15.05.2013
Mandel- und Rachenentzündung

Wichtiges zur Behandlung

Eine durch Viren bedingte Rachen- oder Mandelentzündung müssen Sie nicht medikamentös behandeln. Die Halsentzündung heilt innerhalb von drei bis fünf Tagen von selbst ab. Ist sie von Fieber begleitet, verschwindet auch dieses meist schon nach zwei bis drei Tagen. Die oben genannten allgemeinen Maßnahmen tragen dazu bei, die Beschwerden zu lindern. Wenn die Halsschmerzen sehr stark sind, können Sie sie mit einem Schmerzmittel zum Einnehmen wie beispielsweise Ibuprofen oder Parazetamol behandeln. Zu beachten ist, dass Sie von Parazetamol wegen seiner leberschädigenden Wirkungen nicht mehr als vier Gramm pro Tag einnehmen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht gleichzeitig verschiedene Mittel mit Parazetamol einnehmen. Wenden Sie Mittel mit Ibuprofen grundsätzlich so kurz wie möglich an, um Schäden an der Magenschleimhaut zu vermeiden.

Das einzige hier besprochene Mittel sind Lutschtabletten aus einer Kombination von Antibiotikum + Antiseptikum + örtlich betäubendem Mittel. Sie sind bei Mandel- und Rachenentzündungen wenig geeignet, weil der Einsatz eines lokal wirkenden Antibiotikums nicht sinnvoll ist. Auch mit bakteriell bedingten Mandel- oder Rachenentzündungen wird der Körper normalerweise alleine fertig. Nur bei schweren Krankheitsverläufen sind Antibiotika zum Einnehmen, z. B. Penizilline, gerechtfertigt.

Meist bestimmt der Arzt nicht anhand eines Abstrichs, ob und auf welche Bakterien die Halsentzündung zurückzuführen ist (zumal Mandeln und Rachenraum auch bei Gesunden immer von Bakterien, auch von Streptokokken, besiedelt sind), sondern beurteilt anhand des allgemeinen Gesundheitszustandes, ob ein Antibiotikum verordnet werden muss. Dies sollte jedoch nur bei hohem Fieber und einem starken Krankheitsgefühl geschehen, oder wenn zusätzlich Herz- oder Lungenerkrankungen vorliegen, bei denen eine Streptokokken-Angina mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen kann. In allen anderen Fällen kann in Ruhe eine Woche abgewartet werden, ob die Beschwerden mit allgemeinen Maßnahmen nachlassen. Wenn nicht, ist der Einsatz eines Antibiotikums erneut zu prüfen.

Dieses Vorgehen ist sinnvoll, weil ein früher und ungezielter Einsatz von Antibiotika keine Vorteile hat (die Krankheitsdauer wird z. B. kaum verkürzt), wohl aber erhöht sich die Gefahr von unerwünschten Wirkungen (z. B. von Magen-Darm-Beschwerden) und auch das Risiko für Resistenzen.

Quellen

  • DEGAM, Halsschmerzen DEGAM-Leitlinie Nr. 14, Langversion Stand Oktober 2009; http://www.degam.de/index.php?, letzter Zugriff 18.05.2012.
  • Del Mar C, Glasziou PP, Spinks A. Antibiotics for sore throat. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. Art. No.: CD000023. DOI: 10.1002/14651858.CD000023.pub3.
  • Kenealy T. Sore Throat in: Clinical Evidence Web publication date: 13 January 2011 (based on January 2010 search);http://clinicalevidence.bmj.com/x/systematic-review/1509/citations.html; letzter Zugriff 18.05.2012.
  • Spurling GKP, Del Mar CB, Dooley L, Foxlee R. Delayed antibiotics for respiratory infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 3. Art. No.: CD004417. DOI: 10.1002/14651858.CD004417.pub3

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