TV-Telefon-Internet: Was die Paketangebote taugen
Kabelnetzbetreiber und Telefonanbieter buhlen mit Paketangeboten aus Telefonanschluss, schnellem Internet und Fernsehen um die Kunden. Was springt für die dabei heraus?
Ein verlockendes Angebot: Telefonanschluss und schneller Internetzugang zum grenzenlosen Surfen für knapp 30 Euro im Monat. Und für 10 Euro Aufpreis kann man auch noch beliebig lange ins deutsche Festnetz telefonieren. Dies Schnäppchenangebot stammt nicht etwa von Telefonanbietern wie Alice, Arcor oder Versatel, die der Deutschen Telekom schon länger Festnetzkunden abjagen, sondern vom größten Kabelfernsehanbieter im Lande, Kabel Deutschland.
Mit Triple Play: Neue Möglichkeiten
„Triple Play“ nennen Marketingstrategen diese Angebote: Telefon, Internet und Fernsehen aus einer Hand. Alle vier großen Kabelanbieter haben inzwischen solche Komplettpakete im Programm (siehe Tabelle „Triple Play“). Für Kabelkunden eröffnet das ganz neue Möglichkeiten: Wenn sie mit Telefon und Internet auf Kabel umsteigen, können sie auf den alten Telefonanschluss verzichten und unter Umständen kräftig sparen. Und während ein schneller Internetzugang bisher praktisch nur per DSL zu haben war, dringt nun Kabelinternet auch in Regionen vor, in denen DSL gar nicht verfügbar ist.
Telefonanbieter ziehen nach
Noch sind die Triple-Play-Angebote der Kabelanbieter jung, die Nutzerzahlen überschaubar: Etwa 260 000 Kunden haben nach Betreiberangaben inzwischen Kabelinternet, rund 190 000 sind auch mit dem Telefonanschluss umgestiegen. Bei insgesamt fast 40 Millionen Festnetzanschlüssen scheint das nicht eben viel. Doch die Telefonanbieter nehmen die neue Konkurrenz so ernst, dass einige ebenfalls Triple-Play-Angebote starten, um die Abwanderung zu stoppen.
T-Online und Alice: Fernsehen per DSL
So will die Telekom-Tochter T-Online noch in diesem Jahr ihre DSL-Kunden in zehn Städten auch mit Fernsehen versorgen. Ein wichtiges Zugpferd für das „T-Home“ genannte Angebot sollen Live-Übertragungen sämtlicher Bundesligaspiele sein. Um das Angebot optimal vermarkten zu können, müsste es rechtzeitig vor dem Bundesliga-Start am 11. August verfügbar sein. Doch bis zum Redaktionsschluss war von der Telekom weder ein Starttermin noch Genaueres zu Preisen und Programmangebot zu erfahren. Da ist Telekom-Konkurrent Alice schon weiter: Seit Mitte Mai bietet er seinen Kunden in Hamburg und Lübeck auch Fernsehen per DSL an. Für knapp 10 Euro bekommt man bei Alice etwa 60 kostenlose Programme, weitere Bezahlfernsehpakete können hinzugebucht werden.
Um in den Revieren der jeweils anderen wildern zu können, müssen sich Kabel- und Telefonanbieter gleichermaßen auf technisch neues Terrain wagen. Die Herausforderer aus der Kabelbranche stecken viel Geld in den Ausbau ihrer Netze. Denn die waren ursprünglich nur dafür ausgelegt, Fernsehprogramme in die angeschlossenen Haushalte zu transportieren. Für Telefon und Internet müssen Daten aber auch in die andere Richtung fließen können – die Netze müssen „rückkanalfähig“ gemacht werden.
Neuer Anschluss: Die Multimediadose
Auch die Technik im Haus muss für die neuen Dienste angepasst werden. Dabei wird die alte Kabelanschlussdose durch eine neue ersetzt, die sogenannte Multimediadose. Die hat neben den Buchsen für Fernsehen und Radio einen zusätzlichen Anschluss für die Datenübertragung. Den Austausch erledigt ein Techniker des Kabelanbieters. Der richtet auch gleich das Kabelmodem ein, über das nach dem Umstieg nicht nur gesurft, sondern auch telefoniert wird (siehe Grafik).
Während die Kabelanbieter ihre Netze für Telefon und Internet fitmachen, müssen die Telefonanbieter für ihre Triple-Play-Pakete Fernsehen übers Telefonnetz übertragen. Die Lösung heißt hier IPTV – Fernsehübertragung per Internetprotokoll. Zum Empfang braucht man eine passende Settop-Box, die an den Fernseher angeschlossen wird wie ein digitaler Kabel- oder Satellitenreceiver (siehe Grafik). Ein Vorteil der neuen Technik: Neben „normal“ ausgestrahlten Fernsehprogrammen sind damit auch virtuelle Videotheken möglich, aus denen der Zuschauer individuell Filme abrufen kann. Sowohl Alice als auch T-Online bieten solche Dienste bereits an. Es gibt aber auch Nachteile: So dürfte es schwierig werden, beim DSL-Fernsehen ähnlich kurze Umschaltzeiten zu ermöglichen wie beim Kabelfernsehen. Das Zappen könnte beim IPTV etwas zäher vonstatten gehen als gewohnt.
Vor dem Umstieg: Einige Hürden
Egal ob per Kabel- oder Telefonnetz: Vor dem Umstieg auf Triple-Play sind ein paar Hürden zu überwinden. Die wichtigste ist die Verfügbarkeit: Das Alice-Angebot ist zunächst nur in zwei Städten zu haben, das von T-Online ist für zehn angekündigt. Kabelkunden müssen sich bei ihrem Netzbetreiber erkundigen, ob ihr Anschluss schon Triple-Play-fähig ist. Umstiegswillige sollten sich zudem Gedanken machen, wie sie die erforderlichen Geräte aufstellen. Triple Play heißt „alles aus einer Anschlussdose“: In Kabelhaushalten wird das Telefon in die Nähe des Kabelanschlusses umziehen müssen. Und bei Alice und T-Online kommt das Fernsehprogramm aus dem Telefonanschluss – der ist nicht immer unbedingt im Wohnzimmer. Da wird manch einer ein Netzwerkkabel zwischen Flur und Wohnzimmer legen müssen.
Qualität und Preis entscheiden
Ob sich der Umstieg lohnt, hängt vom Preis und von der technischen Qualität ab. Wie zuverlässig das Telefonieren per Fernsehkabel oder die Fernsehübertragung übers Telefonnetz auf die Dauer funktionieren, muss sich erst noch erweisen. Und auch bei den Tarifen sollte man genauer hinsehen. Die Paketpreise, mit denen die Kabelnetzbetreiber werben, klingen zwar gut, enthalten meist aber noch nicht den nötigen Kabelanschluss – und der kostet bei einem Einzelnutzervertrag fürs Eigenheim bis zu 16,90 Euro im Monat! In größeren Wohnanlagen kann er dagegen schon für unter 5 Euro zu haben sein, die zudem oft bereits in den fixen Betriebskosten enthalten sind. Für solche Bestandskunden sind die Kabelkomplettangebote damit preislich wohl am interessantesten.
Wenn man den Kabelanschluss mit einrechnet, summiert sich ein Rundum-Sorglos-Paket mit frei empfangbarem Fernsehen und doppelter Flatrate für Telefon und Internet bei den Kabelanbietern auf einen Preis um die 55 Euro pro Monat für einen Einzelnutzervertrag (siehe Tabelle „Triple Play“). Auch bei Alice liegt das Komplettpaket in diesem Preisbereich. Und so wird es sich auch die Telekom schwerlich leisten können, mit ihrem angekündigten Angebot sehr weit darüberzuliegen. Von der neu entfachten Konkurrenz zwischen Kabel- und Telefonanbietern könnten am Ende auch solche Kunden profitieren, die noch gar nicht zum Komplettpaket wechseln wollen: durch weiterhin sinkende Preise für Internet und Telefon.
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