Digitale Camcorder: Ohren zu und durch
Wer beste Bilder will, muss fast 3 000 Euro ausgeben. Im Test war auch ein Camcorder, der gut 1 000 Euro weniger kostet und kaum schlechter filmt. Doch Bildqualität ist nicht alles.
Untermalt ein Camcorder seine Aufnahmen mit lauten Betriebsgeräuschen, macht auch die beste Bildqualität wenig Freude. Erst recht nicht, wenn auch kein externes Mikrofon den Ton verbessern kann, weil wie bei Sharp einfach der Mikrofonanschluss fehlt. Und wozu bieten manche Camcorder eine Fotofunktion, wenn die Bilder hinterher so flau aussehen wie bei Samsung D 87i und D 590? Solche Schwächen brachte der aktuelle Camcorder-Test ans Licht. Doch sehen wir es einmal positiv: So richtig schlecht schnitt keine der getesteten Videokameras ab. Nicht einmal das Sparmodell VP-D 15 von Samsung für 850 Euro fiel aus dem Rahmen. Die Tücken lagen eher im Detail.
Die besten Bilder lieferten die drei „Dreichip“-Modelle Canon DM-XM 2, Panasonic NV-MX 500 und Sony DCR-TRV 950. Die verarbeiten jede der Grundfarben des Videobilds mit einem eigenen lichtempfindlichen Sensorchip. In Schärfe, Kontrast, Farben kommen die anderen Testmodelle da nicht heran. Dafür sind sie aber auch deutlich billiger. Und der Qualitätsunterschied rechtfertigt letztlich nicht die große Preisdifferenz. Canons einfacheres Modell DM-MVX 2i ist nur wenig schlechter als der Sony oder sein Canon-Schwestermodell, kostet aber weit über 1 000 Euro weniger.
Auch der Micro-MV-Camcorder von Sony kommt fast an die Dreichip-Bildqualität heran. Doch die Kamera ist ein teurer Exot. Sie hat eigene superkleine Videokassetten, ein eigenes Aufzeichnungs- und Datenübertragungsformat. Dieses Modell ist eine Empfehlung für Freunde außergewöhnlicher Produkte. Und die Micro-MV-Sony überzeugt: Das eingebaute Mikrofon ist Spitze. Da zog im Test nur Panasonic gleich. Die teuren Modelle von Canon und Sony kamen schon nicht mehr ganz heran. Allerdings: Sonys Micro-Modell hat keinen Anschluss für externe Mikrofone – die anderen drei schon.
Beim überwiegenden Teil der digitalen Camcorder ist der Ton nicht gut. Die Aufnahmen, insbesondere bei den drei Samsung, werden von deutlichen Zoom- und Laufwerksgeräuchen untermalt. Sony DCR-PC 8 kennt keine Motorstörungen, dafür klingt bei diesem Camcorder aber das Mikrofon unausgewogen.
Die Fotos können sich sehen lassen
Dass digitale Camcorder auch Standfotos schießen können, war zunächst eine nette Zusatzfunktion. Die wandelt sich nun aber vom Mauerblümchen mit minderer Qualität zu einer Primärfunktion, deren Ergebnisse sich sehen lassen können. Jetzt ist es auch fast Usus, dass die Fotos gleich auf Speicherkärtchen übertragen werden, die mit geringem technischen Aufwand von jedem aktuellen Computer ausgelesen werden können. Nur Sony DCR-PC 8 und Samsung VP-D 15 können mit Speicherkarten nichts anfangen. Die Bilder werden auf dem Videoband abgelegt. Sie herauszusuchen, ist umständlich, ebenso die Übertragung der Bilddaten auf einen Computer.
Zur Qualität der Fotos: Die Testbilder wurden mit den Fotos einer guten 3-Megapixel-Kamera verglichen. Das ist genug für 13 x18 Zentimeter große Fotodrucke. Positiv überraschten Sony DCR-IP 220 und DCR-TRV 950 sowie Canon DM-MVX 2i. Deren Bildqualität war von der des Foto-Spezialisten kaum zu unterscheiden. Canon DM-XM 2 und Panasonic NV-MX 500 sind nur einen Hauch schlechter. Was aber die drei Samsung anboten, war eher eine Zumutung. „Flau, duster, unansehnlich“ schrieben die Prüfingenieure ins Protokoll.
In der Handhabung der Camcorder tauchten im Test keine Probleme auf. Allerdings haben vor allem die kleineren Modelle auch niedlich kleine Knöpfchen, die insbesondere Zeitgenossen mit großen Händen Schwierigkeiten bereiten können. Es ist sinnvoll, die Handhabung vor dem Kauf auszuprobieren.
Bei den Suchern fällt der Sharp auf, der keinen Okularsucher hat, sondern nur einen Monitor. Das schränkt die Nutzung vor allem bei hellem Umgebungslicht deutlich ein. Der Monitor des Canon DM-MV 5i ist zu klein, um Aufnahmedetails zu erkennen. Sein Sucher ist außerdem nicht schwenkbar. Mehr als ein „Befriedigend“ war da nicht drin.
Auch Sonys Micro-MV-Kamera konnte hier nicht besser bewertet werden. Auch ihr Sucher lässt sich nicht schwenken. Die besten Sucher haben wiederum die drei Dreichip-Modelle. Doch das wundert kaum, alle drei haben in ihrem großen Gehäuse genügend Platz für gut ablesbare Suchersysteme.
Und noch ein Punkt, in dem es deutliche Unterschiede zwischen den Testmodellen gibt: die Betriebsdauer pro Akkuladung. Die reicht im Mischbetrieb mit Aufnahme und eingeschaltetem Monitor von zweieinviertel Stunden (Panasonic NV-MX 500) bis zu einer Stunde (Canon DM-MV 5i, Samsung VP-D 590 i). Es ist sehr ärgerlich, wenn ein leerer Akku den Schaffensdrang des Videofilmers bremst: Also auf die Filmsafari einen oder zwei Ersatzakkus mitnehmen (siehe Tipps).
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