinten lässt sich sogar noch mehr sparen, aber fast immer mit merklich schlechterer Druckqualität.
Ein guter Jahrgang 2008
Im Vergleich zum Test vor zwei Jahren (siehe Test Druckertinte 6/2006) ist die höchste Druckqualität noch immer mit der Originaltinte des Druckeranbieters zu erzielen. Und meist stimmt auch noch das Sparpotenzial mit Fremdtinte. In den Tanks schwappt aber nicht mehr der gleiche Saft wie in den Vortests. So widerstehen Fremdtinten dem Sonnenlicht jetzt besser. Viele sind in diesem Punkt sogar auf dem Niveau der Originaltinten. Selbst im Test der Widerstandskraft gegen Ozon – wie bei der Lagerung der Druckseiten an frischer Luft – gibt es mit Fremdtinte kaum Grund zur Klage.
Geschüttelt, nicht gerührt
Gute Ergebnisse brachte auch der Test der Inhaltsstoffe, denn die Tinten sind inzwischen wahre Saubermänner. Natürlich färben sie wie die Hölle, doch Schwermetalle (Blei, Kadmium, Chrom, Kobalt, Nickel) und kritische organische Verbindungen (Azo-Farbstoffe) sind kaum noch aufzuspüren. Im Vergleich zum Vortest sind sie drastisch reduziert – die Patronen hielten aber auch schon damals die Grenzwerte ein.
Geradezu bizarr ist die Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung der Anbieter und den Prüfergebnissen: Die InkSwiss-Tinte, die der Anbieter druckerzubehoer.de für Epson verkauft, soll laut Werbung „unglaubliche Qualität und Farbbrillanz“ erzielen. Wir ermittelten aber eine nur „ausreichende“ Qualität der Ausdrucke – wie bei einigen anderen Fremdtinten auch. Das mag vielleicht unglaublich sein, jedoch im negativen Sinn. Warum wirbt druckerzubehoer.de nicht mit dem Sparpotenzial? Das wäre absolut gerechtfertigt, denn billiger druckt keine andere Tinte im Test (beim Canon-Pixma-Drucker ermittelten wir sogar beachtliche 90 Prozent Ersparnis).
Der Witz: Werbung mit geringen Druckkosten findet sich nicht bei druckerzubehoer.de, sondern bei KMP auf deren HP-Patronen. Sie sollen bei Schwarz die drei- und bei Farbe sogar die vierfache Menge der Originalpatrone enthalten. Wir holten jedoch weniger als die zweieinhalbfache Menge heraus und sparten gerade mal 40 Prozent.
Wichtiger wäre es, das Herstellungsdatum oder die Mindesthaltbarkeitsdauer anzugeben. Nach etwa zwei Jahren verändert sich die Mixtur aus Lösungsmittel und Farbstoff. Die Druckqualität lässt dann bald nach. Diese Angaben fehlen jedoch fast immer, so auch bei den Patronen von InkSwiss und KMP. Das floss in unser Urteil „Verpackungs- und Gebrauchsangaben“ ein.
Tipp: Kaufen Sie Tinte nur in größeren Mengen, wenn angegeben ist, wie lange sie hält. Achten Sie auf ein Haltbarkeits- oder Ablaufdatum auf der Packung.
Ausgelaufen und ignoriert
Meist achtbare Druckqualität, oft ein enormes Sparpotenzial – die Welt der Druckertinte scheint in Ordnung zu sein. Doch so ist es nicht in jedem Fall. Vereinzelt waren Patronen schon in der Verpackung ausgelaufen. Und die eine oder andere Patrone wurde vom Drucker einfach ignoriert. Das sind Einzelfälle, gewiss. Doch die Reklamation dauert ein paar Tage, das ist ärgerlich.
Tipp: Trocknet der Druckkopf inzwischen ein, hilft eine Düsenreinigung, am besten im Ultraschallbad, wenn er sich entnehmen lässt. Das kostet bei der Tintentankstelle um die Ecke etwa zehn Euro.
Nicht jeder Weisung folgen
Im Alltag scheitert das Sparen oft an der fehlenden oder ungenauen Füllstandskontrolle. Auch wir blieben davon nicht verschont. Wer gleich der ersten Aufforderung der Computeranzeige folgt, eine „leere“ Patrone zu wechseln, zahlt drauf: Bei der Schwarzpatrone von Armor für Canon stoppte der Drucker nach 450 Seiten. Auf der Meldung „Patrone leer, bitte wechseln“ basiert auch unsere Kostenrechnung (Ersparnis 70 Prozent). Doch dann schalteten wir die Füllstandsanzeige ab und konnten noch zusätzliche 200 Seiten Text drucken. Auch durchsichtige Tintentanks wie die für Canon ersetzen die Anzeige am Computer nicht – wer baut schon zwecks Inhaltskontrolle regelmäßig seine Patronen aus?
Tipp: Der Warnung, die Patrone sei leer, muss man nicht blind folgen. Wechseln Sie die Patronen oder Tintentanks erst dann, wenn der Ausdruck Farbstiche oder falsche Farben zeigt.
Top secret bei Canon
Weiteres Ungemach bringen die elektronischen Chips in den Patronen für aktuelle Canon-Drucker. Sie dienen der Füllstandsanzeige, sagt der Druckerhersteller. Doch warum setzt Canon auf diesem Chip dann eine Verschlüsselung ein, die selbst Geheimdiensten imponieren würde? Die Folge sind Bastellösungen wie aus dem Labor des legendären Ausstatters der Doppel-Null-Agenten, Mister Q: Nutzer entsprechender Canon-Drucker mussten bei der Arbeit mit Fremdpatronen die Füllstandskontrolle ganz abschalten, den Kontrollchip von der Originalpatrone herunterklauben und auf die Fremdpatrone aufstecken, oder sie mussten Adapter in das Patronenfach einklinken und von da ab nur noch dazu passende Patronen eines bestimmten Herstellers nutzen. Doch neue Patronen mit einem nachgebauten Chip mit voll funktionstüchtiger Füllstandsanzeige sind nun angekündigt. Sie sollen das leidige Thema Füllstandskontrolle abhaken. Was sie taugen, werden wir prüfen.
Sparen bei Canon
In vielen Canon-Druckern wie dem iP3500 steckt der entnehmbare Druckkopf im Drucker. Ausgewechselt werden nur die Tintentanks. Deshalb sind die Druckkosten auch mit Originaltinte moderat. Tinte von Armor kostet halb so viel und liefert eine vergleichbare Qualität wie Canon. Armor hat einen Adapter, in dem der elektronische Chip für die Füllstandskontrolle steckt.
Sparen bei Epson
Epson baut einen nicht entnehmbaren Permanentdruckkopf ein, es werden wie bei Canon nur die Einzelfarbtanks gewechselt. Trotzdem sind die Kosten mit Epson-Originaltinte recht hoch, ihre Druckqualität ist es gegenüber Fremdtinte aber auch.
Sparen bei HP
Wie bei Lexmark- und billigen Canon-Druckern steckt auch bei vielen HP-Druckern der Druckkopf in jeder Patrone. Fremdanbieter sammeln sie ein und befüllen sie wieder. Allerdings bleibt die Qualität deutlich hinter dem Original zurück, von der Peach-Tinte abgesehen. Doch der Recyclingkreislauf – Patrone leerdrucken, einsammeln, reinigen, befüllen und wieder leerdrucken – verschleißt jeden Druckkopf.
Dauertest mit Druckern
Schadet Fremdtinte dem Drucker? Unsere Leser berichten sowohl von guten als auch schlechten Erfahrungen, doch unseren Tintendrucker-Dauertest überstanden alle Drucker klaglos. Dabei hatten wir sie 5 000 Seiten mit einem wilden Mix aus Originaltinte und teilweise billigster Fremdtinte malträtiert – ohne Ausfall. Die Lizenz zum Sparen gibt es also wirklich.
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