DVD-Heimkinoanlagen: Superstar gesucht

DVD-Heimkinoanlagen Test

test 05/2003

DVD-Heimkinoanlagen bringen Kinogefühl ins Wohnzimmer. Wer aber CD-Klang in HiFi-Qualität erwartet, wird enttäuscht. Und umständlich zu bedienen sind die Anlagen auch.

DVD-Heimkinoanlagen

Liebesleid, Action und viel Popcorn gibts nicht mehr nur im Kino. DVDs lassen den Vorhang auch zu Hause aufgehen. DVD-Komplettanlagen begeistern Filmfreunde mit Effekten. Der „Superstar“ aber, der neben dem Kinoerlebnis auch tollen CD-Klang und komfortable Bedienung bietet, wird noch gesucht. So lautet das Ergebnis unseres Tests von elf Geräten.

Sechsmal im Test vergaben wir das Urteil „befriedigend“ und fünfmal „gut“. Die Komplettanlagen zwischen 450 und 970 Euro bieten alle Geräte, die fürs Heimkino erforderlich sind – abgesehen vom Fernseher. Sie bestehen aus fünf kleinen und einem größeren Lautsprecher sowie DVD-Spieler und Verstärker. Diese beiden sind meist in einem Gehäuse untergebracht. Nur bei den Anlagen von Yahama und Sharp sind sie separat. Alle DVD-Spieler können CDs abspielen und auch ein Radio ist stets integriert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die kleinen Lautsprecher sparen Platz. Außerdem sollen Komplettanlagen die Mühe ersparen, Einzelgeräte verbinden und aufeinander abstimmen zu müssen. Der Nachteil: Die Komponenten sind sinnvoll nur miteinander zu betreiben. Selbst die einzelnen Verstärkergeräte von Sharp und Yahama lassen sich problemlos lediglich gemeinsam mit dem jeweils zugehörigen Lautsprecherset nutzen.

Pferdegalopp durchs Wohnzimmer

DVD-Heimkinoanlagen Test
Rätselraten: Spiegelnde Displays wie beim JVC-Gerät erschweren das Lesen.

Der Subwoofer ist der größte der sechs Lautsprecher. Er vereinigt alle Basstöne. Die fünf kleinen „Satelliten“-Lautsprecher sorgen dafür, dass Höhen und Mittellagen von vorn in der Mitte (Center), links und rechts (Front-Boxen) sowie hinten links und rechts (Rear-Boxen) kommen. Dadurch wird ein räumlicher Eindruck geschaffen und die Effekte wirken lebensecht. Vorausgesetzt allerdings, die Anlage ist richtig aufgebaut und sorgsam eingepegelt.

Guter Raumeindruck heißt beim Heim­kino konkret: Ein Raumschiff düst vorbei und der Zuschauer fühlt sich wie mitten im All. Pferde galoppieren vor­über und Fantasievolle schrecken zurück. All das, was Kino so unmittelbar und realitätsnah macht, erlebten unsere Tester besonders bei den effektreichen Szenen etwa aus dem James-Bond-Streifen „Der Morgen stirbt nie“ – Hubschraubergeknatter und Explosionen inklusive.

Surroundklang überzeugte

DVD-Heimkinoanlagen Test
Ungewöhnlich: Das runde LCD-Display der Philips-Anlage zieht Blicke auf sich.

Tatsächlich hatten die Tester am Raumeindruck bei Dolby Digital an keiner Anlage etwas zu bemängeln. Dafür gab es sogar achtmal „gut“. Ganz vorn dabei: die Anlagen von Panasonic und Sharp. Am wenigsten überzeugte die Sony DAV-S 400, ihr Surroundklang wurde als zu flach empfunden. Zwar wummerte der Bass, aber in einzelnen Frequenzbereichen dröhnte er, während es in anderen viel zu wenig Schalldruck gab.

Da alle Anlagen im Test neben Dolby Digital und dem älteren Dolby ProLogic auch „Digital Theatre Sound“ (dts) abspielen können, guckten wir uns einen Film auch in diesem Format an. Dabei zeigte sich: dts bietet einen etwas besseren Raumklang als Dolby Digital.

Kritik an „dröhnender“ CD-Musik

DVD-Heimkinoanlagen Test

Weniger beeindruckend hört es sich an, wenn statt einer DVD eine Musik-CD eingelegt wird. Ob Orgelstück, Orchesterwerk oder Michael Jacksons „Bad“ – im Stereobetrieb lassen die Komplettanlagen viele Wünsche offen. Ihr Niveau bei Bass- und Höhenwiedergabe überzeugt wenig, der Sound klingt verfärbt.

Schuld daran ist oft auch der Subwoofer, der für beide Kanäle gemeinsam genutzt wird. So dröhnt die Musikwiedergabe in einigen Fällen, zum Beispiel bei der Universum-Anlage und der Sony DAV-S 400. Oder der Bass fehlt je nach Musiktyp mehr oder weniger stark, wie bei der Philips-Anlage zu hören. Besonders häufig hatten unsere Tester beim JVC-Gerät und der Sony DAV-S 400 einen „unausgewogenen“ Höreindruck. Auch nicht gerade ein Argument für Musikfreunde: wenn der Klang wie bei der Kenwood-Anlage dumpf wirkt, weil sie die Höhen schlecht wiedergibt. Kein Wunder also, dass CD-Musik nur bei jeder zweiten Anlage „gut“ klang.

Schwachpunkt Lautsprecher

Überhaupt sind die Lautsprecher das schwächste Glied der Komplettanlagen. Selbst Super-Audio-CDs, gedacht für höchsten Hörgenuss, klingen deshalb in den drei dafür geeigneten Anlagen keineswegs immer besser als normale CDs.

Die unter HiFi-Gesichtspunkten wenig überzeugende Klangqualität der Lautsprecher erklärt auch, warum die Anlagen im Stereobetrieb deutlich schlechter abschnitten als im Mehrkanalbetrieb: Während beim Surroundton zuerst der Raumeindruck zählt, gehts beim Abhören von CDs vor allem um klangliche Balance. Und die konnten die Lautsprechersets im Test einfach nicht liefern.

Dafür unterhalten alle Anlagen den Zuhörer mit Klangprogrammen: So kann man etwa zwischen „Jazz Club“ oder „Concert Hall“ wählen – je nach Geschmack klingt es dann wie beim Livekonzert oder wie im Jazzkeller nebenan. Oft schalten die Anlagen automatisch die Surroundlautsprecher dazu, auch wenn reine Stereoquellen, sprich CDs, gehört werden. Wer auf Klangprogramme Wert legt, hat mit den Anlagen von Yamaha und Kenwood die besten Möglichkeiten. Puristisch siehts beim Sharp-Gerät aus: Es bietet nur „Bass Boost“ für möglichst lauten und tiefen Bass.

Bild durchweg „sehr gut“ und „gut“

Was die Bildwiedergabe angeht, können sich Filmfans über höchste Qualität freuen. Sie ist deutlich besser als beim Videorekorder. Fünf „Sehr gut“ und sechsmal „gut“ sprechen eine deutliche Sprache.

Für den Suchlauf aber gab es in vier Fällen nur ein „Ausreichend“, weil er statt eines flüssigen Bildes ruckhafte Abläufe bot. Das hatten wir beim Philips-Gerät auch an der Zeitlupe rückwärts zu kritisieren. JVC und Sharp haben darauf ganz verzichtet. Mit der Zeitlupe vorwärts gab es bei keiner Anlage größere Probleme.

Kritik an Bedienungsanleitungen

Gerade von Komplettanlagen versprechen sich Nutzer einfachen Betrieb und gute Bedienung. Aber oft bekommen sie genau das nicht geboten. Zwar sind zusammengehörige Komponenten von Haus aus leichter aufeinander abzustimmen als mehrere Einzelgeräte vielleicht noch verschiedener Hersteller. Angefangen bei der Bedienungsanleitung brauchen Kaufwillige aber auch bei den Komplettanlagen gute Nerven und Zeit: Dreimal kritisierten wir knappe oder fehlende Darstellung wichtiger Informationen mit „ausreichend“ (Panasonic, Kenwood, Universum). Speziell beim Aufbauen der Lautsprecher sind exakte Anleitungen unerlässlich. Außerdem ließ sich bei den Geräten von Thomson wie Kenwood der Klangprozessor nur schwer einpegeln.

Auch unkomfortabel: Wenn – wie bei sieben Anlagen der Fall – eine automatische Senderprogrammierung fürs Radio fehlt. Zumal die selbst bei Minianlagen längst Standard ist.

Spiegelnde Displays kosten Nerven

Außerdem lassen sich viele Anlagen nur über das Menü des TV-Bildschirms programmieren. Andererseits werden etwa die Pegeleinstellungen oft nur am Gerätdisplay gezeigt. Falls das auch noch spiegelt und somit vom Sessel aus kaum zu lesen ist, wird es problematisch. Auch unpraktisch: Wer CDs einlegt, muss sich am Gerät selbst meist mit „Start“, „Stop“, „Play“ und oft noch „Skip“ begnügen, der Rest läuft nur über die Fernbedienung. Bei fünf Anlagen ist die auch noch recht verwirrend: So sind Tasten unlogisch angeordnet. Oder Zweitfunktionen irritieren den Nutzer. Wer digitales Sat-TV plus einen Receiver mit digitalem Tonausgang hat, kann mit allen Testgeräten außer von Panasonic und JVC entsprechend kodierte TV-Filme in Dolby Digital hören. Ihr digitaler Audioeingang (optisch/elektrisch) muss zum Ausgang des Sat-Receivers passen.

Was den Stromverbrauch betrifft, gibt es keinen Grund zur Sorge: Im Standby und bei ausgeschaltetem Netzschalter beträgt er maximal 2,4 Watt.

Beim Kauf einer Anlage sollte man daran denken, dass selbst gebrannte CDs oder DVDs zum Einsatz kommen. Aber nicht jede selbst gebrannte Platte läuft auch auf jedem Player. Wir prüften, mit welchen Formaten die Anlagen zurechtkommen:

  • DVD+R: Einmal beschreibbar (R = recordable). Alle Geräte kamen damit klar.
  • DVD-R: Ebenfalls einmal beschreibbar. Nicht spielbar in der Universum-Anlage .
  • DVD+RW: Mehrfach beschreibbar (RW = rewritable). Das Universum-Gerät hatte auch mit diesem Format Probleme.
  • DVD-RW: Auch mehrfach beschreibbar. Probleme gab es damit in den Anlagen von Philips, Universum, Thomson und der Sony DAV-S 400.
  • DVD-Ram: Mehrfach beschreibbar (Ram = Random Access Memory). Wegen der anderen Aufzeichnungsstruktur in keiner Anlage spielbar.
  • DVD-Audio: Aktuelles Mu­sikformat für DVDs. Keine der Anlagen im Test spielt solche DVDs ab.

Selbst gebrannte CD-RWs, CD-Rs oder Video-CDs laufen auf allen Anlagen. Mit Super-Audio-CDs haben Musikfans nur bei den Geräten von Sony und Philips Glück. Mit MP3-CDs hatte die DAV-S 400 von Sony Probleme.

Übrigens: DVDs reagieren empfindlich auf Schmutz und Kratzer. Somit sollten Kaufinteressenten bei ihrer Traumanlage auf gute Fehlerkorrektur Wert legen.  

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