16:9-Fernsehgeräte: So breit, so gut
Noch immer werden die meisten Sendungen im klassischen 4:3-Format ausgestrahlt. Doch DVDs mit 16:9-Kinoformat sind im Kommen. Grund genug, Breitbildgeräte zu prüfen – mit überraschend angenehmen Ergebnissen.
Endlich entspannt zurücklehnen und den Lieblingsfilm mit Tom Hanks und Meg Ryan genießen – schnell noch den Jumboeimer Popcorn und den Maxibecher Cola neben den Sessel gestellt und los gehts.
Ein Erlebnis fast wie im Kino: Der 16:9-Fernseher machts möglich. Dieses Format steht für Breitbild. Das „klassische“ Fernsehformat dagegen hat ein Breite-zu-Höhe-Verhältnis von 4:3 und dominiert noch immer in deutschen Wohnzimmern – nicht zuletzt wegen der moderateren Preise für diese Geräte.
Das Breitbild
Da fragt sich, ob der Verbraucher bei 16:9-Fernsehern nicht nur mit einem breiteren Bild, sondern auch mit einer überzeugenden Qualität rechnen kann. Wir haben 13 Modelle mit 70 und 82 Zentimeter Bilddiagonale und 100-Hertz-Technik getestet. Sie kosten immerhin zwischen 970 und 1 520 Euro. Und bis auf Sharp und SEG erreichten auch alle ein „gutes“ test-Qualitätsurteil.
Schon seit über zehn Jahren gibt es das 16:9-Fernsehformat. Durchsetzen konnte es sich bisher aber nicht. Zwar strahlen ARD, ZDF sowie die Dritten Talkshows, Tierfilme und auch „Tatort“ oder „Praxis Bülowbogen“ im 16:9-Format aus. Der überwiegende Teil der Sendungen entsteht aber im 4:3-Format und erscheint dann auf einem 16:9-Fernseher sogar mit senkrechten schwarzen Balken links und rechts. Die Bildfläche eines 70-Zentime- ter-Breitbildgeräts entspricht dann effektiv nur noch der eines 55-Zentimeter-Geräts mit 4:3-Format.
Natürlich kann das Bild auf das größere Format aufgezoomt werden, doch dann muss der Verlust von Bildinhalten und Untertiteln in Kauf genommen werden. Wird eine angepasste Darstellung gewählt, sind zwar alle Bildinhalte gerettet, indem die Proportionen ein wenig verändert werden. Das aber hat eine unangenehme Folge: Die Personen wirken verzerrt oder gedrungen und Gegenstände sehen gestaucht aus.
Somit empfehlen sich Fernsehgeräte im 16:9-Format weniger für gelegentliche Fernsehgucker, sondern mehr für Spielfilmfans, die mit DVD-Player und Premiere-Decoder ausgestattet sind, da dort die Filme im Breitwandformat abgespielt werden. Allerdings sollten sie dann wegen der größeren Bildfläche besser gleich die Anschaffung eines 82-Zentimeter-Geräts in Erwägung ziehen. Auch Lautsprecher sollten sie zusätzlich anschaffen, denn der integrierte Dolby-Surround-Sound ist in der Regel nur ein „Virtual Dolby Sound“. Soll heißen, richtiger Raumklang in THX-Qualität kann damit nicht erreicht werden. Und jeder weiß doch: Erst mit der richtigen Klangqualität kommt echtes Kinofeeling auf.
Die Bildqualität
Kino bedeutet auch ein scharfes Bild. Doch im Prüfpunkt Bildqualität schnitten der Sony und der SEG nur „befriedigend“ ab. Beim Sony war zwar die Bildauflösung „sehr gut“, doch das schnell bewegte Bild wurde stark nachgezogen, sodass in diesem Unterpunkt nur ein „Ausreichend“ vergeben werden konnte. Besser sah es bei der Bildruhe aus. Hier kam der Sony sogar auf ein „sehr gut“. Auch alle anderen Geräte waren durch die Bank weg „gut“ bis „sehr gut“. Das liegt an der 100-Hertz-Technik. Sie vermindert Bildschirmflimmern sichtbar, in dem sie jedes empfangene Fernsehbild digitalisiert, speichert und zweimal als Halbbild zeigt. Das funktioniert am besten bei den wenig bewegten Bildern oder Standbildern und beim Videotext.
Bei sehr schnellen Bewegungen kann es jedoch zum „Kometeneffekt“ kommen. Er ist aber nicht mehr so stark zu beobachten wie noch vor einigen Jahren. Zum Beispiel verwischt ein Ball beim Torschuss nur noch unmerklich. Auch unten durchs Bild laufende Aktienkurse sind noch gut lesbar. Einige Unschärfen können aber auftreten. Besonders dann, wenn jemand im Film rote Kleidung trägt und ein schneller Schwenk mit der Kamera erfolgt. Dabei kann es bei allen Geräten mehr oder minder stark zum Effekt des Nachziehens kommen. Besonders auffällig war das bei Loewe und bei Sony.
Auch beim Fußball ist der Rasen manchmal nicht mehr in allen Einzelheiten zu erkennen, wenn die Kamera dem Ball folgt. Oder die Bandenwerbung verwischt so stark, dass sie nicht mehr zu lesen ist. Aber wen interessiert schon die Bandenwerbung, wenn Hertha BSC gegen den Hamburger SV zum 6:0 trifft?
Das „Kometenschweif“-Problem hat sich sehr verringert – ein Grund für unsere Prüfer, noch genauer hinzugucken. Bis auf zwei kommt kein Gerät beim Prüfpunkt Bildnachziehen auf ein „gut“: Nur der Grundig MW 82-3112 MV Dolby und der Philips 28PW8807/12 stechen beim Bildnachziehen positiv hervor.
Die Fernbedienung
Nicht nur Sportbegeisterte wissen: Wer die Fernbedienung in der Hand hält, hat die „Macht“. Er entscheidet über Wohl und Wehe des Familienfernsehabends. Zweifellos, die Fernbedienung ist ein wichtiger Teil der Fernsehausstattung. Erst recht, wenn am Fernsehgerät selbst keine weiteren Bedienknöpfe vorhanden sind, so wie beim Grundig Xentia. Wer hier die Fernbedienung verliert oder beschädigt, kann das Gerät manuell nur noch ein- und ausschalten, mehr nicht. Der Ersatz wird teuer: Knapp 44 Euro war der Bestellpreis direkt bei Grundig, Fachgeschäfte nannten Preise ab 80 Euro.
Aber wenigstens sind die Fernbedienungen beider Grundig-Modelle im Test gut und klar aufgebaut, außerdem sind sie futuristisch gestylt und wirken somit edel. Die täglichen zu nutzenden Tasten (Lautstärke und Programmwahl) sind groß, gut erreichbar und heben sich farblich sehr schön ab. Leider sind beide Fernbedienungen ziemlich groß und viel schwerer als bei anderen Geräten.
Kleinere Fernbedienungen erlauben es, alle Tasten mit einer Hand zu betätigen, was manch einer bequemer findet. Gute Beispiele sind die des Sharp und des Philips 28PW8807/12. Eine zwar kleine, aber dennoch nur „befriedigende“ Fernbedienung wird dagegen beim Thomson mitgeliefert. Ihre Tasten sind eng und klein und genauso schwarz wie das Gehäuse. Nichts für schummrige oder dunkle Lichtverhältnisse und gerade die sind ja beim Fernsehen gegeben.
Punkte machte der Thomson dagegen beim beliebten „Zapping“ gut, dem schnellen Umschalten von Kanal zu Kanal. Ebenso wie der Panasonic TX-32DK 20D ist er dabei sehr schnell. Hier verpasst der erfahrene „Zapper“ nichts. Doch er kommt nicht bei jedem Gerät zu seinem Vergnügen. Der SEG Premium Lugano zum Beispiel ist zum Zappen nur wenig geeignet. Er macht kunstvolle Wechsel, indem das Bild erst verkleinert wird und dann verschwindet, bevor sich das neue Bild aus der Bildmitte heraus wieder aufbaut. Das dauert und nervt gewaltig. Unsere Bewertung: „mangelhaft“.
Der Sharp hält ein Schmankerl bereit, das aber Geschmackssache ist: Das Zappen geht schnell, aber nur in einem separaten kleinen Fenster, das genau in der Mitte des Bildes erscheint. So sieht man immer noch das zuerst gewählte Programm und kann so quasi im direkten Vergleich entscheiden, ob auf einem anderen Sender etwas Besseres läuft.
Der Videotext
Wer häufig den Videotext benutzt, sollte sich ein Gerät mit möglichst großem Seitenspeicher zulegen. Dann geht das Blättern praktisch auf Knopfdruck. Immerhin haben neun der getesteten Geräte einen großen Seitenspeicher. Bei den restlichen vier sollte der geneigte Leser einige Yoga-Entspannungstechniken auf Lager haben, um die Ruhe zu bewahren. Es dauert einfach lange, bis die entsprechende Seite gefunden ist. Wer beim Seitensuchen Split-screen benutzen kann, ist auch fein raus. Dabei werden Videotext und Fernsehprogramm gleichzeitig abgebildet. Bislang war das nur mit der Transparent-Darstellung des Videotextes möglich. Inzwischen bieten einige Modelle auch das Splitscreen-Verfahren an: beide Philips, beide Grundig, der SEG und inzwischen auch das Loewe-Modell. Auf einem geteilten Bildschirm können dann Text und Sendung gleichzeitig gesehen werden. So verpasst der Zuschauer beispielsweise nicht den Anschluss, wenn er in einer Werbepause im Videotext blättert.
Das Bildschirmmenü
Was die Bedienungsanleitungen für die Geräte betrifft, so geht der Trend immer mehr weg von gedruckten Broschüren und hin zum Bildschirmmenü. Die oftmals dünnen Heftchen enthalten nur noch das Notwendigste. Details und Spezialfunktionen lässt man sich auf elektronischem Weg erklären. Die meisten Bildschirmmenüs sind sehr ausführlich und gut strukturiert. Bei Loewe haben sich die Designer des Menüs wohl am Computerbetriebssystem Windows orientiert. Es öffnet Fenster wie am PC, ist gut verständlich und mindestens genauso gut wie das Handbuch. Es gibt aber auch nicht so gut ausgereifte Bildschirmmenüs, zum Beispiel das des Philips 28PW8807/12. Es ist langsam und transparent. Bei vielfarbigem Hintergrund fällt es da schwer, die Hinweise zu lesen.
Tipp: Lassen Sie sich beim Kauf eines Fernsehers das Bildschirmmenü zeigen und probieren Sie es selber aus. So erkennen Sie am besten, ob es Ihnen zusagt. Das Gleiche gilt für die Fernbedienung.
Und wenn das neue Breitbild-Fernsehgerät an einen DVD-Player und die Surround-Sound-Anlage angeschlossen ist, kann es losgehen mit Meg und Tom. Dann wird es fast so sein wie im Kino. Oder besser. Schließlich stören weder die Werbung noch der Eisverkäufer.
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