Drucker: Ganz von der Rolle

Drucker Test

test 07/2003

Drucken von der Rolle, fast so wie die Profis: Lange Banner kommen beispielsweise beim Kindergeburtstag gut an. Gar nicht spaßig sind preistreibende Tricks und dass kein Drucker den Qualitätssieger aus dem Vorjahr schlägt.

Drucker

Laser gegen Tinte, teuer gegen billig: Wer siegt im Duell der rund 1 000 Euro teuren Laserdrucker und teilweise nur gut 80 Euro teuren Tintendrucker? Im Fotodruck überzeugen Tintenstrahler mit hoher Qualität. Nur ganz billige Modelle unterliegen Farblaserdruckern. Anders beim Textdruck in Schwarz. Für Qualität, hohes Drucktempo und geringe Folgekosten gehen die Siegtrophäen klar an Laserdrucker. Für das Büro sind sie die erste Wahl, für zu Hause in der Anschaffung leider zu teuer.

Bisher gab es einen steten Zuwachs bei der Druckqualität – vorbei: Die besten Drucker halten in der Qualität nur gerade so mit dem besten Drucker aus dem Test vor einem Jahr mit (Canon S900, rund 350 Euro) und sind bei Fotos deutlich langsamer als dieser. Immerhin holt der größte Druckerhersteller, Hewlett-Packard, auf und erreicht fast Canon-Niveau.

Kaviar billiger als Tinte

Ein Gramm russischer Kaviar ist oft billiger als ein Gramm Tinte. Die Seitenpreise sind teilweise auf astronomischer Höhe: Ein ganzseitiges Farbfoto im Format A4 kann bis zu 3,60 Euro kosten (Lexmark Z54se). Die Kosten für das Fotopapier mit rund 1 Euro je Blatt kommen noch dazu (siehe Test „Foto-Tintendruckerpapier“). Gute Tintendrucker wie der Canon i850 begnügen sich mit 70 Cent je Großfoto – bei „sehr guter“ statt wie bei Lexmark „guter“ Qualität. Das Geheimnis der hohen Kosten: Originalpatronen vom Druckerhersteller sind besonders teuer, und viele Drucker warnen viel zu früh vor Tintenmangel. Das hat nichts mit Qualitätssicherung zu tun, wie die Druckerhersteller nur zu gern beteuern. Wir empfinden das einfach als Geldschneiderei.

Patrone nicht zu früh ersetzen

Tun Sie etwas gegen hohe Preise: Ignorieren Sie die Warnung vor angeblich leerem Farbtank. Auf dem Computermonitor erscheinen bunte Bilder von Tintenpatronen, deren Boden gerade noch mit Tinte bedeckt ist. Die Bildchen verleiten zum Ersatz der vermeintlich leeren Patrone – wie beim Hewlett-Packard Photosmart 7350 ab 22 Seiten Foto­druck. Wir schlugen die Warnungen in den Wind und kamen bei diesem Drucker bis zur Seite 30. Bei der ersten Warnung war die Patrone (knapp 30 Euro) noch zu fast einem Drittel gefüllt. Wir hätten sonst Tinte für acht Euro in den Müll geworfen.

Tipp: Lassen Sie den Drucker nicht mit leerer Patrone stehen: Die Düsen setzen sich zu, die Druckqualität leidet. Die neue Patrone oder das Nachfüllset sollten Sie auf Vorrat bereithalten.

Den Chip überlisten

Bei Tintenpatronen von Epson verhindert ein Chip das Weiterdrucken wie oben empfohlen. Mit einem externen Gerät, dem „Chip resetter“, räumen Sie das Problem aus. Er liefert dem Chip die Information, die Patrone wäre voll, und Sie drucken weiter. Das spart je nach Patrone rund 10 bis 40 Prozent, auch mit Ersatztinte. Zu haben ist der Resetter zum Beispiel unter www.nicotec.de (20 Euro) und www.start-europe.de (30 Euro).

Risiko: Epson (und andere Druckerhersteller) droht mit Qualitäts- und vor allem mit Garantieverlust, wird mit fremden Verbrauchsmaterialien gedruckt. Wir halten in puncto Qualitätsverlust dagegen: Der Preisvorteil von Ersatztinte ist enorm, der Qualitätsverlust dagegen kaum sichtbar (siehe Test „Tintenpatronen“). Bei Schwarz bekam manche Fremdtinte sogar bessere Noten als das Original. Lesererfahrungen bestätigen das, belegen aber auch Probleme in Einzelfällen, zum Beispiel durch auslaufende Tinte. Solche Erfahrungen machten wir nicht, obwohl wir bei unseren Tintentests Probleme provozierten. Das kleine Restrisiko muss jeder individuell abwägen.

Gleiches Spiel, andere Mannschaften: Bei den Laserdruckern von Epson und Minolta beispielsweise kommt die Aufforderung zum Wechsel des Tonerbehälters nach etwa 4 000 Textseiten. Wir haben weitergedruckt und noch einmal 4 000 Seiten bekommen. Bei Minolta kostet der Toner fast 100 Euro, rund 50 Euro hätten wir der Deponie anvertraut. Bei Epson mussten wir im Druckertreiber unter „Optionale Einstellungen“ „Druckereinstellung“ anklicken und dort die Option „Fehler kein Toner“ deaktivieren.

In 40 Sekunden oder 25 Minuten

Erstaunliches fanden wir nicht nur bei den Druckkosten (bei Farbe ist Canon tendenziell billig und Lexmark teuer). Auch in der Wartezeit auf einen ganzseitigen Fotodruck liegen Welten zwischen schnellen und langsamen Modellen. Laserdrucker liefern das große Foto spätestens nach 40 Sekunden. Allerdings mit bestenfalls „befriedigender“ Qualität. Der Tintenstrahler Lexmark Z54se genehmigt sich dafür mehr als 25 Minuten. „Mangelhaft“, wie wir meinen. Gut, dieser Lexmark kostet keine 90 Euro. Doch der 190 Euro teure Z65p aus gleichem Haus braucht immer noch über zwölf Minuten. Beim preislich vergleichbaren Canon i550 heißt es bereits nach gut zwei Minuten „habe fertig“.

Qualität und Druckzeit beeinflussen sich meist. Briefe in Schwarz druckten wir auf billiges Normalpapier, bei automatisch geringer Druckqualität. Das daraus folgende Tempo von zuweilen weniger als zwei Seiten pro Minute ist nicht berauschend. Wer seine Briefe der sichtbar höheren Qualität wegen auf besserem Tintendruckerpapier fabriziert, drückt das Drucktempo deutlich, treibt aber die Druckkosten hoch. Das lohnt nur selten.

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