Fahrradkindersitze: So fährt Ihr Kind sicher

Fahrradkindersitze Test

test 04/2007

Sobald der Sprössling richtig sitzen kann, darf er mit aufs Fahrrad der Eltern: Am besten in einem sicheren und bequemen Kindersitz.

Fahrradkindersitze

Vor dem Fahrer, mit freier Sicht, dabei immer im Blick und gut geschützt durch Brust und Arme von Mama oder Papa: So wünschen es sich die meisten Eltern, wenn sie ihre kleinen Kinder auf dem Fahrrad mitnehmen. „Völlig falsch“, sagen andere und empfehlen unbedingt, den Fahrradkindersitz hinter dem Fahrer zu montieren. Dort ist das Kind weitgehend vor dem Fahrtwind geschützt und sitzt in einer großen komfortablen Schale mit ausreichend hoher Rückenlehne. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, beide haben wir geprüft. Beurteilt wurden Fahrverhalten, Handhabung, Sicherheit und Eignung für das Kind, außerdem wurden die Haltbarkeit geprüft und die Schadstoffe ermittelt.

Soll das Kind vorn oder hinten sitzen?

Fahrradkindersitze Test
Die kleinen Mitfahrer immer mit einem Fahrradhelm schützen.

Sitze für vorn sind nur für Kinder bis zu 15 Kilogramm geeignet. Bei ihnen ist vorteilhaft, dass sich die Vordersitze wegen des günstigen Schwerpunkts auf die Fahrstabilität kaum auswirken – allerdings erfordern sie vom Fahrer eine etwas unkomfortable, breitbeinige Sitzhaltung.

Kinder, die mehr als 15 Kilogramm wiegen, müssen nach hinten umziehen. Die bis zu 22 Kilogramm tragenden hinteren Sitze federn meist an den langen Befestigungsbügeln freischwebend über dem Gepäckträger. Ihr Nachteil: Auch bei weniger lebhaften Sprösslingen können sich die Sitze abhängig von den Fahrbewegungen und dem Straßenzustand kräftig aufschaukeln. Besonders bei Rahmen mit tiefem Durchstieg (Damenräder) wirken sich die unerwünschten Pendelbewegungen deutlich auf das Fahrverhalten aus. Die Nutzung der „Schlafpo­sition“ von Rückenlehne oder Sitzschale, zum Beispiel beim Hamax Siesta, verstärkt die Pendelneigung des Fahrrads zusätzlich.

Sicherer im Anhänger

Fahrradkindersitze Test
Pletscher bietet einen Kindersitz mit Adapter und Sicherungsgurt für den Gepäckträger.

Es erfordert Übung und Konzentration, sich mit einem so beladenen Fahrrad im Stadtverkehr sicher zu bewegen. Das gilt aber erst recht, wenn vorn und hinten gleichzeitig Kinder mitfahren. Auch wenn es technisch möglich und nicht ausdrücklich verboten ist, halten wir spezielle Fahrradanhänger für die bessere und, wie das AZT Allianz Zentrum für Technik in Crashtests herausfand, bei Unfällen auch die deutlich sicherere Lösung.

Ihr Fahrrad ist schon alt? Kein Problem, denn die Chancen sind gut, dass sich der Kindersitz daran ordentlich befestigen lässt. Ein klassisches Holland-, Touren- oder Sportrad bietet vorn wie hinten meist gute Voraussetzungen zur Montage der Kindersitzhalterungen. Die modernen Zweiräder beim Fahrradhändler lassen junge Eltern dagegen leicht resignieren. Spezielle Rahmengeometrien, wie die Y-Form, Rahmen mit gefedertem Hinterrad oder Alurahmen mit dicken, großen Rohren, die oft nicht einmal rund sind, erschweren es, einen Kindersitz anzubringen, oder verhindern es sogar.

Tipp

Fahrradkindersitze Test
Hier erschwert der Verlauf des Bowdenzugs der Bremse die Montage des Halteblocks.

Nehmen Sie das Fahrrad mit, wenn Sie einen Kindersitz kaufen wollen. Der Fachmann kann am besten einschätzen, welcher Sitz sich problemlos an Ihrem Rad montieren lässt. Einige Kindersitzhersteller haben Spezialhalter im Sortiment, die auch bei ungewöhnlichen Rahmen die Befestigung ermöglichen sollen. Eventuell muss die Fahrradwerkstatt auch weitere Umbauten am Rad vornehmen, wenn zum Beispiel Bowdenzüge im Bereich der Kindersitzhalterung verlaufen, die verlegt werden müssen. Mitunter sind auch noch weitere Modifikationen zweckmä­ßig, um die Eignung des Fahrrads für einen Kindersitz zu verbessern:

1. Zweibeinständer: Ein Zweibeinständer bietet mehr Kippsicherheit für das abgestellte Rad. Trotzdem das Rad nicht parken, wenn sich ein Kind im Sitz befindet.

2. Lenkerform: Wenn ein Kindersitz vorn montiert ist, schränken spezielle, offene Lenkerformen den Wendekreis des Rades weniger ein.

3. Sattelfedern: Offene Sattelfedern müssen mit einem Fingerklemmschutz umhüllt werden. Alternativ bietet sich der Austausch des Sattels gegen einen mit Elastomerfederung an.

4. Gepäckträger: Stützt sich der Kindersitz auf dem Gepäckträger ab (siehe Foto oben), muss er eine Tragfähigkeit von 25 Kilogramm haben und durch einen Sicherungsgurt mit dem Fahrradrahmen verbunden sein.

5. Halteblock: Soll der Kindersitz wechselweise an zwei Fahrrädern verwendet werden, muss ein zweiter Halteblock für den Kindersitz beschafft und montiert werden (Preise siehe Tabelle „Fahrradkindersitze“).

Der Pletscher-Kindersitz braucht als einziges Fabrikat im Test keinen Halteblock am Rahmen, da ihn eine gefederte Adapterplatte fest mit dem Gepäckträger verbindet. Freilich muss das ein passender Träger aus dem Pletscher-Sortiment sein, der auch über eine ausreichend hohe Tragfähigkeit verfügt und je nach Modell zwischen 35 und 49 Euro kostet. Mit der separat erhältlichen Adapterplatte (39 bis 49 Euro) lassen sich auch andere Kindersitze von Römer und Polisport darauf befestigen.

Eine weitere Besonderheit fanden wir beim Bobike mini+. Im Unterschied zu den anderen beiden vorn zu montierenden Sitzen wird sein Halter nicht am Steuerrohr des Rahmens angeschraubt, sondern am Lenkerschaft. Das Kind sitzt dadurch aber so hoch, dass die Knie gegen den Lenker stoßen können, auch wenn der Sitz „mitlenkt“. Das verleitet dazu, den Lenkerschaft weiter herauszuziehen, sodass eine zu geringe Einstecktiefe im Steuerrohr verbleibt. Mögliche Folge: Der Lenker kann bei Belastung abknicken oder herausrutschen. Die bei modernen Rädern üblichen Lenkerschäfte aus Aluminium sind für derartige Belastungen ohnehin nicht ausge­legt. Inzwischen bietet Bobike für den Kindersitz mini+ auch einen Halter an, der sich auf dem Oberrohr des Rahmens abstützt.

Welcher Kindersitz sich am besten für Ihr Rad eignet, kann Ihnen der Fahrradhändler zeigen. Sehen Sie sich neben den beiden mit „gut“ bewerteten Jockeys von Römer ruhig auch die Modelle an, die „gut“ nur knapp verpasst haben. Und lassen Sie Ihr Kind auch Probe sitzen. Dann zeigt sich, ob die Sitzschale bequem ist und die Fußrasten in ausreichendem Maße verstellbar sind.

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