DVB-T: Willkommen im Club

DVB-T Test

test 05/2005

Am 30. Mai startet auch in Bayern das digitale Antennenfernsehen. Über die Hälfte der Bundesbürger lebt dann in einem der Empfangsgebiete. Zeit für eine Zwischenbilanz.

DVB-T

Für viele Bayern und Franken ist der 30. Mai 2005 ein ganz besonderes Datum: An diesem Tag tritt in der nagelneuen Münchner Allianz-Arena der 1. FC Nürnberg gegen 1860 München an. Das Eröffnungsspiel des Stadionneubaus ist längst ausverkauft. Viele Fans werden das Spektakel im Fernsehen verfolgen wollen. Doch wer in der Region weder einen Kabelanschluss noch eine Satellitenschüssel hat, der sollte sich vorher einen DVB-T-Empfänger anschaffen.

Denn am Tag des großen Spiels wird in Nürnberg, München und weiten Teilen Südbayerns die terrestrische Fernsehübertragung von analog auf digital umgestellt (siehe auch „DVB-T für Einsteiger“). Zwar wird das dritte Programm des Bayerischen Rundfunks, das das Spiel überträgt, zusammen mit dem Ersten und dem Zweiten noch drei Monate lang auch mit herkömmlicher Analogtechnik ausgestrahlt. Aber nur noch über schwächere Sender, die längst nicht mehr jeden erreichen.

Der Umstieg muss klappen

Damit lastet eine große Verantwortung auf den Schultern der DVB-T-Macher in Bayern: Wenn nicht Tausende von Fußballfans an dem großen Tag vor leeren Bildschirmen sitzen sollen, dann muss der Umstieg auf die neue Technik auf Anhieb klappen. „Ich bin bester Dinge, dass die Zuschauer das Spiel über DVB-T werden sehen können“, beruhigt Veit Olischläger, Koordinator beim Projektbüro DVB-T Bayern. Ein Grund für seine Zuversicht: „Bayern profitiert davon, dass der Umstieg schon in mehreren Regionen erfolgreich durchgeführt worden ist.“

Tatsächlich können schon jetzt bundesweit um die 40 Millionen Zuschauer zumindest mit einer Dachantenne digital fernsehen. So viele Menschen leben in den Ballungsgebieten im Norden, Osten und Südwesten des Landes, die bereits auf DVB-T umgestiegen sind. Wenn Ende Mai im Freistaat sechs Millionen weitere potenzielle DVB-T-Seher hinzukommen, dann will man dabei die Erfahrungen der übrigen Regionen berücksichtigen. Und aus ihren Fehlern lernen.

Aus der Panne von Hannover gelernt

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Zum Beispiel aus „dieser unglücklichen Sache in Hannover“, wie der bayerische Projektkoordinator das nennt: Als im Mai 2004 in der niedersächsischen Landeshauptstadt das Antennenfernsehen auf digital umgeschaltet wurde, kamen dabei Sendeanlagen zweier unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz. Was niemand vor­ausgesehen hatte: Ein besonders verbreitetes Receiver-Modell kam mit den minimal unterschiedlichen Signalen der beiden Anlagen nicht zurecht. Die Empfangsgeräte funktionierten erst wieder, nachdem die Betriebssoftware beim Händler auf den neuesten Stand gebracht worden war. „So etwas kommt in Bayern nicht mehr vor, das ist klar,“ meint Olischläger.

Die Panne von Hannover war nicht die einzige, die es bislang bei der Digitalisierung des Antennenfernsehens in Deutschland gab. So quittierten im Herbst vergangenen Jahres bundesweit Tausende von DVB-T-Empfängern plötzlich den Dienst und mussten ebenfalls durch ein Software-Update wieder zum Leben erweckt werden. Der Grund: Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten ihre MHP-Datendienste ausgeweitet (MHP steht für „Multimedia Home Platform“, eine Art besonders üppig gestalteter Videotext). Wie sich herausstellte, waren jedoch etliche Receiver, die selbst nicht MHP-fähig waren, von den hinzugekommenen Datenmengen überfordert.

Ärger mit den Updates

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Nicht nur für daheim: Mit einer Tuner-Steckkarte und Antenne kann man DVB-T auch auf einem Mobilcomputer empfangen.

Immerhin sind die meisten DVB-T-Empfänger inzwischen in der Lage, die in solchen Fällen notwendigen Software-Aktualisierungen automa­tisch über Antenne zu empfangen. Ärgerlicherweise werden diese Updates über Antenne jedoch bislang nicht ausge­strahlt. Das soll sich erst im Laufe des Jahres ändern. Bis dahin bleibt dem Nutzer im Zweifelsfall doch nur der Gang zum Händler.

All diesen kleinen und mittleren Pannen zum Trotz: Insgesamt scheint DVB-T in Deutschland eine Erfolgsgeschichte zu werden. Das finden nicht nur die Betreiber. Auch ein Verbraucherschützer wie Clemens Russe meint: „Wenn man die Masse der Zuschauer sieht, die sich da umstellen mussten, ist das bis jetzt insgesamt sehr gut gelaufen.“ Russe war schon 2002 als Fachmann der Verbraucherzentrale Brandenburg dabei, als in Berlin und Brandenburg die ersten DVB-T-Sender ihren Probebetrieb aufnahmen. Jetzt kümmert er sich bei der Verbraucherzentrale Bayern um das Thema.

Digitaltechnik hat Vorzüge

Russe erinnert sich, dass viele in Berlin anfangs skeptisch auf die Umstellung reagierten: „Die haben zuerst vor allem deshalb umgestellt, weil sie mussten. Aber dann haben sie gesehen: Das bringt tatsächlich einen Mehrwert.“ Der besteht bei DVB-T zunächst vor allem in einer wesentlich größeren Programmvielfalt: Auf einem einzigen analogen Fernsehkanal lassen sich dank digitaler Datenkompression vier DVB-T-Programme ausstrahlen. So können Antennenhaushalte zum Beispiel endlich auch all die öffentlich-rechtlichen Programme wie arte, 3sat oder Phoenix sehen, für die sie zwar seit jeher Rundfunkgebühren zahlen, die aber bislang nur über Kabel oder Satellit zu empfangen waren.

„Echter Quantensprung“ in Bayern

Ein weiterer Vorzug der Digitaltechnik sind MHP-Datendienste wie zum Beispiel ZDF digitext oder die elektronische Programmzeitschrift (EPG genannt, Abkürzung für Electronic Program Guide). Und das alles zumindest im Kerngebiet mit einer einfachen Stabantenne und unabhängig von Kabelanschlüssen, weshalb die DVB-T-Betreiber ihr Produkt auch als das „Überallfernsehen“ anpreisen. Diese Annehmlichkeiten haben Clemens Russe zufolge dazu geführt, dass es in Berlin und Brandenburg schon bald nach dem Umstieg eine hohe Zufriedenheit mit der neuen Technik gab.

Die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben: 360 000 DVB-T-Boxen sind in Berlin/Brandenburg inzwischen verkauft worden, schätzen Branchenexperten. Dabei gab es hier vor 2002 nur noch etwa 160 000 Haushalte, die Fernsehen primär über Antenne empfingen. Die Digitalisierung scheint dem Antennenfernsehen also neue Freunde beschert zu haben.

Russe glaubt, dass sich die Bayern sogar noch schneller mit der Digitaltechnik anfreunden werden als die Berliner. Zum einen ist das Angebot an Receivern inzwischen nicht nur ungleich größer, sondern auch erheblich günstiger als beim DVB-T-Start in Berlin: Damals musste man noch um die 200 Euro investieren, heute gibt es Geräte unter 100 Euro. Außerdem waren in Berlin schon vor der Umstellung recht viele Programme über Antenne verfügbar, in Nürnberg und München dagegen zurzeit nur acht beziehungsweise zehn. Da sind die 24 DVB-T-Programme „ein echter Quantensprung“, findet Clemens Russe.

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