04.04.2012
Hinweise für ältere Menschen
Bei der Arzneimitteltherapie älterer Menschen ist unter Umständen mehr zu bedenken als bei der Erwachsener mittleren Alters. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Aktivität des Stoffwechsels und die Leistung von Organen wie Leber und Nieren. Das wirkt sich auch auf die Verarbeitung von Arzneistoffen aus. Sie werden langsamer abgebaut und ausgeschieden. Die Organe, auf die die Arzneiwirkungen zielen, werden dagegen empfindlicher. Diese Kombination kann dazu führen, dass Arzneimittel stärker und länger wirken und dass sie mehr und stärkere unerwünschte Wirkungen auslösen können. Wie ausgeprägt das beim Einzelnen ist, lässt sich nicht sagen, denn das "biologische Alter" der Organe und Funktionen kann von dem Alter, das die Geburtsurkunde ausweist, abweichen.
Zudem haben viele ältere Menschen mehrere Gesundheitsprobleme, die dann mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Diese Arzneimittel können sich gegenseitig beeinflussen. Im Ergebnis erleiden ältere Menschen mehr unerwünschte Arzneimittelereignisse als jüngere. Besonders hoch ist das Risiko für Menschen, die in einem Pflegeheim leben.
Um die Arzneimitteltherapie älterer Menschen sicherer zu machen, haben Arzneimittelexperten in Deutschland im Jahr 2010 die "Priscus-Liste" veröffentlicht. In ihr sind für derzeit 84 Arzneistoffe die wesentlichen Bedenken genannt, die bei Anwendung bei älteren Menschen bestehen. Darüber hinaus sind mögliche Alternativen aufgelistet und es werden Maßnahmen aufgeführt, die die Anwendung sicherer machen sollen, wenn das jeweilige Arzneimittel doch verwendet wird. Die Auswahl der Arzneistoffe basiert auf einer Literaturrecherche. Deren Belege wurden dann in einem methodisch festgelegten Prozess von einer Reihe von Experten beurteilt und um ihre Erfahrungen ergänzt. Anders als bei der Bewertung der Wirksamkeit von Medikamenten beruht die Beurteilung der Wirkstoffe der Priscus-Liste also weniger auf Studien; sie ist viel mehr von der subjektiven Einschätzung und Erfahrung der Experten geprägt.
Die Aussagen in der Rubrik "Für ältere Menschen" sind mit den Angaben der Priscus-Liste abgeglichen und vervollständigt. Sie weisen darauf hin, wenn ein Wirkstoff bei älteren Menschen besser gar nicht angewendet oder bei bestimmten Begleiterkrankungen vermieden werden sollte oder wenn die gleichzeitige Anwendung mit bestimmten anderen Medikamenten unterbleiben sollte. Eventuell ist auch eine gegenüber jüngeren Personen abweichende Dosierung angegeben. Möglicherweise wird zu häufigeren Kontrolluntersuchungen durch den Arzt geraten.
Auf einen anderen Wirkstoff anstelle des Besprochenen wird allerdings nur dann hingewiesen, wenn Medikamente im Test einen als "geeignet" bewerteten aufführt. Dieses Arzneimittel muss zudem in genau dem gleichen Anwendungsgebiet eingesetzt werden wie das kritisch Beurteilte.
Bei vielen älteren Personen müssen Arzneimittel geringer dosiert werden. Der Grund ist, dass die meisten Arzneistoffe vornehmlich in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden werden. Bei etwa einem Drittel bis der Hälfte der Menschen über 60 Jahre arbeiten Leber und Nieren jedoch nur noch eingeschränkt. Wenn außerdem noch Herz- oder Kreislauferkrankungen vorliegen, ist besondere Vorsicht geboten.
