Beamer: Groß im Bild
Filmspaß auf vier Quadratmetern Bildfläche im Wohnzimmer? Beamer machen es möglich. Aber nicht jeder macht es „gut“. Der Testsieger kostet 1 840 Euro.
Glaubt man der Werbung, war es nie so einfach wie jetzt, sich stilechtes Kinovergnügen nach Hause zu holen. „Unvergesslich“ soll es nach Meinung der Hersteller werden, wenn die „Blockbuster des Heimkinos“ kommen: digitale Projektoren, auch Beamer genannt. Sie werfen DVD-Film und Fernsehsendung, Fotos und Powerpointpräsentation gleichermaßen an die Wand. Zehn Fragen und Antworten helfen beim Kauf:
1. Für wen sind Beamer sinnvoll?
- Für (halb-)professionelle Nutzer mit großem Publikum, etwa bei Workshops.
- Für Privatleute, die sich zum Kinoklang ein großes Bild wünschen. Somit ist ein Beamer im Umkehrschluss nur mit einer guten Stereo- oder Surroundanlage und einem DVD-Spieler sinnvoll.
- Für PC-Spieler, die lieber auf einem großen „Schirm“ spielen.
Tipp: Wenn Sie den Beamer für Präsentationen brauchen, sollte er leicht sein. Tragetasche sowie ein Laserpointer an der Fernbedienung sind dafür ebenfalls nützlich (siehe Spalte: „Ausstattung“ in der Tabelle).
2. Ersetzen Beamer den Fernseher?
Nein. Nutzer können zwar von der Tagesschau bis zum Fußballspiel alles per Beamer und Leinwand ansehen. Das Bild ist aber sichtbar schlechter als von DVD. Und der Beamer steht dauerhaft im Wohnzimmer. Außerdem wird das bei dem hohen Fernsehkonsum der Deutschen kostspielig, da Lampen teuer sind (siehe Frage 3).
Tipp: Wer unbedingt fernsehen will, sollte das Bild nicht über 1,50 Meter aufziehen.
3. Welche Zusatzkosten habe ich?
Wer den Beamer nicht auf einem Schrank platzieren kann und provisorische Lösungen vermeiden will, muss sich eine Deckenhalterung besorgen. Für den Panasonic PT-AE 700 E beispielsweise ist sie ab 330 Euro zu haben. Universalhalterungen, passend für Geräte vieler Anbieter, kosten weniger: ab rund 95 Euro. Außerdem wird über kurz oder lang eine Ersatzlampe fällig. Und das wird teuer: Die Lampen im Test kosten zwischen 224 und 600 Euro. Laut Anbieter müssen die meisten nach 2 000 bis 3 000 Stunden gewechselt werden – oft vom Kunden selbst. Nur das LG-Gerät, mit 600 Euro das mit der teuersten Ersatzlampe, muss dafür zum Kundendienst. Wichtig: Die Lampengarantie ist unabhängig von der des Beamers.
Tipp: Um die Lebensdauer der Lampe zu erhalten, sollten Sie die Lampe im „Sparmodus“ betreiben und die Abkühlphase einhalten: Ist kein Kühlgeräusch mehr zu hören, nehmen Sie das Gerät vom Netz.
4. Wie hell muss der Beamer sein?
Fürs Heimkino ist Helligkeit unwichtig. Sie wird in Lumen oder Lux angegeben.
Tipp: Lassen Sie sich nicht von den Lumen-Angaben auf der Verpackung blenden, denn die Hersteller messen den Lichtstrom „voll aufgedreht“, so wie er in der Praxis niemals zum Einsatz kommt.
5. Welche Auflösung ist erforderlich?
800 mal 600 Pixel oder 854 mal 480 genügen. Eine höhere Auflösung heißt nicht zwangsläufig, dass Details besser zur Geltung kommen: In unserem Test kamen auch die Vertreter mit 1280 mal 720 Pixel nicht besser mit Computergrafiken zurecht als ihre „ärmeren“ Kollegen.
Tipp: Sie wollen später hoch auflösendes TV oder DVDs gucken? Dann sollten Sie einen Beamer mit mindestens 1 280 mal 720 Pixel physikalische Auflösung kaufen. Ansonsten muss er die HDTV-Signale „runterrechnen“ – die Bildbrillanz ist weg.
6. Ist LCD oder DLP besser?
Oft ist zu lesen, die LCD-Technik (Liquid Crystal Display), bei der Licht durch Flüssigkristall-Dias gestrahlt wird, biete kräftige Farben, dafür aber störende Gittermuster im Bild und wenig Kontrast. DLP (Digital Light Processing) dagegen, bei dem Tausende bewegter Spiegelchen den Lichtstrahl ins Objektiv lenken, punkte mit besserem Kontrast. Im Test bestätigte sich das nicht: Bei LCD-Beamern traten Schwächen und Stärken auf, die für DLP typisch sind – und umgekehrt.
Tipp: DLP-Geräte ärgern allerdings nach wie vor durch den „Regenbogeneffekt“. Dabei sieht der Zuschauer in hellen Bildbereichen bunte Streifen. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Sie den Effekt sehen.
7. Kann ich jeden Raum nutzen?
Nein. Er muss abgedunkelt werden können: Bei Tageslicht macht das Zuschauen mit keinem der Beamer im Test wirklich Spaß. Das gilt auch für künstliches Licht. Darüber hinaus muss der Raum groß genug sein, mindestens 2,50 Meter Abstand zwischen Beamer und Wand sind erforderlich (siehe „So bauen Sie Ihr Heimkino“). Idealerweise projiziert das Objektiv im rechten Winkel auf die Leinwand. Steht das Gerät schief, gleicht die elektronische Trapezkorrektur, die alle Beamer im Test haben, das aus. Das sollte aber kein Dauerzustand sein. Das Bild wird dadurch unschärfer.
Tipp: Sie müssen den Beamer versetzt zur Leinwand aufstellen? Dann sollten Sie darauf achten, dass sein Objektiv verschiebbar ist. Bei vier Geräten im Test lässt sich die Bildfläche horizontal und vertikal verschieben, beim NEC gehts nur vertikal.
8. Welche Buchsen sind wichtig?
Der beste Analogeingang ist der Komponenteneingang (YUV), über den alle Geräte im Test verfügen: An ihm hängt der DVD-Spieler. Wer DVB-T-Box, Sat-Empfänger oder Videorekorder anschließen will, sollte auf einen Scart-Eingang inklusive RGB achten. Soll der Beamer vom PC aus gesteuert werden und umgekehrt, werden USB-Anschluss und Spezialsoftware erforderlich. Für hoch auflösendes TV/DVD sind die meisten Beamer im Test nicht empfehlenswert. Nur mit den drei Geräten mit DVI-oder HDMI-Schnittstelle plus hoher Auflösung lassen sich Heimkinoanlagen der Zukunft – die hoch auflösende DVDs spielen – sinnvoll nutzen.
Tipp: Beim Anschließen zahlen sich gute Anleitung und hilfreiche Schnellstartinfo aus. HP, Liesegang, Toshiba S 25 und Acer bekamen Minuspunkte, weil sie kein gedrucktes Handbuch mitliefern.
9. Sinken die Preise noch?
Ja, wenn auch nicht so rasant wie bisher. Im Jahr 2004 wurden knapp 40 Prozent mehr Geräte verkauft als im Vorjahr, wobei sich die Preise sehr deutlich nach unten entwickelt haben. Für 2005 prognostizieren Experten weitere Zuwächse.
10. Welche Alternativen gibt es?
Alternativen sind Rückprojektoren, LCD- und Plasmabildschirme. Vorteil: Damit kann man bei Tageslicht gucken, außerdem ersetzen sie ein Fernsehgerät. Nachteil: Das Bild ist schlechter, speziell bei Rückprojektoren. Außerdem kosten diese mit 1,50 Metern Bilddiagonale gut 2 600 Euro, Plasmageräte mit nur einem Meter gibts ab 1500 Euro, LCDs ab 4 000 Euro. Fazit: Bezahlbares Heimkino mit wirklich großem Bild macht derzeit nur mit Beamern richtig Spaß.
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