Ursachen
Bei Frauen
Unkomplizierte Harnweginfekte bei Frauen sind fast immer durch Bakterien aus dem Darm verursacht. Da die Ausgänge von Darm, Scheide und Harnröhre dicht beieinander liegen, gelangen die Keime zum Beispiel bei der Toilettenhygiene leicht vom Darm über die Harnröhre in die Blase. Dass die Harnröhre bei Frauen relativ kurz ist, begünstigt die Ausbreitung der Bakterien. Wenn Frauen sehr wenig trinken und ihre Blase dementsprechend selten entleeren, kann das die Entstehung eines Harnweginfekts begünstigen. Je länger der Urin in der Blase steht, desto mehr Zeit haben die Bakterien, sich darin zu vermehren.
Eine Reihe von Faktoren erhöht bei Frauen das Risiko für einen Harnweginfekt. Beim Geschlechtsverkehr können Keime leicht in die Harnröhre gelangen. Spermientötende Mittel zur Empfängnisverhütung können die Schleimhaut reizen, sodass Infektionen leichter Fuß fassen können. Bei Frauen nach den Wechseljahren kann sich durch die verringerte Östrogenwirkung die Schleimhaut im Genitalbereich so verändern, dass Harnweginfektionen begünstigt werden.
Zwei bis vier Wochen nach der Einnahme von Antibiotika kann das Risiko für Harnweginfekte ebenfalls erhöht sein. Der Grund liegt möglicherweise darin, dass die Mittel die Scheidenflora verändern und sich Krankheitskeime dann leichter ausbreiten können.
Beschwerden beim Wasserlassen können – wenn auch selten – auf einer Entzündung des Muttermunds und/oder der Harnröhre mit Chlamydien beruhen. Diese Bakterien können mit einer speziellen Untersuchung des Harns (Nukleinsäurenachweis) nachgewiesen werden. Näheres zur Behandlung einer solchen Infektion lesen Sie unter "Medikamente vom Arzt".
Bei Männern
Bei ihnen kommen als Erreger neben Darmbakterien verschiedene andere Bakterienarten infrage. Sie alle steigen von der Harnröhrenöffnung bis in die Blase auf. Der keimhaltige Urin in der Blase kann zu einer Infektion der Nieren führen.
Bei Kindern
Wiederkehrende Harnweginfektionen haben bei Kindern – Mädchen wie Jungen – ihren Grund oft in anatomischen Besonderheiten. Am häufigsten kommt eine Fehlbildung (vesiko-ureteraler Reflux) vor, bei der beim Wasserlassen durch den Druck in der Blase Urin nach "oben" in die Harnleiter und in das Nierenbecken gepresst wird.
Da Mädchen ohnehin eine kurze Harnröhre haben, können Keime sehr leicht in die Blase gelangen.
Zudem können auch schon im Säuglingsalter Nierensteine die Ursache eines Harnweginfekts sein.
Reizblase
Bei einer Reizblase findet sich kein Anhaltspunkt für eine Infektion. Als Erklärung für dieses Phänomen gibt es bislang nur Vermutungen: psychische Faktoren, schwache Entzündungen mit schlecht nachweisbaren Keimen, eine Fehlfunktion der Beckenbodenmuskulatur.
