15.05.2012

Übergewichtige Kinder

Von 100 Schulkindern und Jugendlichen in Deutschland sind 10 bis 20 übergewichtig, und zwar aus den gleichen Gründen wie Erwachsene: übermäßige Zufuhr von kalorien- und fettreicher Nahrung und Mangel an Bewegung. Bei diesen übergewichtigen Kindern werden nicht selten Gesundheitsstörungen diagnostiziert, die sonst vorwiegend bei Erwachsenen vorkommen: Typ-2-Diabetes, hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, Gelenkprobleme. Außerdem leiden die Kinder unter ihrem Aussehen, ihrer eingeschränkten Beweglichkeit und darunter, dass sie gehänselt und von den anderen ausgeschlossen werden. Diese Kränkungen können ihre psychosoziale Entwicklung beeinträchtigen.

Oft beginnt das Gewichtsproblem bereits im Säuglings- und Kleinkindalter. Säuglinge werden häufig überfüttert, beispielsweise weil sie jedes Mal, wenn sie schreien, eine Flasche mit hochwertiger Säuglingsfertignahrung gereicht bekommen. Die Annahme, dass das Kind Hunger hat, wenn es schreit, ist bei Weitem nicht immer richtig. Bei Kleinkindern übersehen die Eltern beim Füttern oft die Hinweise, mit denen das Kind signalisiert, dass es satt ist. Mit der Begründung "Mein Kind mag nichts anderes" geben viele Eltern ihren Kindern Lebensmittel mit geringem Nähr- und Sättigungswert, aber hohem Kaloriengehalt wie Süßigkeiten, Kuchen, zuckerhaltige Getränke und Pommes frites.

Sehr oft spiegelt das Kind aber nur die Essgewohnheiten der gesamten Familie wider: Kompakte, kalorienreiche Nahrung, so weich, dass sie kaum gekaut werden muss, wird während anderer Tätigkeiten hastig hinuntergeschlungen. Ein Anfang zur Verbesserung kann in gemeinsamen Mahlzeiten in ruhiger Atmosphäre bestehen, die unter Mithilfe der Kinder selbst zubereitet werden.

Dass ein Kind Gewichtsprobleme hat, kann bereits bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auffallen, die für Kinder vorgesehen sind. Hierbei muss der Arzt auch Größe und Gewicht beurteilen, sodass er frühzeitig auf Übergewicht aufmerksam werden kann. In jedem Fall sollten Eltern, denen auffällt, dass ihr Kind "zu dick" ist, ärztlichen Rat suchen. Ohne fachkundige Hilfe können sie nicht beurteilen, ob das Kind wirklich übergewichtig ist.

Zwar wird auch bei Kindern der BMI berechnet, doch ab wann ein Kind als übergewichtig gilt, richtet sich nach seinem Alter, seiner Körpergröße und dem Geschlecht. Die Tabellen, in denen diese Zusammenhänge dargestellt sind (Somatogramme), kann der Arzt in der Literatur nachschlagen. Sie selbst können im Internet unter www.a-g-a.de die entsprechenden Informationen einsehen.

Eltern meinen oft, der Babyspeck ihres Kindes "verwächst" sich noch. In der Tat kann es bei Kindern manchmal ausreichen, eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern, weil sie den Überschuss "aufbrauchen", während sie an Länge zulegen. Ob das tatsächlich zutrifft, muss der Arzt anhand des Gesundheitszustands und des Alters des Kindes beurteilen.

Die Behandlung von übergewichtigen Kindern besteht darin, Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zu verändern. Arzneimittel werden nicht eingesetzt. Stattdessen sind ausführliche Beratungen und Anleitungen notwendig, die die gesamte Familie einbeziehen. Wenn Eltern und Geschwister gemeinsam mit dem übergewichtigen Kind zu einem neuen Lebensstil finden, wird ein dauerhafter Erfolg wahrscheinlicher.

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