DVB-T: Überall ist übertrieben

DVB-T Test

test 03/2005

Digitales Antennenfernsehen nennen seine Macher „Das ÜberallFernsehen“. Doch noch ist es nicht so weit. Auch bei den Empfängern gibts viel zu tun: Wir fanden nur drei „gute“.

DVB-T

Wie idyllisch: Fernsehen im Baum, mitten im Nichts. Doch bis diese Vision Wirklichkeit wird, ist es noch ein weiter Weg. Seit 2003 gibt es in mehreren Regionen Deutschlands das über Antenne ausgestrahlte digitale Fernsehen DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial). Wer es empfangen will, braucht einen Fernseher (oder Monitor mit Scartanschluss), eine Antenne und einen DVB-T-Empfänger – solange Fernseher mit eingebautem Empfänger noch Mangelware oder zu teuer sind. In dieser Übergangsphase geht es also nicht ohne diese Set-Top-Boxen, „Obendraufkisten“. Sie werden über die Scartbuchse oder den Antenneneingang mit dem Fernseher verbunden und wandeln so das digitale Sendesignal in ein analoges Format um.

Knapp zwei Millionen dieser Kisten sollen in Deutschland schon verkauft worden sein. Und die Anbieter freuen sich auf neue Kundschaft: Ende Mai startet DVB-T in München und Nürnberg, die Regionen Leipzig/Halle und Erfurt/Weimar folgen bis spätestens November dieses Jahres.

Deutschland wird also immer digitaler. Doch selbst in den erschlossenen DVB-T-Gebieten ist der Empfang nicht überall gleich gut. In der Nähe des Sendemastes – dem inneren Empfangsbereich – funktioniert er am besten. Dort reicht in der Regel eine Zimmerantenne aus. Im äußeren Bereich dagegen garantiert eine Dachantenne am sichersten guten Empfang.

Tipp: Wer zwar im Kernbereich wohnt, aber zum Beispiel aufgrund einer Stahlbetonwand Empfangsprobleme hat, kann ihr mit Aktiv-Zimmerantennen (Antennen, die das Signal verstärken) trotzen. Probieren Sie auch stets unterschiedliche Standorte und Ausrichtungen der Antenne aus.

Unterwegs unterhaltungsarm

Die Macher von DVB-T versprechen sogar den Empfang im Zug oder im Auto. Notebooks, akkubetriebene Fernseher, kleine Empfänger und Antennen gibt es schon. Auch die Strong-Box SRT 5125 ist als einziges Gerät im Test theoretisch fit für den mobilen Einsatz, da sie sich über die 12-Volt-Spannung des Zigarettenanzünders im Auto mit Strom versorgen lässt. Doch DVB-T unterwegs zu nutzen, macht bisher noch keinen Spaß, wie unser Versuch im Zug zeigte. Wir gingen mit Notebook, kleiner Antenne und Mini-DVB-T-Box oder Steckkarte auf die Reise: „Eingefrorene“ Bilder und Tonaussetzer waren wenig unterhaltsam.

Im und ums Haus herum klappt es besser. Mit akkubetriebenem Fernsehgerät und Set-Top-Box im Garten Fußball sehen, im Kinderzimmer oder Keller Filme genießen – mit der entsprechenden Antenne ist das möglich.

Dann bekommen DVB-T-Nutzer mehr Programme (etwa 24) auf den Schirm als beim analogen Fernsehen – in besserer Bild- und Tonqualität. Und das klappte auch im Test: Alle zwölf geprüften Empfänger liefern bei guter Antennenversorgung ein „sehr gutes“ Bild und meist „sehr guten“ Ton. Anders bei schwachem Antennensignal: Damit kam nicht jede Box gleich gut klar, am schlechtesten Universum DVB-T 450 von Quelle und das Festplattengerät TechniSat DigiCorder T1.

Festplattengeräte stromgierig

Es waren auch drei Festplattenmodelle im Test. Sie zeichnen auf Festplatte auf und erlauben somit zeitversetztes Fernsehen. Der Vorteil: Während der Aufnahme kann sich der Zuschauer den bereits aufge­zeichneten Teil der Sendung ansehen. Wird er dabei zum Beispiel durch einen Anruf unterbrochen, spielt die Festplatte die Aufnahme nach der Telefonpause genau an der Stelle weiter, an der der Zuschauer abgelenkt wurde – und nimmt gleichzeitig den Rest des Films auf. Kathrein UFD 574/S und TechniSat DigiCorder T1 haben einen Speicherplatz von 80 Gigabyte und zeichnen bis zu 55 Stunden auf. Mit dem TechniSat lassen sich sogar lästige Werbeblöcke herausschneiden. Einziges Manko der Geräte mit Festplatte: Sie verbrauchen im Betrieb viel Strom.

Was steckt drin im Twin?

Unpraktisch: Jeder Fernseher braucht eine eigene Box. Das gilt auch für den Videorekorder, wenn ein anderes Programm aufgezeichnet werden soll als das, das der Nutzer gerade sieht. Nur Twin-Tuner ermöglichen beides mit einer einzigen Box, da in sie zwei Empfänger integriert sind. Das klingt gut, doch beide Twin-Tuner im Test sind nur „ausreichend“. Beim Radix liegt das in erster Linie am hohen Stromverbrauch. Sonst ist er in Ordnung, lässt sich einfacher bedienen als der Siemens und ist 100 Euro billiger. Das Siemens-Gerät dagegen ist nur Computerfreunden zu empfehlen, die Digitalfernsehen und PC vernetzen wollen. Denn als Doppelempfänger ist es nur sinnvoll einsetzbar, wenn der Nutzer statt eines Videorekorders (wie beim Radix) USB-Festplatte oder PC anschließt.

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