09.10.2012
Antihormone

Allgemeines

Die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron können das Wachstum von Tumoren fördern, wenn deren Gewebe spezielle Bindungsstellen (Rezeptoren) für Hormone aufweist. Das wird im Rahmen einer feingeweblichen Untersuchung geprüft, nachdem die Geschwulst operativ entfernt wurde. Finden sich Rezeptoren, lautet das Ergebnis hormonrezeptorpositiv. Dann ist eine Behandlung mit Antihormonen oder Substanzen, die die Produktion von Hormonen unterdrücken, sinnvoll.

Unter den verschiedenen Tumorarten weisen vor allem Prostata- und Brustkrebs häufig Hormonrezeptoren auf. Deshalb werden Antihormone vor allem bei diesen beiden Krebserkrankungen angewendet.

Männern mit Prostatakrebs stehen zwei Therapiewege offen: Sie können kontinuierlich Medikamente einnehmen oder sich die Hoden entfernen lassen (Orchiektomie). Beides läuft auf das gleiche hinaus: Im Körper wird kaum Testosteron gebildet (nur noch in den Nebennieren). Der Tumor wächst daher nicht oder nur sehr langsam und bildet keine oder erst sehr spät Metastasen (es sei denn, er hat schon vorher Tochterzellen in die Blutbahn gestreut).

Wenn bei Frauen die Eierstöcke entfernt wurden, erhalten sie im Anschluss oft eine Therapie mit Antihormonen, um die Restwirkung der Hormone zu unterbinden, die beispielsweise noch im Fettgewebe gebildet werden.

Zu den Antihormonen gehören die WirkstoffeAbarelix, Abirateron, Anastrozol, Bicalutamid, Cyproteron, Degarelix, Exemestan, Fulvestrant, Letrozol, Tamoxifen und Toremifen. Anastrozol, Exemestan und Letrozol gehören zur Gruppe der Aromatasehemmer. Alle drei Substanzen unterscheiden sich hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkungsprofil nur unwesentlich.

Abirateron hemmt ein Enzym, das an der körpereigenen Produktion männlicher Geschlechtshormone in verschiedenen Organen beteiligt ist: in Hoden, Nebenniere und auch in den Zellen des Tumors.

Abarelix und Degarelix blockieren die Bindestellen des gonadorelinfreisetzenden Hormons (GnRH) und zählen somit zu dessen Gegenspielern (GnRH-Antagonisten, GnRH-Blocker). Sie verhindern damit die Produktion der Geschlechtshormone.

Tamoxifen, Fulvestrant und Toremifen sind Gegenspieler zum weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Bicalutamid und Cyproteron bremsen die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone (Androgene) und gelten deshalb als Antiandrogene.

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