DVD-Heimkinoanlagen: Erschütternd

DVD-Heimkinoanlagen Test
Gute Anlage? Dann stampfen die Dinos mächtig – und ringsum.

test 02/2006

Komplette Heimkinoanlagen, DVD-Spieler und Lautsprecher, sind im Trend. Im Test bringen Anlagen mit sechs Lautsprechern weit mehr Raumeffekte als die mit drei Boxen – die auch noch besonders teuer sind.

DVD-Heimkinoanlagen

Popcorn und Chips, Gerüche, Geraschel und Getuschel im Kinosaal. Die Flucht davor endet im Wohnzimmer. Erst recht, wenn dort ein voller Kinosound wartet. Für den braucht es nicht mehr als einen verständnisvollen Partner und rund 535 Euro. So viel kostet die beste Heimkinoanlage im Test: Yamaha AV-Pack 205. Wie die anderen ist sie ein DVD- und CD-Spieler mit Verstärker und empfängt auch Radiosender. Sie hat sechs Lautsprecher (5.1-Anlage, wobei „.1“ für die Bassbox, den „Subwoofer“ steht). Weniger Lautsprecher sollten es nicht sein, wie die Testergebnisse der 2.1-Anlagen (zwei Boxen plus Subwoofer) belegen.

Die Saurier richtig stampfen hören

DVD-Heimkinoanlagen Test

Was macht eine gute Heimkinoanlage aus? Beispielsweise Zwerchfell und Sofa erschütternde Tiefbässe (stampfende Saurier in Jurassic Park) und das Gefühl, beim Märchenfilm „Jumanji“ mitten in dem Wirbel zu sitzen, der den Bösewicht verschlingt. Ohne ordentliche Bassbox (den Subwoofer) geht das nicht, und auch nicht ohne rings um den Sitzplatz angeordnete Lautsprecher. Wie sonst soll das Geschehen im Rücken der Zuschauer akustisch abgebildet werden? Durch an den Wänden reflektierten Schall, meinen die Anbieter der Anlagen mit zwei Frontlautsprechern plus Bassbox (2.1-Anlagen). Die von KEF schafft das im Test gar nicht mal so schlecht. Echtes Mitten-drin-Ge­fühl kommt aber auch bei ihr nicht auf. Was zur Preisfrage führt: Die KEF kostet 2 000 Euro. Da schmerzen das nur angedeutete Kinogefühl und die Bassschwäche beim Abspielen von MP3-Musik (spielt nur ohne Bassbox) doch arg. Die anderen 2.1- Anlagen schneiden insgesamt noch schlechter ab. Und teuer sind sie alle – das ist irgendwie auch erschütternd.

Hier zählt vor allem Größe

DVD-Heimkinoanlagen Test

Weit mehr als die geprüften 2.1-Anlagen machen alle 5.1er ordentliches Heimkino. Doch auch sie klingen bei Kinoeffekten und in Stereo unterschiedlich. Das hat viele Gründe. Einer ist die Lautsprechergröße. Wohl um den Umbau des Wohnzimmers zum Heimkino zu erleichtern, werden die fünf ringsum anzuordnenden Lautsprecher geschrumpft. Da in kleinen Gehäusen nur hohe, aber kaum tiefe Töne erzeugt werden können, wird der Klang durch einen Subwoofer satter. Die Theorie: Tieffrequente Töne können nicht geortet werden. Kommt Bruce Willis zum Beispiel fluchend und auf Bösewichter schießend von rechts ins Bild, liefert der rechte Frontlautsprecher die Richtungsinformation. Das Wummern der Waffe strahlt der Subwoofer unortbar zum rechts im Bild agierenden Bruce Willis ab.

Die Praxis: Oft sind die fünf Lautsprecher, nicht selten Satellit genannt, sehr klein. Bei ihnen muss die Bassbox außer tieffrequenten, nicht ortbaren Tönen auch viel höhere Frequenzen, beispielsweise den Grundton der Schauspielerstimme liefern. Dann zerfasert die Schallquelle: Bruce Willis flucht links brummig aus dem Subwoofer, aber auch rechts hell aus dem Satelliten. Nur Heimkinoanlagen mit ausreichend großen Lautsprechern lösen Richtungseffekte akustisch sauber auf. Vor allem bei der Yamaha AV-Pack 205 passt der Sound zum Bild.

Doch bevor der Sound richtig stimmt, muss die Anlage aufgestellt und eingerichtet werden. Um die hinteren Boxen anzuschließen, gehen selbst in einem normalen Wohnzimmer viele Meter Lautsprecherkabel drauf – meist werden ja beide Kabel (rechte und und linke Surroundbox) an einer Wand entlang verlegt.

Eleganter löst das die 5.1-Anlage Philips HTS5000W (355 Euro). Sie sendet per Funk nach hinten. Dort wird eine Empfangsbox mit Verstärker platziert. Sie versorgt den rechten und linken Rücklautsprecher über Kabel, die auf kurzem Weg an der Zimmerrückwand entlang verlegt werden können. Anders als bei vielen Funkkopfhörern mit merklichem Rauschen machte die Funkbrücke zu den Rücklautsprechern keine Probleme. Anspruchsvolle mögen wegen möglicher Qualitätseinbußen die Nase rümpfen – wir hörten jedenfalls keine auf das Konto der Funkbrücke gehenden Störungen. Ein Manko dieser Anlage ist der eher dünne Surroundsound. Kräftig aufspielen ist nicht Sache dieser Philips.

Klatschen für die Grundeinstellung

Sind Lautsprecher und Netzkabel angeschlossen und steht die Scartverbindung zum Fernsehgerät, kann die Anlage eingeschaltet werden. Erste Überraschung: Fast alle Anlagen blenden das Menü auf dem Fernsehapparat ein (nur nicht die Yamaha). Zweite Überraschung: Nun heißt es Details einzustellen, wie den Abstand der Lautsprecher zur Hörposition. Da bewähren sich Anlagen mit Automatik und Mikrofon (Pioneer). Das Mikrofon wird am Hörplatz positioniert, die Automa­tik per Fernbedienung gestartet und sogleich schickt die Anlage Testtöne reihum von Box zu Box. Das klappt gut.

Die JVC fordert den Hörer zum Händeklatschen auf. Die Lautsprecher werden als Mikrofon genutzt. Beifall gab es dennoch nicht: Zu ungenau ist die Automatik und wer nach dem Start der Einmessautomatik zu spät klatscht, wird verbal abgewatscht. „Versagt“ zeigt das Bildschirmmenü in großen Lettern. Na, das geht aber freundlicher.

Weit umständlicher geht es aber auch, beispielsweise bei der Philips HT5000W. Hier muss der Kunde den Abstand der Lautsprecher statt in Metern in Millisekunden eingeben: „Die Erhöhung oder Verringerung der Verzögerungszeit um 1 ms entspricht einer örtlichen Distanzveränderung um 30 cm.“ Na toll!

Stand-by

Meist hat die Bassbox einen eigenen Verstärker und versorgt oft sogar noch die anderen Lautsprecher. Dadurch bleibt die Anlage schön klein, doch der Energieverbrauch kann im Stand-by inakzeptable Werte erreichen. Insbesondere der Funkempfänger für die hinteren Kanäle der Philips HTS5000W sowie der Subwoofer des Yamaha AV-Pack 205 und die Bose-2.1-Anlage sollten über den Netzschalter richtig ausgeschaltet werden. Sie haben dafür einen richtigen Netzschalter. Ärgerlich: Die Bose informiert nicht einmal durch eine Leuchtdiode über den Betriebszustand. Wer seinen Partner aber zu einer 5.1-­Anlage überreden kann, hat mit fehlenden Bose-Leuchtdioden kein Problem. Eher mit dem „Verstecken“ vieler Lautsprecher.

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