Spielzeug für Kleinkinder: Ein hässliches Entlein
Bergen Kuscheltiere, Quietscheenten oder Plastikrasseln Gefahren für die Kleinen? test hat rund 50 Spielzeuge geprüft. Nur eins bekam für die Sicherheit ein „Mangelhaft“. Siebenmal fanden wir deutliche Mengen Schadstoffe.
Dass ein harmloses Spiel im Kinderzimmer mit dem Tod des Kindes endet, ist eine Horrorvorstellung für Eltern. Glücklicherweise passiert so etwas sehr selten – erregt dann großes Aufsehen und führt zu Rückrufaktionen der Hersteller. So geschehen vor drei Jahren: Ikea zog damals die Holzpyramide „Mula“ aus dem Verkehr. Obwohl das Spielzeug den Sicherheitsanforderungen der Europäischen Union entsprach, kam es zu einem tödlichen Unfall. Ein fünfjähriger Junge hatte eine Kugel, die sich auf der Spitze der Steckpyramide befand, in den Mund genommen. Sie blieb im Rachen stecken, was seine Atemwege blockierte.
Wir wollten wissen, wie sicher die Spielzeuge sind, die Eltern für ihre Kleinen kaufen können. Dafür haben wir uns in Spielzeuggeschäften, Kauf- und Einrichtungshäusern und Geschenkartikelläden umgesehen. Wir haben solche Spielzeuge ausgesucht, die Eltern für kleine Kinder kaufen würden: Kuscheltiere und Schmusepuppen, Rasseln und Beißringe, Holzautos und -eisenbahnen sowie Badetiere – und zwar billige wie eher teure. Wir kauften manchmal auch Spielzeuge, die laut Hersteller nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet waren. In diesen Fällen war der Hinweis aber zum Teil klein geschrieben oder überklebt, und es waren eigentlich typische Spielzeuge für Kleinkinder, wie zum Beispiel Kuschelpuppen, Badetiere oder Holzfiguren.
Ganz schön malträtiert
Im Prüflabor haben wir die diversen Diddl-Mäuse, Teletubbies, Schnuppermäusle und Disney-Plüschtierchen ganz schön gequält. Zum Beispiel wurden sie in eine Apparatur geklemmt und von unten mit einem Ziehhaken gezogen. Denn Babys und Kleinkinder können viel Kraft entwickeln, um etwas von einem Spielzeug abzubeißen oder abzureißen. Solche Kräfte wollten wir simulieren. Und Kinder werfen ihre Spielzeuge gern durchs Zimmer. Wir ließen sie aus einer Höhe von 85 Zentimetern auf eine Stahlplatte fallen. In einem weiteren Test lag das Spielzeug auf einer Platte und musste einem Gewicht standhalten, das von oben herabfiel.
Fast alle Spielzeuge überstanden diese Tortur, ohne aufzuplatzen oder zu reißen und ohne dass sich scharfe Kanten oder Spitzen bildeten oder verschluckbare Kleinteile ablösten. Deshalb ziehen wir aus unserem Test ein für Eltern beruhigendes Resümee: Spielzeug ist in der Regel keine Gefahr für die Kleinen.
Vorsicht, verschluckbar!
Nur ein Spielzeug stellte sich als gefährlich heraus: Die Spiel & Spaß Nachziehente von Luxor verlor in der Fall- und Zugprüfung ein Rad, das eine kleine, verschluckbare Stahlkugel enthielt. Sicherheit: „mangelhaft“. Im Test haben wir auch geprüft, ob etwas größere Kugeln abfallen können. Die waren nach der europäischen Norm bisher erlaubt. Doch der Unfall mit der Ikea-Holzpyramide hatte gezeigt, dass auch größere Kugeln gefährlich werden können. Deshalb wird die Norm nun überarbeitet. Alle Spielzeuge außer der Nachziehente von Luxor bestanden ohne Probleme.
Ein kleineres Problem offenbarte sich durch die Zugprüfung: Das Tierbaby „Magomora“ war danach schlimm zugerichtet. Der Kopf hing schief, weil eine Naht aufgerissen war. Das ist für die Kleinen traurig, aber nicht gefährlich, deshalb gab es für das Tierbaby in der Sicherheit noch ein „Befriedigend“.
Wir haben auch ein Holztier geprüft, das eigentlich kein Spielzeug ist, aber mit seinem lustigen Gesicht so aussieht. Neben Puppen und Kuscheltieren fanden wir es in einem Geschenkartikelladen. Der Anbieter teilte uns nach dem Test mit, dass es sich um ein Massagegerät mit dem Namen „Willi“ handelt. So war es aber nicht gekennzeichnet. Im Test verlor es ein Kugelfüßchen, das Kleinkinder verschlucken könnten. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder nicht mit solchen Gegenständen spielen.
Teil des Sicherheitschecks war auch, ob die batteriebetriebenen Spielzeuge Bean Bag Wurftier, Moorhuhn, Crigolos Löwe und VTech Lörni Plüschi-Fon den Kleinen gefährlich werden könnten. Ergebnis: Das Batteriefach war in allen Fällen ausreichend gesichert.
Ente trägt Zeichen zu Unrecht
Auf der „mangelhaften“ Nachziehente war wie auf vielen anderen Spielzeugen nicht kenntlich gemacht, für welches Alter sie geeignet ist. Nach der europäischen Spielzeugnorm hätte zumindest ein Warnhinweis („für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet“) darauf vermerkt sein müssen. Stattdessen trägt die Ente das CE-Zeichen. Es soll eigentlich aussagen, dass das Spielzeug den europäischen Sicherheitsanforderungen entspricht. Doch der Test zeigt: Die Ente trägt das Zeichen zu Unrecht. Andererseits fällt auf: Einige Hersteller schließen mit ihren Hinweisen ganz kleine Kinder ohne Grund aus. Viele dieser Spielzeuge bestanden den Test.
Angaben zum Herkunftsland fehlten fast auf jedem dritten Spielzeug. Fast jedes zweite getestete Spielzeug stammte aus China. Laut den Anbieterangaben wurden nur sieben in Deutschland hergestellt. Auf das Testergebnis hatte die Herkunft aber keinen Einfluss. Bei der Luxor-Nachziehente wurde kein Land angegeben, und Schadstoffe fanden wir sowohl in Spielzeugen aus China als auch aus Deutschland.
Sieben mit Schadstoffen
Weil Babys und Kleinkinder oft an Spielzeugen nuckeln oder kauen, sollten diese keine Schadstoffe enthalten. Wir haben auf Schadstoffe analysiert, und zwar auf Formaldehyd, Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol, giftige Schwermetalle, aromatische Amine aus Azofarbstoffen, Kohlenwasserstoffe, Flammschutzmittel und Weichmacher (Phthalate).
In sieben Spielzeugen wiesen wir deutliche Mengen Schadstoffe nach. Dabei handelte es sich zum Beispiel um Formaldehyd, ein Stoff, der als Binde- oder Konservierungsmittel eingesetzt wird und unter Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Wir fanden auch Phthalate, die als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt werden. Es gibt Hinweise aus Tierversuchen, dass einige der Substanzen wie Hormone wirken können. Manche aliphatischen Kohlenwasserstoffe können in hohen Konzentrationen, etwa in der Raumluft, Übelkeit hervorrufen. Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol oder Lindan wurden nicht nachgewiesen. Schwermetalle fanden wir, wenn überhaupt, nur in ganz geringen Mengen.
In den niedlichen Quietscheenten aus dem „Happy Baby Bade-Enten-Set“ fanden wir ein Krebs erzeugendes Amin. Farbstoffe, die solche Amine abgeben, dürfen in Deutschland nicht verwendet werden. Sie können aber durch Importe zu uns gelangen, wie der Test zeigt. Das Entenset wurde in China produziert.
Im Fall der Phthalat-Weichmacher wurden die Grenzwerte überschritten. Seit dem Jahr 2000 schreibt eine Verordnung in Deutschland einen Maximalgehalt von 0,1 Prozent für Weichmacher aus Phthalaten in Kunststoffspielzeug für Kleinkinder vor. Die Spielzeuge, die hier negativ auffielen, enthielten Kunststoffe aus chlorhaltigem Material wie PVC.
Positiv: Die gefundenen Schadstoffkonzentrationen waren in keinem Fall so hoch, dass von den Spielzeugen unmittelbare Gefahren ausgingen. Allerdings halten wir sie trotzdem nicht für unbedenklich. Gerade weil es sich um Spielzeug für Kleinkinder handelt, sollte das Vorsorgeprinzip besonders gelten. Am besten ist es, wenn Spielzeug gar keine Schadstoffe enthält. Denn die Langzeitwirkungen vieler Substanzen sind noch nicht bis ins Letzte erforscht. Und Kinder nehmen ja auch aus anderen Quellen, etwa der Nahrung, Schadstoffe auf. Da ist es auf jeden Fall besser, wenn Eltern sie wenigstens beim Spielzeug ihrer Kinder ausschließen können.
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