Avastin – eine preiswerte Alternative?
Ranibizumab (Lucentis) wurde im Januar 2007 zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration zugelassen. Ein ähnlicher Wirkstoff, Bevacizumab (Avastin), war schon vorher als Arzneimittel zur Behandlung von Darm-, Lungen-, Brust- und Nierenkrebs zugelassen. Beide Substanzen sind aus dem gleichen Antikörper entwickelt worden und wirken ähnlich. Sie verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden. Bei Krebserkrankungen führt das dazu, dass die Krebszellen nicht an den Blutkreislauf angeschlossen werden und nicht mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Wenn sich bei der feuchten AMD keine neuen Blutgefäße bilden, können diese keine Schäden an der Netzhaut hervorrufen. Bevacizumab und Ranibizumab unterscheiden sich im Wesentlichen nur in ihrer Molekülgröße.
Bis Ranibizumab verfügbar war, wurde die feuchte Makuladegeneration erfolgreich mit Bevacizumab behandelt – ohne dass das Mittel dafür zugelassen war. Als dann Ranibizumab als Lucentis zugelassen wurde, zeigte sich, dass die Injektion von Bevacizumab um den Faktor 30 preiswerter ist als die von Lucentis. Allerdings: Avastin war und ist zur Behandlung der Makuladegeneration nicht zugelassen. Die geringeren Kosten, die anfallen, wenn Avastin trotz der fehlenden Zulassung für Makuladegeneration (Off-Label-Gebrauch) eingesetzt wird, verringern die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Das kann auch für die Beiträge der Versicherten vorteilhaft sein. Nachteilig ist, dass der Hersteller von Avastin nicht haftet, wenn es bei der Anwendung des Mittels im Auge zu Zwischenfällen kommt.
Im Herbst 2010 erschien die erste klinische Studie, in der die Behandlung einer feuchten Makuladegeneration mit Bevacizumab sowohl mit Pegaptanib als auch mit einer Scheinbehandlung verglichen wurde. Ihr zufolge verbessert Bevacizumab die Sehschärfe am deutlichsten. Zur Zeit werden mehrere Studien durchgeführt, in denen die therapeutische Wirksamkeit von Bevacizumab und dem bei AMD zugelassenen Ranibizumab verglichen wird. Ein erstes Studienergebnis wurde im Frühjahr 2011 veröffentlicht. Danach verbessern beide Wachstumshemmstoffe bei feuchter AMD die Sehschärfe in vergleichbarem Maß. Allerdings legen die Studienergebnisse nahe, dass bei Anwendung von Bevacizumab häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten als bei Ranibizumab. Ob das tatsächlich der Fall ist und um welche Nebenwirkungen es sich handelt, werden die noch laufenden Studien hoffentlich klären. Trotz der ermutigenden Ergebnisse zur Wirksamkeit von Bevacizumab wird weiterhin empfohlen, das Mittel nur in Zentren zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration einzusetzen und die auftretenden unerwünschten Wirkungen sorgfältig zu dokumentieren.
