AV-Surround-Receiver: Manchmal fehlt die Kraft

Lautsprecher Meldung

test 08/2002

Schaltzentrale für Audio- und Videogeräte, Kraftstation für fünf Lautsprecher und nebenbei noch als Radio verwendbar – manche Receiver machen bei hoher Lautstärke aber schlapp.

Lautsprecher

Wo 500 Watt draufstehen, müssen noch lange nicht 500 Watt drin sein. Beim Fünfkanal-Audio-Video(AV)-Receiver RX 5020 des japanischen Konzerns JVC ist das zum Beispiel der Fall. In den technischen Daten verspricht JVC fünfmal 100 Watt Leistung im Surround-Betrieb. Tatsächlich liefert das Gerät fünfmal nur zwölf Watt. Alles andere regelt der Verstärker runter. Und das ist kein Einzelfall.

Wir haben 15 Fünfkanal-AV-Receiver zu Preisen von gut 250 bis 600 Euro eingekauft und getestet. Receiver verstärken die Audiosignale und bereiten sie lautsprechergerecht auf. Die meisten liefern im Surround-Betrieb viel weniger Leistung pro Kanal als bei Stereo. Doch während die zwölf Watt des JVC mager sind, bieten die Modelle Denon, Kenwood, Sony und Yamaha mit 20 bis 30 Watt etwas mehr Leistungsreserve, sodass die Boxen nicht gleich zu klirren beginnen, wenn es im Film lautstark kracht.

Durch das Klirren eines übersteuerten Verstärkers gehen Lautsprecher eher kaputt als durch zu hohe Dauerleistung. Wenn Lautstärke kein Tabuthema ist, empfehlen sich also eher die Verstärker mit etwas mehr Mumm in den Transistoren, wie Marantz oder Onkyo.

Leichte Schwächen im Ton

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Doch was nutzt die stärkste Leistung, wenn der Sound nicht stimmt? Der Hörtest brachte ein paar kleine klangliche Ausrutscher zutage. Bei anspruchsvoller Popmusik klang der Denon über unsere Testlautsprecher etwas höhenbetont, ebenso der Harman, aber nicht ganz so kräftig. Der Bass des Kenwood wummerte ein wenig, ganz tiefe Frequenzen waren etwas schwach. Doch keine Bange, für eine Abwertung im Klang hat all das nicht gereicht. Im Stereobetrieb sind Bass- und Höhenwiedergabe in Ordnung, Verfärbungen und Verzerrungen gering. Mit klassischen Klavierstücken – sonst eine schwierige Hürde – kamen alle Modelle ebenfalls gut zurecht.

Doch eindrucksvoll ist der Raumklang erst im Surround-Betrieb, insbesondere wenn der dts-Ton (Digital Theater Systems) wiedergegeben wird. Der enthält nämlich mehr Daten als der sonst übliche Dolbydigital-Ton und schafft eine bessere Räumlichkeit. Vor allem sind Stimmen besser zu orten. Yamaha kann mit diesen Datenmengen am besten umgehen. Er bekam hier die meisten Punkte. Dabei sind die anderen Receiver nur einen Hauch schlechter – mal vom Panasonic (und dem baugleichen Technics) abgesehen, der kein dts kann.

Im Dolbydigital-Betrieb bekamen die Testgeräte durchweg etwas schwächere Noten als bei dts. Positive Ausnahme auch hier: Yamaha. Da sind praktisch keine Unterschiede zwischen den beiden Tonverfahren wahrnehmbar.

Denon fehlt im Dolbydigital-Betrieb ein wenig Druck in der Wiedergabe insgesamt, der Marantz schwächelt im Bass. Beide handelten sich dafür eine mäßige Note ein. Der Kenwood verfärbt die mittleren Tonlagen leicht und dem Bass fehlt etwas die Kraft.

Kein Einfluss auf das Bild

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Harman (Foto) und Denon haben gut erreichbare Buchsen auf der Frontplatte.

Auch Videoquellen (Rekorder, DVD-Spieler) können an AV-Receiver angeschlossen werden. Doch anders als die Audiosignale, die extra für die Lautsprecher aufbereitet werden, leitet der Receiver die Bildsignale nur an ein Fernsehgerät oder einen anderen Monitor weiter. Dabei darf es eigentlich keinen Einfluss auf die Bildqualität geben. Gibt es auch nicht, wie unser Test bestätigt.

Um der Funktion als Schaltzentrale im Heimkino auch gerecht zu werden, muss der Receiver zunächst einmal genug Anschlüsse haben. Drei Videoeingänge, die samt der zugehörigen Audioeingänge auf einen Satz Ausgänge geschaltet werden können, sind gerade genug für DVD, den herkömmlichen Videorekorder und eine Set-Top-Box für Kabel oder Satellit. Soll noch ein Camcorder Anschluss finden, geht die Umstöpselei schon los. Nur Denon, Marantz und Yamaha haben vier Eingänge, Harman hat sogar fünf.

Die Besonderheit bei den Denon- und Harmann-Produkten: Sie haben einen Satz Anschlüsse auch auf der Gerätefront (Denon: analog, Harmann: analog und digital). Da ist besagter Camcorder oder eine andere Videoqelle schnell angeklemmt. Die zugehörigen Audiobuchsen taugen übrigens auch für einen separaten Kassetten- oder CD-Spieler oder ein beliebiges anderes Analoggerät.

Die Zahl der analogen Audioeingänge schwankt zwischen gerade mal vier (Kenwood) und üppigen sieben Stück (Marantz). Hinzu kommen noch bei gut jedem zweiten Gerät fünf Analogeingänge für Surroundsound. Die sind wichtig, wenn der angeschlossene DVD-Spieler einen eigenen Surround-Decoder hat. Wichtiger sind die Eingänge aber noch für die Edel-Audio-Platten SACD oder DVD-Audio. Alle Spieler für solche Platten reichen den Supersound nur analog an den Verstärker weiter. Da hat sich die Plattenindustrie mit ihrer Angst vor dem verlustfreien digitalen Kopieren durchgesetzt. Wer lediglich Film-DVDs abspielt, hat da keine Schwierigkeiten.

Surround aus Stereosignalen

Interessant ist auch der analoge Surroundsound. Spielfilme mit Stereoton, egal ob aus dem Fernseher oder vom Band, haben oft den Rundumton gespeichert – kodiert im Stereosignal. Und alle AV-Receiver können neben Digitalsignalen auch den analogen Surroundsound verarbeiten. Jedes zweite Gerät bietet sogar den verbesserten Prologic-II-Decoder. Und während in früheren Tests die Prologic-Decoder eher durch deutliches Rauschen und unzureichende Ortbarkeit der Rundumsignale auffielen, ist der Qualitätsabstand zu den Digitalsystemen hörbar geringer geworden. Rauschen ist jedenfalls kaum noch ein Thema. Den Raumklang der Digitalsysteme kann der analoge Surroundsound aber schon prinzipbedingt nicht erreichen.

Noch ein Tipp: Spielen Sie ruhig auch mal ihre Audio-CDs über Dolby Prologic ab. Etliche Tonaufnahmen sind nämlich mit Surround kompatibel und bieten so eine beeindruckende Klangfülle. Dass das nicht auf der Plattenhülle steht, hat einen einfachen Grund: Für das Surround-Label auf der CD müsste der Anbieter Lizenzgebühren bezahlen. Die kann er sich so sparen. Auf diesem Umweg kommt der Surroundsound bei Bedarf sogar aus dem Radio – einfach mal reinhören, ob es gefällt.

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Testtabelle: Receiver

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