DVB-T-Zimmerantennen: Die Suche nach Empfang

DVB-T-Zimmerantennen Test
Gutes Bild? Manche Antennen erfordern Akro­batik und Fingerspitzen­gefühl.

test 03/2006

Ohne passende Antenne nutzt der beste DVB-T-Empfänger nichts. Doch auch mit Antenne ist störungsfreies Fernsehen nicht immer garantiert.

DVB-T-Zimmerantennen

Ausgerechnet bei Sportsendern ärgert sich Fußballfan Mathis Wosegien oft über Probleme beim Empfang. Die Sendungen haken mehrmals in der Minute, es bilden sich Klötzchen im Bild. Regelmäßig friert die Bewegung ein und springt erst nach Sekunden weiter. Von Fernsehvergnügen kann keine Rede sein, wenn das Bild ausgerechnet beim entscheidenden Elfmeter stehen bleibt.

Mathis Wosegien wohnt in einer Erdge­schosswohnung am Stadtrand von Berlin. Der nächste Sendemast ist rund elf Kilometer von seinem Wohnzimmer entfernt. Und so hat er trotz einer Antenne mit Verstärker oft nur mäßigen Fernsehempfang über DVB-T. Das Erste und das Zweite Programm sowie einige Privatsender bekommt er jedoch ohne Fehl und Tadel. Der Grund für die schlechte Qualität von Mathis geliebten Sportsendern liegt oft an der schwachen Senderleistung. In Berlin laufen die Sportprogramme über Kanal 56. Der wird vom Alexanderplatz mit 10 Kilowatt und vom Schäferberg mit 20 Kilowatt ausgestrahlt. Bei so geringer Leistung und weiter Entfernung zum Sender empfangen viele Antennen keine ausreichende Signalqualität mehr.

Zum Vergleich: Für Kanal 27, der unter anderem ARD und Phoenix ausstrahlt, hat allein der Fernsehturm am Alexanderplatz eine Leistung von 120 Kilowatt. Folglich können Antennen auch bei schlechten Empfangsbedingungen noch ausreichend Signale dieses Kanals empfangen.

Bei der Auswahl einer DVB-T-Antenne spielt also die Enfernung des Wohnorts zum Sender und dessen Sendeleistung eine Rolle. Bei schwachen Empfangssignalen muss die Antenne mehr leisten. Experten bezeichnen diese Leistung als Antennengewinn: Je höher der Gewinn, desto besser wandelt die Antenne DVB-T-Signale in Empfangssignale um. Die Unterschiede beim Antennengewinn zeigen die 14 Zimmerantennen im Test: Von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ ist alles dabei.

Tipp Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Position Ihrer Wohnung zum Sender, etwa unter www.test.de/dvb-t. Leihen Sie sich verschiedene Modelle im Handel oder von Bekannten und probieren Sie sie unter Ihren Bedingungen aus.

Wenn Häuser und Handys stören

DVB-T-Zimmerantennen Test
Schlechtes Bild: Bei ungünstigen Empfangsbedingungen stören lästige Klötzchen und stockende Bilder häufig das Fern­seh­ver­gnügen.

Neben der Entfernung zum Sender verringern auch Hindernisse die Empfangsqualität. Vor Mathis Fenster stehen Bäume, Sträucher und Häuser. Sie reflektieren die Sendersignale und drehen die Richtung des elektromagnetischen Feldes (Polarisationsebene). Den Empfang der Antennen beeinflussen zudem Bewegungen von Personen im Raum, aber auch Schnee auf den Fenstern oder andere Sender wie zum Beispiel Handys. Besonders gilt das auch für Stahlbetonwände.

Wie gut oder schlecht die Antennen angesichts dieser Widrigkeiten empfangen, zeigt sich im Praxistest. Hier untersucht test den Empfang in ausgewählten Frequenzbereichen (Kanälen) unter realen Bedingungen. Diese Ergebnisse unterscheiden sich zum Teil deutlich vom Antennengewinn. Hintergrund: Der Antennengewinn steht für den gerichteten Empfang unter störfreien Bedingungen über alle Kanäle, das heißt über das gesamte Frequenzband.

Tipp Die Empfangsbedingungen sind in jedem Raum und je nach Sender unterschiedlich. Den besten Empfang gibt es in der Regel am Fenster. Suchen Sie mit der Antenne nach dem idealen Empfangsort. Drehen und verschieben Sie dabei die Antenne, denn die Polarisationsebene einiger Sender ist durch die Reflexionen nicht mehr eindeutig.

Warum VHF große Antennen braucht

Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Natur der kleinen Zimmerantennen: Sie empfangen VHF-Wellen (Very High Frequency) schlechter, da diese Wellen deutlich länger sind als UHF-Wellen (Ultra High Frequency). Für die meisten Sender ist das unproblematisch, da sie im UHF ausge­strahlt werden (Kanäle 21 bis 69). Doch bei den übrigen Sendern auf den Kanälen 5 bis 12 verursacht das Schwierigkeiten. Damit Antennen VHF-Wellen gut empfangen können, sollten sie etwa 75 Zentimeter groß sein. Dieses Maß erreicht keine der Zimmerantennen im Test.

Tipp Hier sind Dachantennen deutlich im Vorteil. Auf vielen Mietshäusern gibt es noch solche Antennen. Bitten Sie Ihren Vermieter, die alte Dachantenne aus Analog-TV-Zeiten instand setzen zu lassen.

Wie Nähe Probleme löst

Die gute Nachricht zum Schluss: Wer in direkter Nähe zum Sender wohnt, hat mit DVB-T meist guten Empfang. Alisa Gottschewsky zum Beispiel kann nicht klagen. Von ihrer Dachgeschosswohnung in Berlin-Mitte hat sie den Fernsehturm am Alex­anderplatz direkt im Blick. Obwohl Alisas passive Stabantenne für 10 Euro über keinen Verstärker verfügt, liefert sie trotzdem durchgehend scharfe Bilder. Angesichts der günstigen Lage zum Sender ist das kein Kunststück – hier würde sogar eine Büroklammer oder ein Stück Draht für den Empfang ausreichen.

Der Praxistest bestätigt: Bei einer Entfernung von wenigen Kilometern und mit direktem Sichtkontakt zum Sender liefern alle geprüften Antennen störungsfreie Bilder. Doch wie Mathis wohnen die meisten nun einmal nicht direkt neben einem Fernsehturm oder Sendemast.

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