21.05.2013

Behandlung von Kindern

Für viele Arzneimittel fehlen klinisch-pharmakologische Daten für die Anwendung bei Kindern. Sie bekommen also vielfach Medikamente, ohne dass ihr Einsatz bei dieser Altersgruppe geprüft und dafür zugelassen wurde (Off-label-use). Auch die Dosierungsangaben beruhen oft auf Erfahrung und nicht auf Prüfergebnissen.

Dieser Missstand ändert sich nur langsam. Seit Januar 2007 verpflichtet eine EU-Verordnung die pharmazeutischen Hersteller zu klinischen Prüfungen an Kindern, wenn ein neuer Wirkstoff für die Kinderheilkunde medizinisch notwendig ist. Wird für bereits zugelassene Wirkstoffe eine Erweiterung der Anwendungsgebiete beantragt, muss der Hersteller Untersuchungen an Kindern nachreichen. Von dieser Regelung sind lediglich Wirkstoffe ausgenommen, die bei Kindern ohnehin nicht eingesetzt werden. Legen die Firmen entsprechende Studiendaten vor, verlängert sich der Patentschutz für diese Wirkstoffe um ein halbes Jahr. Bis Anfang 2013 waren etwa 250 Mittel speziell für Kinder zugelassen.

Auch für nicht mehr patentgeschützte Wirkstoffe hat die EU Anreize geschaffen, um die Datenlage für die Anwendung bei Kindern zu verbessern. Legt ein Hersteller für einen solchen Wirkstoff Studiendaten an Kindern vor, die zur Zulassung führen, darf er sein Mittel als "für die pädiatrische Verwendung zugelassen" kennzeichnen und mit einem hochgestellten "P" von namensgleichen Produkten abgrenzen. Außerdem erhält er ein zehnjähriges exklusives Vermarktungsrecht für die Anwendung bei Kindern. In dieser Zeit dürfen andere Hersteller Präparate mit dem gleichen Wirkstoff nicht für die Anwendung bei Kindern anbieten.

Medikamente sollten für Kinder gemäß den Angaben in diesem Buch oder der Packungsbeilage dosiert werden. Es ist nicht sinnvoll, die Erwachsenendosis "irgendwie" für Kinder umzurechnen. Arzneimittel können bei Kindern nämlich nicht nur stärker, sondern grundsätzlich anders wirken als bei Erwachsenen.

Für die Dosierung spielt es unter anderem eine Rolle, wie viel Wasser der Körper enthält und ob es sich vornehmlich innerhalb oder außerhalb der Zellen befindet. Bei Neugeborenen befindet sich etwa die Hälfte des Körperwassers außerhalb der Zellen, bei Erwachsenen ist es rund ein Drittel. Dementsprechend müssen Arzneimittel, die sich im Flüssigkeitsraum verteilen, bei Kindern höher dosiert werden als bei Erwachsenen. Genau umgekehrt verhält es sich mit Arzneistoffen, die sich im Fettgewebe verteilen.

Viele Kinder tun sich schwer, Tabletten zu schlucken. Werden die Tabletten jedoch zerrieben, zerkleinert oder aufgelöst, damit das Kind sie besser einnehmen kann, verändert sich unter Umständen ihre Wirksamkeit. Teilen Sie die Tabletten, um dem Kind eine geringere Dosis geben zu können, ist nicht garantiert, dass der Wirkstoff gleichmäßig auf die Bruchstücke aufgeteilt ist. Nähere Erläuterungen hierzu lesen Sie unter Tabletten teilen. Säfte und Tropfen lassen sich besser dosieren und Kinder können sie besser einnehmen.

In Deutschland gibt man Kindern Arzneimittel gern als Zäpfchen. Aus diesen wird der Wirkstoff aber oft nur unzuverlässig in den Körper aufgenommen, sodass sich schlecht abschätzen lässt, wie viel tatsächlich für eine Wirkung zur Verfügung steht.

Auf Mittel, die Alkohol enthalten, wird speziell hingewiesen, damit Sie auf andere Zubereitungsformen ausweichen können. Die geringe Alkoholmenge, die sich bei bestimmungsgemäßem Gebrauch solcher Medikamente im Blut findet, schadet Kindern zwar nicht, es ist aber nicht wünschenswert, dass sie sich mit der Einnahme solcher Arzneimittel an den Geschmack von Alkohol gewöhnen.

Bei der Selbstbehandlung von Kindern sollten Sie besonders zurückhaltend und vorsichtig sein. Ein als „geeignet“ bewertetes Medikament kann – richtig dosiert – die Zeit bis zur ärztlichen Therapie überbrücken. Für eine länger dauernde Behandlung und in Zweifelsfällen sollten Sie sich jedoch lieber an den Arzt wenden.

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