Digitalkameras: Schneller im Bilde

Digitalkameras Test

test 07/2003

Das Testfeld ist diesmal weit gespannt. Es reicht von der kleinen Knipskamera für 250 Euro bis zum Spiegelreflex­modell für über 3 000 Euro. Die „guten“ Digitalkameras gehören allerdings nicht zu den billigen.

Digitalkameras

Eine Kamera für jede Gelegenheit. Die Sony Cybershot DSC-U20 kann man fast immer und überallhin mitnehmen. Denn mit neun mal vier Zentimetern ist sie kleiner als eine Zigarettenschachtel, wenn auch etwas höher. Mit dem Mini lassen sich sogar ganz gute Bilder schießen – wenn die Ansprüche nicht allzu hoch sind.

Weitaus mehr stört aber die magere Ausstattung dieses 320-Euro-Pocketmodells. So ist der Fotograf, da es keinen optischen Sucher gibt, auf das kleine und recht unscharfe Monitorbild angewiesen. Auch der Kreativität sind enge Grenzen gesetzt, denn manuelle Einstellungen lässt die Kamera nicht zu. Wer seine Bilder schnell mal am Fernseher präsentieren will, wird ebenfalls enttäuscht: Es gibt keinen TV-Ausgang.

Vielseitiger Testsieger für 920 Euro

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Praktisch: Canon Powershot G3 mit verstellbarem Monitor.

Beim Testsieger in der Gruppe der Suchermodelle, der Olympus C-5050 Zoom, bleiben dagegen kaum Wünsche offen. Allerdings kostet sie auch rund 920 Euro. Diese Kamera ist zwar deutlich größer als das Miniaturmodell, aber immer noch handlich. Und sie macht gestochen scharfe Fotos. In der Bildqualität hat sie den gleichen Wert erreicht wie der bisherige Spitzenreiter, die Sony Cybershot DSC F 717 (siehe „Noch zu haben“). Dazu glänzt sie mit einer enormen Vielseitigkeit, die sie zur echten Profikamera qualifiziert. So kann der Fotograf dank zahlreicher manueller Einstelloptionen jedes Motiv so aufnehmen, wie er es wünscht. Das schwenkbare Display ermöglicht ihm auch Aufnahmen aus ungünstigen Positionen, beispielsweise, wenn er die Kamera über dem Kopf hält. Außergewöhnlich auch die Möglichkeiten für die Bildspeicherung: Die Olympus bietet gleich vier Kartentypen Platz, darunter die neue xD Picture Card (siehe „Die gängigsten Kartentypen...“).

Bildqualität weiter verbessert

Digitalkameras Test
Winzling: Die Sony DSC-U 20 mit Speicherkarte.

Die Bandbreite bezüglich Qualität und Preis ist bei Digitalkameras enorm. Vom allereinfachsten Knipsmodell für 99 Euro bis zur Profikamera für viele Tausend Euro bietet der Markt alles. Wir haben diesmal eine breite Palette von Kameras getestet. Akzeptable Suchermodelle mit „guter“ Bildqualität gibt es ab rund 400 Euro, Einsteigermodelle für Profis ab rund 800 und digitale Spiegelreflexkameras mit allen Finessen ab 2 500 Euro. In der Königsklasse besticht vor allem die Sigma SD 9 mit innovativer Technik und einem vergleichsweise günstigen Preis (siehe auch „Nichts für Automatik-Liebhaber“).

Die Bildqualität hat sich im Vergleich zu früheren Testergebnissen verbessert. Selbst bei Vergrößerungen bis zum Format 30 40 Zentimeter sind bei den besten Modellen keine Unterschiede mehr zu analogen Sucherkameras zu erkennen. Auch für riesige Poster ist das digitale Bild geeignet, zumindest für den Hausgebrauch. Wer sich mit einem Format von 10 x 15 begnügt – laut Schätzungen sind 95 Prozent aller Abzüge nicht größer –, muss sich kaum noch Sorgen um die Bildqualität machen. Zwei Megapixel sollte die Kamera aber schon haben.

Dass bei billigeren Digitalkameras mitunter noch deutliche Abstriche gemacht werden müssen, zeigt die Rollei d 330 motion für rund 260 Euro. Sie hinterließ sowohl qualitativ als auch in der Ausstattung einen dürftigen Eindruck. Außerdem täuscht der Preis ein wenig. Im Lieferumfang sind nämlich weder eine Speicherkarte noch aufladbare Akkus enthalten. Die müssen extra gekauft werden.

Die Rollei d 330 liefert auch den schlagenden Beweis für die bekannte These, dass Pixel (Bildpunkte auf dem CCD-Chip) nicht alles sind. Man muss sie nur mit der Fujifilm Finepix M 603 vergleichen. Beide Kameras haben drei Megapixel, aber in der Bildqualität trennen sie Welten. Es muss eben alles stimmen: die Optik, der Aufnahmechip und die kamerainterne Software, die das vom Chip festgehaltene Bild erst optimiert.

Viele, die eine ältere Digitalkamera haben, ärgern sich über die lange Aus­lö­severzögerung. Die betuliche Langsamkeit passt auch gar nicht zu den modernen Kameras. Es macht wirklich keinen Spaß, wenn nach dem Druck auf den Auslöser bange Sekunden vergehen, bis sich der Verschluss öffnet. So ist schon manche unwiederbringliche Situation für die Menschheit verloren gegangen.

Doch diese Zeiten sind bei neuen digitalen Sucherkameras vorbei. Sie reagieren fast genauso schnell wie analoge. Wer vorfokussiert, den Auslöser also halb gedrückt lässt, kann die Verzögerung auf den Bruchteil einer Sekunde reduzieren. Beim Schnappschuss aus dem Stand sollte das Motiv aber ein bis zwei Sekunden warten können, denn so lange dauert es, bis die Kameras auslösen. Vorausgesetzt, sie sind eingeschaltet. Wenn nicht, kann der Fotograf nur hoffen, das scheue Reh in der Waldlichtung noch zu erwischen, wenn die Kamera startbereit ist. Bei den Modellen im Test dauert das immer noch drei bis acht Sekunden. Die Spiegelreflexmodelle arbeiten wesentlich schneller. Und sie sind schon nach ein bis zwei Sekunden aufnahmebereit.

Wartezeiten oft ärgerlich

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Drehbare Optik: Sony Cyber-Shot FX77 mit Ladestation.

Wer schnell zwei Aufnahmen hintereinander machen will, wird von vielen digitalen Sucherkameras enttäuscht. Sie brauchen meist zwei bis vier Sekunden, bis sie für den nächsten Schuss bereit sind. Frustrierend: Die Rollei d 330 macht sogar fast neun Sekunden Pause. Nur die Panasonic Lumix und die Spiegelreflexmodelle sind schon nach gut einer halben Sekunde wieder startklar.

Manueller Weißabgleich ist ein Plus

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Zwei Speicher: Fujifilm Finepix M 603 mit xD- und CF Card.

Amateurfotografen knipsen meist mit Automatik. Dagegen ist nichts zu sagen. Doch mit Einstellungen von Hand erzielt man in schwierigen Situationen oft bessere Ergebnisse, und sie bieten viel mehr Raum für Kreativität. Eine Einstellung ist aber auch für Einsteiger sinnvoll: der Weißabgleich. Er ermöglicht bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen optimale Farbwiedergaben. Auf die Automatik ist da nicht immer Verlass. Einen manuellen Abgleich bietet jedoch nur die Hälfte der getesteten Sucherkameras. Bei Spiegelreflexmodellen ist er Standard.

Digitalkameras sind ziemliche Stromfresser. Günstig ist es deshalb, wenn sie mit aufladbaren Akkus und Ladegerät ausgestattet sind. Das ist immerhin bei zehn Kameras der Fall. Während man mit den besten Modellen mehr als 250 Bilder aufnehmen kann, bis die Stromversorgung versiegt, machen andere 50 oder sogar 100 Bilder früher schlapp. Die geringste Betriebsdauer hat die Minolta Dimage F 300, die mit einer Batterie gerade mal 130 Bilder schießt.

Sieben Kameras werden mit einem Bildbearbeitungsprogramm ausgeliefert. Dabei handelt es sich meist aber nur um einfache Versionen. Vielseitige Programme kosten zwischen 20 und 150 Euro. Testergebnisse werden wir im nächsten Heft (test 8/03) veröffentlichen.

Für diejenigen, die noch unsicher sind, ob sie sich eine Digitalkamera zulegen sollen, hier die grundsätzlichen Vor- und Nachteile der elektronischen Fotografie:

Erster Vorteil: Digicams sind echte Sofortbildkameras. Der Fotograf kann unmittelbar nach dem Druck auf den Auslöser sehen, wie das Bild geworden ist. Verpfuschte Aufnahmen löscht er dann einfach per Knopfdruck.

Zweiter Vorteil: Digitalbilder können mit einem entsprechenden Programm optimiert oder verändert werden, und sie lassen sich in großen Mengen archivieren. So passen beispielsweise auf einen CD-R-Rohling über 400 Bilder in recht guter Qualität, die auch noch Jahre später verlustfrei kopiert werden können. Die Aufnahmen lassen sich zudem problemlos ins Internet stellen und können per E-Mail in alle Welt verschickt werden.

Dritter Vorteil: Die Fotokosten sind gering, wenn es beim elektronischen Bild bleibt. Papierabzüge und vor allem Ausdrucke können jedoch teuer werden. So kosten Bilder aus dem Fotodrucker zwei- bis fünfmal so viel wie aus dem Fotolabor. Die kassieren für Prints von Bilddateien aber ganz unterschiedliche Preise. Ein Vergleich lohnt sich.

Ein Nachteil der elektronischen Fotografie ist der höhere Lichtbedarf. Während in der analogen Fotografie 400 ISO heute quasi Standard ist, arbeiten Digitalkameras meist nur mit vergleichsweise mickerigen 100 ISO optimal. Die größte Hürde, die viele vom Kauf einer Digitalkamera abhält, ist aber der Preis. Zum Vergleich: Während man eine „gute“ Kleinbildkamera schon für rund 100 Euro bekommt, kostet ein gleichwertiges digitales Modell etwa 400 Euro.

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