DVD-Heimkinoanlagen: Auch billige sind gut
Käufer fertig konfektionierter Heimkinoanlagen sparen sich die Qual der Wahl bei einzelnen Komponenten. Im Test konnten auch Billigprodukte überzeugen.
Spaß macht Heimkino nur dann, wenn neben dem Videobild auch die Tonqualität stimmt und der Ton aus allen Richtungen kommt. Erst dann ist es wie im Kino: knackiger Rundumton aus einer leistungsstarken Surroundsound-Anlage mit fünf Kanälen und einem Tieftonlautsprecher (Subwoofer) für abgrundtiefe Bässe und Effekte.
Aber welche Lautsprecher sorgen für das richtige Kinogefühl? Welcher Verstärker bringt genügend Leistung, um den Ton auch richtig zur Geltung zu bringen? Und welcher DVD-Spieler liefert die richtigen Tonsignale an den Verstärker und gleichzeitig beste Bildsignale beispielsweise für einen Videobeamer?
Wer sich über solche Fragen keine Gedanken machen möchte, kauft sich am besten eine fertig konfektionierte DVD-Heimkinoanlage. Doch nicht immer kann sich der Käufer darauf verlassen, dass die Anbieter ihre Anlagen auch optimal zusammenstellen. test hat zwölf Surroundanlagen eingehend geprüft: Komplettangebote zu Preisen zwischen 180 und 850 Euro, bestehend aus Lautsprechern, Verstärker samt Radio (Receiver) und einem DVD-Spieler. Ergebnis: Nur sechs Anlagen bieten sowohl gute Videobilder als auch einen guten Surroundklang. Wer seine Kinotonanlage aber auch für anspruchsvolle Stereomusik nutzen will, wird sicherlich enttäuscht sein: Mittelmaß – mehr ist im HiFi-Klang nur bei einem Testmodell drin (Sony DAV-SR 2).
Schwachpunkt Lautsprecher
Die Ursache für den „durchwachsenen“ Klang der Surroundanlagen liegt in den Lautsprechern. Das sind fünf kleine Satellitenboxen rundum und ein Subwoofer. Er übernimmt im Surroundbetrieb neben den Bässen der Satellitenkanäle auch die Tieftoneffekte des Filmtons. Da das Ohr tiefe Töne nicht orten kann, fällt es nicht auf, dass alle Tieftonsignale aus einer Box kommen. Deshalb wiederum können die Satelliten recht klein gestaltet werden, denn nur tiefe Bässe erfordern große Lautsprechergehäuse.
So weit die Theorie. Im Test zeigte sich aber, dass einige Satellitenboxen wohl doch zu klein geraten sind. Jedenfalls übernehmen die zugehörigen Subwoofer zu viele von den „Satellitenfrequenzen“. Und wer genau hinhört, kann die Bassboxen deshalb auch orten. Tipp: Stellen Sie den Subwoofer möglichst mittig zwischen die Frontboxen, dann fällt dieses Problem nicht mehr allzu stark auf.
Im Stereobetrieb arbeiten nur die beiden Frontlautsprecher rechts und links und der Subwoofer. Hier bietet Sony DAV-SR2 den besten, ausgewogensten Lautsprecherklang. Nur wenig schlechter schneidet Yamaha ab, obwohl dessen Bässe etwas unsauber und die Höhen ein wenig spitz klingen. Der Yamaha bietet aber noch ein zweites Paar Lautsprecherklemmen (umschaltbar) für die Frontlautsprecher. Darüber lassen sich für besseren HiFi-Klang ausgesuchte Lautsprecher zusätzlich anschließen. Im Surroundbetrieb drehen sich die Ergebnisse um. Da liegt der Yamaha vor dem Sony DAV-SR2.
Die Subwoofer von JVC TH-S3 und Philips LX 3900 SA neigen grundsätzlich zum Dröhnen. Medion und Yamaha könnten dagegen mehr Bass vertragen. „Verfärbt“ steht im Testbericht über die Lautsprecher von JVC TH-S3, Panasonic und Sony DAV-SB100. „Dumpf“ mangels Höhen klingen beide Philips und auch die Pioneer-Anlage.
Rundumton meist besser als Stereo
Insgesamt wurde der Rundumton meist besser bewertet als der Stereoton. Offenbar wird der Klangeindruck durch die Surround-Informationen aufgewertet. Im Stereobetrieb spielt dagegen die klangliche Balance die Hauptrolle. Und mit der können die wenigsten der getesteten Lautsprecher glänzen.
Aber nicht nur die Lautsprecher, auch die Verstärker spielen im Klang eine Rolle. Bei JVC TH-S3, Universum und Yamaha ist die Surroundleistung zwar nicht gerade üppig, doch wird der leistungshungrige Bassbereich mit einem eigenen Verstärker versorgt. So können selbst nur rund 20 Watt pro Kanal für gute Lautstärken sorgen. Was eher stört, ist das hörbare Rauschen von JVC THS-3, Pioneer, Thomson und Universum in leisen Passagen.
Die Schwächen der Teuren
Die DVD-Bildqualität der getesteten Heimkinoanlagen ist „gut“ – jedenfalls im normalen Wiedergabebetrieb. Da hapert es oft bei den Sonderfunktionen Suchlauf und Zeitlupe. Das Bemerkenswerte daran: Die teuren Anlagen von Philips und Sony schneiden hier am schlechtesten ab. Peinlich für die beiden Anbieter: Die Billiganlage von Medion leistet bei den Sonderfunktionen mit gewaltigem Abstand Besseres. Auch Yamaha kostet erheblich weniger und bietet doch Ansehnlicheres.
Ebenso in der Fehlerkorrektur. In diesem Prüfpunkt wird bewertet, wie die Geräte mit fehlerhaften Platten zurechtkommen. Da müssen sich die teuren Philips- und Sony-Anlagen von Medion, Yamaha und anderen Modellen vormachen lassen, wie es besser geht. Selbst die zwei nicht mal halb so teuren Anlagen aus gleichem Hause können es deutlich besser.
Apropos Fehlerkorrektur: Wer sich oft gespielte DVDs aus der Videothek holt, sollte mit der Anlage von Panasonic liebäugeln. Von den insgesamt mit „gut“ bewerteten Modellen kommt sie mit fehlerhaften DVDs am besten zurecht. Fehlerhafte CDs wiederum spielen die anderen drei guten Anlagen besser ab.
Stiefkind CD
Am meisten Kritik ernteten die DVD-Spieler, weil bis auf Start, Stopp, Wiedergabe (Play) und meist noch die Titelsprungfunktion (Skip) nichts am Gerät gesteuert werden kann. Bei einigen Anlagen gibt es wenigstens noch einen Suchlauf. Eine Zehnertastatur fehlt überall. Das beeinträchtigt hauptsächlich das einfache Abspielen von CDs.
Selbst mit Fernbedienung können die Programmierfunktionen nur selten ohne Hilfe des Fernsehbildschirms als Display aufgerufen werden. Sollen speicherplatzsparende MP3- oder WMA-CDs gespielt werden, was alle Testgeräte können, geht ohne Bildschirm gar nichts mehr. Auf dem Gerätedisplay steht nur die Titelnummer in der Reihenfolge, in der die Stücke auf der CD gespeichert sind, manchmal auch die Laufzeit. Ordnernamen, Interpreten – Fehlanzeige. Medion zeigt aber noch nicht einmal im Menü auf dem Fernsehbildschirm den Titelnamen an.
Die Umwelt gewinnt
Erfreulich gering ist – nicht erst in diesem Test – die Leistungsaufnahme der geprüften DVD-Heimkinoanlagen. Sie liegt bei ausgeschalteten Geräten und im Stand-by-Betrieb meistens deutlich unter einem Watt, bei Yamaha knapp darüber. Medion braucht 3,2 Watt, hat aber einen „echten“ Netzschalter, der den Verbrauch auf null reduziert. Ausreißer ist JVC QP-F10 mit über sechs Watt.
Interessant ist auch die Leistungsaufnahme der Anlagen, wenn sie mit minimaler Lautstärke betrieben werden: Die ist nicht zu knapp. Aber die Vermutung, dass eine hohe Verstärkerleistung auch bei geringen Lautstärken einen hohen Stromverbrauch bedingt, konnten wir widerlegen. Der Verstärker mit der höchsten Leistung (Philips LX 3900, 255 Watt) gehört zu den Modellen mit geringstem Stromverbrauch (unter 30 Watt). Thomson, mit 150 Watt , kommt auf weniger als 20 Watt. Jedoch: Yamaha hat die geringste Surroundleistung im Testfeld und genehmigt sich fast den höchsten Stromverbrauch. Ein Wermutstropfen bei der sonst so guten Anlage.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Unser Rat
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen