Terrestrisches Fernsehen DVB-T: Kinderkrankheiten

Terrestrisches Fernsehen DVB-T Meldung

test 07/2003

Vier Monate digitales Fernsehen in Berlin und Brandenburg. Ärger gab es wegen der Kosten und Programmierfehler.

Terrestrisches Fernsehen DVB-T

Der Umstieg von analogen auf digitale Fernsehsignale hat im Raum Berlin passabel funktioniert. Seit dem 1. März können dort die meisten Fernsehprogramme per Antenne nur noch mit Zusatzgerät empfangen werden. Doch die Verbraucher ärgern sich über Zusatzkosten, Programmierfehler und Probleme der Sendeanlagen.

Kosten: DVB-T-Boxen werden für etwa 200 Euro angeboten, als Sonderposten auch für 100 Euro. Das sind einmalig anfallende Kosten. Zum Vergleich: Für Kabelempfang sind pro Monat bis zu 15 Euro fällig. Bislang sollen mehr als 150 000 Boxen verkauft worden sein. Es gibt derzeit aber kaum Fernsehgeräte (mit Ausnahme von Grundig, Metz und Loewe) und keine Videorekorder mit DVB-T.

DVB-T-Boxen: Die erhältlichen DVB-T-Empfänger arbeiten nicht immer zuverlässig. Kunden sollten immer Modelle mit der neuesten Softwareversion kaufen, in der die Kinderkrankheiten behoben sind. Fehlerhafte Software bewirkt, dass sich die Boxen ohne sichtbaren Grund „aufhängen“ und mit der Fernsteuerung nicht mehr zu bedienen sind. Oft treten derartige Programmierfehler eher zufällig auf und sind selten reproduzierbar – deshalb ist ein Test schwierig.

Software-Update: DVB-T-Boxen können mit neuer Software bespielt werden (Update). Doch das ist lästig (lesen Sie dazu auch S. 42). Praktisch sind DVB-T- Boxen, die sich per Antenne mit neuer Software versorgen (zum Beispiel Kathrein UFD 570, Test DVB-T-Empfängertest 3/03, S. 41).

Empfang: An einigen Stellen in Berlin gab es zur Umstellung „Sendelöcher“. Die meisten Probleme sind behoben.

Antennen: Der DVB-T-Werbeslogan „Das Überallfernsehen“ ist zu hoch gegriffen. Bei schwachen Boxen verhindern bereits dicke Wände den Empfang. In diesen Fällen können spezielle Zimmerantennen mit Verstärker helfen (im Fachhandel ab etwa 10 Euro). Sie sollten an verschiedenen Stellen im Zimmer ausprobiert werden. Wo noch eine funktionierende Hausantenne vorhanden ist, reicht diese bei guter Signalversorgung oft aus. Sie kann oft ohne technische Aufrüstung weiter verwendet werden.

Zweitbox: Jeder Fernsehempfänger benötigt eine eigene DVB-T-Box. Wer gleichzeitig ein Programm sehen und eins aufnehmen will, braucht zwei Empfänger. Tipp: Kaufen Sie unterschiedliche Boxen, da es sonst zu Problemen mit der Steuerung durch die Fernbedienung kommen kann. Aufnehmen ist umständlich: Solange keine Videorekorder mit DVB-T-Empfängern verkauft werden, müssen Rekorder und Box separat programmiert werden. Bei DVB-T gibt es kein VPS, das die zeitgenaue Aufnahme verspäteter Sendungen ermöglicht.

Kabel/Satellit: Kunden mit Kabelvertrag oder Satellitenempfang sind von der Umstellung auf digitale terrestrische DVB-T-Signale nicht betroffen.

Zukunft: Bleibt zu hoffen, dass die Hersteller bald TV- und Videogeräte mit integriertem Digitalempfänger auf den Markt bringen – und das zu herkömmlichen Preisen. Erst dann ist der Umstieg auf DVB-T aus Verbrauchersicht vollzogen. Bislang haben vor allem die Fernsehsender einen Vorteil: Mit DVB-T werden mehr Programme auf weniger Übertragungsfrequenzen ausgestrahlt – das spart Aufwand, Energie und Kosten.

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