Allgemeines
Antikörper sind Bestandteile des körpereigenen Abwehrsystems. Sie werden von bestimmten weißen Blutkörperchen, den B-Lymphozyten, produziert und sind dazu da, in den Organismus eingedrungene fremde Stoffe – auch Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren – zu erkennen. Antikörper heften sich an bestimmte Oberflächenstrukturen (Antigene) der eingedrungenen Keime oder Substanzen und machen diese damit für das Immunsystem erkennbar. Dieses reagiert darauf, indem es verstärkt Substanzen bildet, die die Zellen angreifen und zerstören.
Krebszellen können sich häufig nur deshalb so rasant vermehren, weil diese Strategien gefunden haben, mit denen sie sich tarnen können – so kann sie der Körper nicht als Tumorzellen erkennen. Heften sich nun jedoch die Antikörper gezielt an die Oberfläche der Krebszellen, werden diese damit ihrer Tarnkappe beraubt und zur Zielscheibe für Abwehrzellen. Da jede Tumorart sich durch unterschiedliche Oberflächenstrukturen auszeichnet und es nur wenige Gemeinsamkeiten gibt, werden Antikörper für die Krebstherapie für verschiedene Tumorarten jeweils speziell hergestellt. Das geschieht gentechnisch auf Zellkulturen, die meist von Mäusen oder Hamstern stammen. Monoklonal bedeutet, dass sie alle aus einem Zellklon stammen und in Struktur und Eigenschaften absolut identisch sind.
Häufig ist es aber so, dass auch gesunde Zellen ähnliche Oberflächenstrukturen wie Krebszellen aufweisen und dann fälschlicherweise mit angegriffen und zerstört werden. Viele unerwünschte Wirkungen bei der Therapie mit monoklonalen Antikörpern beruhen auf diesem Problem. Auch ist es häufig schwierig, die Antikörper dorthin zu bringen, wo sie ihre Wirkung entfalten sollen: an die Tumorzelle oder den Tumor fördernde Stoffe (z. B. Wachstumsfaktoren).
Um die Wirkung zu verstärken, werden manche Antikörper mit Zellgiften kombiniert angewendet (z. B. Trastuzumab mit Taxol, Cetuximab mit Irinotecan, Bevacizumab mit Irinotecan oder Oxaliplatin).
Monoklonale Antikörper erkennt man als Arzneistoffe vor allem an ihren Endbuchstaben -mab. Diese stehen als Abkürzung für den englischen Begriff „monoclonal antibody“. Wie die Antikörper aufgebaut sind und wie hoch der Anteil an Fremdeiweißstoffen ist, lässt sich am Namen erkennen. Stammen die Eiweißstrukturen vollständig aus Mäusen oder Hamstern, endet der Name des Wirkstoffs auf "-omab". Andere Antikörper bestehen nur noch zum Teil aus Maus- oder Hamsterproteinen, dann enden die Wirkstoffe mit "-ximab“. Weist der Antikörper nur noch einen sehr geringen Anteil Mäuse-Eiweiß auf, spricht man von humanisierten Antikörpern. Sie enden auf "-zumab". Antikörper, die nur noch menschliche Eiweißstrukturen enthalten, werden als humane Antikörper bezeichnet und enden mit "-umab".
Das erste zugelassene Medikament dieser Art war 1998 Rituximab. Die Substanzen Alemtuzumab, Bevacizumab, Cetuximab, Ibritumomab, Panitumumab und Trastuzumab gehören ebenfalls zu dieser Wirkstoffgruppe.
