01.08.2014

Konservierungsmittel

Augenarzneimittel werden keimfrei hergestellt oder sterilisiert. Wenn es sich nicht um Spezialflaschen handelt, wie sie unten beschrieben sind, gelangen beim Gebrauch unvermeidlich Keime in die Mittel und können sich dort vermehren. Um eine Verkeimung zumindest zu beschränken, sind wässrigen Augenzubereitungen wie Augentropfen und -gelen, die länger als 24 Stunden benutzt werden, Konservierungsmittel zugesetzt. Die Konzentration des Konservierungsmittels ist so bemessen, dass seine keimtötende Wirkung etwa vier Wochen lang gewährleistet ist. Danach sollten angebrochene Augenmittel weggeworfen werden. Um diesen Zeitraum nicht zu überschreiten, ist es hilfreich, auf der Packung das Datum zu notieren, wann sie geöffnet wurde.

Unkonservierte Augenmittel können in speziellen Flaschen abgefüllt sein, aus denen man zwar Tropfen herausdrücken kann, in die aber nichts hineingelangen kann. Sie sind sparsam und umweltschonend, weil ihre Verpackung keinen zusätzlichen Abfall darstellt. Ihre Handhabung ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert einige Kraft. Wer mit diesen Produkten nicht zurechtkommt, kann zu unkonservierten Augentropfen in Ein-Tages-Portionen greifen, die in kleinen Pipetten abgefüllt sind. Diese sollen 24 Stunden nach Anbruch weggeworfen werden. Übertriebene Sparsamkeit kann die Augengesundheit gefährden.

Diese Ein-Dosis-Behältnisse sollten Sie in der Verpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Die in Augenpräparaten eingesetzten Konservierungsmittel werden hinsichtlich ihres Wirkspektrums und Risikos für unerwünschte Wirkungen unterschiedlich beurteilt.

Ein wichtiges Kriterium ist ihre Wirksamkeit gegenüber der Bakterienart Pseudomonas aeruginosa. Dieser "Problemkeim" ist als Infektionsauslöser am Auge besonders gefürchtet, weil er sich mit den zur Verfügung stehenden Antibiotika nur schlecht bekämpfen lässt.

Benzalkoniumchlorid

Benzalkoniumchlorid wirkt gegen die meisten Keime, die am Auge vorkommen, nicht aber gegen den "Problemkeim" Pseudomonas. Gegen Viren wirkt Benzalkoniumchlorid nur schwach.

Benzalkoniumchlorid verringert die Stabilität des Tränenfilms und kann bei langdauernder Anwendung ein trockenes Auge verursachen. Es greift die Hornhaut des Auges bis in die tieferen Zellschichten hinein an. In der Folge wird die oberste Hornhautschicht an winzigen Stellen dünner. Aus diesen Punkten kann ein Hornhautgeschwür entstehen. Wirkt Benzalkoniumchlorid dauerhaft ein, können erhebliche Hornhautschäden auftreten. Gelegentlich treten durch Benzalkoniumchlorid Allergien auf.

Wenn eine mit Benzalkoniumchlorid konservierte Tränenersatzflüssigkeit ins Auge getropft wird und einige Zeit danach Augentropfen mit einem anderen Wirkstoff, kann dieser schneller und tiefer in die Hornhaut eindringen als sonst. Auf diese Weise kann Benzalkoniumchlorid diese Substanz stärker wirken lassen und auch ihre unerwünschten Wirkungen können verstärkt auftreten.

Mit Benzalkoniumchlorid konservierte Augentropfen sollten nicht über längere Zeit ohne augenärztliche Kontrolle angewendet werden, weil das die Augengesundheit erheblich gefährden kann.

Benzododeciniumchlorid

Dieses Konservierungsmittel wirkt ähnlich wie Benzalkoniumchlorid. Untersuchungen erbrachten Hinweise, dass es auch ähnlich schädliche Wirkungen haben kann.

Cetrimid

Das Wirkspektrum von Cetrimid umfasst nicht alle Bakterienarten, die am Auge bedeutsam sein können; auch gegen die speziellen "Problemkeime" am Auge richtet es nichts aus. Es ist aber effektiv gegenüber einigen Viren und hat auch eine gewisse pilztötende Wirkung.

Die unerwünschten Wirkungen von Cetrimid ähneln denen von Benzalkoniumchlorid. Zusätzlich können nach dem Eintropfen von mit Cetrimid konservierten Augentropfen Geschmacksirritationen auftreten.

Chlorhexidin

In Form der Salze Chlorhexidin-diazetat und Chlorhexidinglukonat wird dieses Konservierungsmittel in Augentropfen eingesetzt. Es wirkt gegen die meisten am Auge relevanten Bakterien, jedoch nur schwach gegen die "Problemkeime". Es hemmt die Vermehrung von einigen Virus- und Pilzarten.

Chlorhexidin kann zu allergischen Reaktionen führen.

Chlorobutanol

Diese Substanz wirkt gegen Bakterien und Pilze. Auch gegen die "Problemkeime" ist sie wirksam. Chlorobutanol beeinträchtigt die Hornhaut zwar auch, aber nicht so stark wie Benzalkoniumchlorid.

Natrium-hydroxymethylglycinat

Diese Substanz wirkt nicht selbst als Konservierungsmittel. Vielmehr zersetzt sie sich und dabei entsteht unter anderem eine geringe Menge Formaldehyd. Dieses ist das eigentliche Konservierungsmittel. Formaldehyd wird allerdings als nervenschädigend und giftig angesehen. Es kann Allergien auslösen und in hoher Konzentration auch den Sehnerv schädigen.

Natriumperborat und Phosphonsäure

Aus diesen beiden Substanzen entsteht unter anderem eine geringe Menge Wasserstoffperoxid. Dieses ist gegen Bakterien wirksam. Wasserstoffperoxid zerfällt beim Kontakt mit der Augenoberfläche innerhalb einer Minute in Sauerstoff und Wasser. Gerade bei sehr trockenen Augen ist es allerdings denkbar, dass die Substanz nicht komplett zersetzt wird, weil das dazu nötige Wasser nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. Zurückbleibendes, nicht vollständig zersetztes Wasserstoffperoxid kann die Augen reizen.

Phenoxyethanol

Phenoxyethanol ist als Konservierungsmittel gut wirksam. Um alle infrage kommenden Bakterien abzutöten, ist allerdings eine relativ starke Konzentration vonnöten. Gegen Hefen und Pilze wirkt es nur schwach.

Phenylmerkuriazetat

Diese organische Quecksilberverbindung wirkt gegen Bakterien und Pilze.

Phenylquecksilberverbindungen können allergische Reaktionen hervorrufen. Wenn sie lange Zeit auf die Augen einwirken, können Hornhautschäden auftreten. Außerdem kann die Substanz so weit ins Augeninnere eindringen, dass sie sich in der Augenlinse ablagert und diese bräunlich verfärbt. Dieses ist zwar harmlos und stört nicht die Sicht, bildet sich aber nicht wieder zurück.

Mit Phenylmerkuriazetat konservierte Augentropfen sollten nicht über längere Zeit ohne augenärztliche Kontrolle angewendet werden, weil das die Augengesundheit erheblich gefährden kann.

Polyhexanid

Hierbei handelt es sich um ein neuartiges Konservierungsmittel, das vom Augengewebe gut vertragen werden soll.

Polyquad

Als Polyquad wird die chemische Verbindung Polidroniumchlorid bezeichnet. Sie gehört in die gleiche Gruppe von Konservierungsmitteln wie Benzalkoniumchlorid und Cetrimid. Allerdings soll diese neue Verbindung besser verträglich sein als die älteren Vertreter. Ob das auch bei einer Anwendung über lange Zeit gilt, ist aber bisher noch nicht durch entsprechende Untersuchungen belegt. Vergleicht man die Verträglichkeit von Polyquad mit der anderer Konservierungsmittel, nimmt es eine Mittelstellung ein. Benzalkoniumchlorid gilt als das problematischste Konservierungsmittel, Purite scheint das derzeit verträglichste zu sein.

Purite

Als Purite wird die chemische Verbindung Natriumchlorit bezeichnet. Dieses Konservierungsmittel zerfällt bei Tageslicht in Wasser und Kochsalz. Wie schnell das geschieht, ist nicht klar. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass Purite weniger zellschädigend ist als die sonst gebräuchlichen Konservierungsmittel und seltener Augenreizungen und Allergien verursacht. Dafür ist seine konservierende Wirkung nicht so gut wie die von Benzalkoniumchlorid. Wie sich Purite bei Dauergebrauch auswirkt, ist noch unklar. Die Frage aber, ob unerwünschte Wirkungen aufgrund der Konservierung sicher auszuschließen sind, ist mit den bisherigen Untersuchungsergebnissen nicht zu beantworten. So kann es sein, dass Purite bei Menschen mit sehr ausgeprägt trockenen Augen nicht komplett zerfällt, weil ihr Tränenfilm dafür nicht genügend Wasser enthält. Dann ist mit Augenreizungen zu rechnen.

Thiomersal

Thiomersal ist ein quecksilberhaltiges Konservierungsmittel mit bakterien- und pilztötenden Eigenschaften. Auch die "Problemkeime" bekämpft es relativ gut.

Doch es ruft relativ häufig – manchmal auch erst mit Verzögerung – Augenreizung und allergische Reaktionen hervor, die zu einer allergischen Bindehautentzündung führen können. An der Unbedenklichkeit von Thiomersal als Konservierungszusatz in Hautmitteln oder Injektionslösungen gibt es erhebliche Zweifel. Daher bemühte man sich, beispielsweise Impfstoffe thiomersalfrei herzustellen. In der Folge wurde es dann auch in Augenmitteln seltener eingesetzt.

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