01.04.2014

Konservierungsmittel

Augenarzneimittel werden keimfrei hergestellt oder sterilisiert. Sofern es sich nicht um Spezialflaschen handelt, wie sie unten beschrieben sind, gelangen beim Gebrauch unvermeidlich Keime in die Mittel und können sich dort vermehren – es sei denn, das Mittel enthält einen antibakteriellen Wirkstoff, wie zum Beispiel ein Antibiotikum. Um eine Verkeimung zumindest zu beschränken, sind wässrigen Augenzubereitungen wie Augentropfen und -gelen, die länger als 24 Stunden benutzt werden, Konservierungsmittel zugesetzt. Die Konzentration des Konservierungsmittels ist so bemessen, dass seine keimtötende Wirkung etwa vier Wochen lang gewährleistet ist. Danach sollten angebrochene Augenmittel weggeworfen werden. Um diesen Zeitraum nicht zu überschreiten, ist es hilfreich, auf der Packung zu notieren, wann sie geöffnet wurde.

Unkonservierte Augenmittel können in speziellen Flaschen abgefüllt sein, aus denen man zwar Tropfen herausdrücken kann, in die aber nichts hineingelangen kann. Sie sind sparsam und umweltschonend, weil ihre Verpackung keinen zusätzlichen Abfall darstellt. Ihre Handhabung ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert einige Kraft. Wer mit diesen Produkten nicht zurechtkommt, kann zu unkonservierten Augentropfen in Ein-Tages-Portionen greifen, die in kleinen Pipetten abgefüllt sind. Diese sollen 24 Stunden nach Anbruch weggeworfen werden. Übertriebene Sparsamkeit kann die Augengesundheit gefährden.

Konservierungsmittel können die Augen schädigen. Das gilt ganz besonders, wenn die Mittel lange Zeit und an erkrankten Augen angewendet werden. Eine Hornhaut, die bereits geschädigt ist, und Menschen mit dem Beschwerdebild des "trockenen Auges" sind gegenüber Konservierungsmitteln besonders empfindlich. Sie sollten konservierungsmittelfreie Produkte bevorzugen.

Die in Augenpräparaten eingesetzten Konservierungsmittel werden hinsichtlich ihres Wirkspektrums und Risikos für unerwünschte Wirkungen unterschiedlich beurteilt.

Ein wichtiges Kriterium ist ihre Wirksamkeit gegenüber der Bakterienart Pseudomonas aeruginosa. Dieser "Problemkeim" ist als Infektionsauslöser am Auge besonders gefürchtet, weil er sich mit den zur Verfügung stehenden Antibiotika nur schlecht bekämpfen lässt.

Was das Risiko für unerwünschte Wirkungen angeht, gilt Benzalkoniumchlorid als das problematischste Konservierungsmittel. Etwa in der Mitte rangiert Polyquad. Das derzeit verträglichste Konservierungsmittel scheint Purite zu sein. Es ist in einigen nichtverschreibungspflichtigen neuen Mitteln mit künstlicher Tränenflüssigkeit enthalten. Näheres hierzu finden Sie unter "Medikamente selbst gekauft".

Benzalkoniumchlorid

Benzalkoniumchlorid wirkt gegen die meisten Keime, die am Auge vorkommen, nicht aber gegen den "Problemkeim" Pseudomonas. Gegen Viren wirkt Benzalkoniumchlorid nur schwach.

Benzalkoniumchlorid verringert die Stabilität des Tränenfilms und kann bei langdauernder Anwendung ein trockenes Auge verursachen. Es greift die Hornhaut des Auges bis in die tieferen Zellschichten hinein an. In der Folge wird die oberste Hornhautschicht an winzigen Stellen dünner. Aus diesen Punkten kann ein Hornhautgeschwür entstehen. Wirkt Benzalkoniumchlorid dauerhaft ein, können erhebliche Hornhautschäden auftreten. Gelegentlich treten durch Benzalkoniumchlorid Allergien auf.

Wenn eine mit Benzalkoniumchlorid konservierte Tränenersatzflüssigkeit ins Auge getropft wird und einige Zeit danach Augentropfen mit einem anderen Wirkstoff, kann dieser schneller und tiefer in die Hornhaut eindringen als sonst. Auf diese Weise kann Benzalkoniumchlorid diese Substanz stärker wirken lassen, und auch ihre unerwünschten Wirkungen können verstärkt auftreten.

Mit Benzalkoniumchlorid konservierte Augentropfen sollten nicht über längere Zeit ohne augenärztliche Kontrolle angewendet werden, weil das die Augengesundheit erheblich gefährden kann.

Benzododeciniumchlorid

Dieses Konservierungsmittel wirkt ähnlich wie Benzalkoniumchlorid, und auch bei ihm besteht das Risiko, dass sich eine Allergie entwickelt. Für Hornhautschäden nach längerer Anwendung, ähnlich denen von Benzalkoniumchlorid, gibt es Hinweise in Tierversuchen.

Cetrimid

Das Wirkspektrum von Cetrimid umfasst nicht alle Bakterienarten, die am Auge bedeutsam sein können; auch gegen die speziellen "Problemkeime" am Auge richtet es nichts aus. Es ist aber effektiv gegenüber einigen Viren und hat auch eine gewisse pilztötende Wirkung.

Die unerwünschten Wirkungen von Cetrimid ähneln denen von Benzalkoniumchlorid. Zusätzlich können nach dem Eintropfen von mit Cetrimid konservierten Augentropfen Geschmacksirritationen auftreten.

Chlorobutanol

Diese Substanz wirkt gegen Bakterien und Pilze. Auch gegen die "Problemkeime" ist sie wirksam. Chlorobutanol beeinträchtigt die Hornhaut zwar auch, aber nicht so stark wie Benzalkoniumchlorid.

Polyquad

Als Polyquad wird die chemische Verbindung Polidroniumchlorid bezeichnet. Sie gehört in die gleiche Gruppe von Konservierungsmitteln wie Benzalkoniumchlorid und Cetrimid. Allerdings soll diese neue Verbindung besser verträglich sein als die älteren Vertreter. Ob das auch bei einer Anwendung über lange Zeit gilt, ist aber bisher noch nicht durch entsprechende Untersuchungen belegt.

Thiomersal

Thiomersal ist ein quecksilberhaltiges Konservierungsmittel mit bakterien- und pilztötenden Eigenschaften. Auch die "Problemkeime" bekämpft es verhältnismäßig gut.

Thiomersal ruft relativ häufig – manchmal auch erst mit Verzögerung – Augenreizungen und allergische Reaktionen hervor, die zu einer allergischen Bindehautentzündung führen können. An der Unbedenklichkeit von Thiomersal als Konservierungszusatz in Hautmitteln und Injektionslösungen gibt es seit Jahren erheblicheZweifel. Daher bemühte man sich, beispielsweise Impfstoffe thiomersalfrei herzustellen. In der Folge wurde es dann auch in Augenmitteln seltener eingesetzt.

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