Wandfarben: Weißmacher
66 weiße Dispersionsfarben für Innenräume mussten in diesem Test Farbe bekennen. Die meisten sind gut. Ein Streichergebnis, das sich sehen lassen kann.
Deutschland – ein großes Streichorchester: Jeder Haushalt verstrich im vergangenen Jahr acht Liter Farbe in seinen vier Wänden, rein statistisch gesehen. Am liebsten tünchen die Heim- und Handwerker die Wände mit weißer Dispersionsfarbe aus einem Zehn-Liter-Eimer. Zwei von drei Anstreichern decken sich im Baumarkt mit Alpinaweiß & Co. ein. Aber auch bei den Discountern ist der ovale Farbeimer längst zur runden Sache geworden: Immer mehr Kunden greifen zur preisgünstigen Aktionsware und lagern sie im Keller ein, bis die nächste Verschönerung ansteht. Sehr zum Ärger der Markenanbieter und der Malerfachgeschäfte, die das Weiß ihrer 15 Kilo schweren Henkelware dadurch nicht mehr so oft an die Wand bringen.
Vielzahl der Markennamen
Das Angebot an weißer Dispersionsfarbe ist kaum zu überblicken. Wir haben 25 Produkte getestet. Ein Teil dieser Auswahl vertritt aber weitere 41 Marken, die mit den geprüften Farben bis auf Namen und Preis identisch sind. Das zeigte sich im Prüflabor, auch Hersteller und Handel haben es uns gegenüber bestätigt. Die Vielzahl der Produkte entpuppt sich also bei genauem Hinsehen als eine Vielzahl der Markennamen.
Der Vorteil für den Käufer: Durch unseren Test erhält er Informationen über 66 weiße Wandfarben. Von ihnen brillierten 56 mit einem „Gut“. Fünf erreichten nur ein „befriedigendes“ und fünf ein „ausreichendes“ Qualitätsurteil. Gute Startbedingungen für einen gelungenen Anstrich. Allerdings weniger gute als beim letzten Test (online nicht verfügbar) (Heft 9/99). Damals konnten sich etliche Farben mit einem „sehr guten“ test-Qualitätsurteil schmücken. Wegen einer neuen Norm und zusätzlichen Prüfungen hat es diesmal keine geschafft.
11 bis 70 Euro für zehn Liter
Eine Renovierung muss nicht teuer sein. Der übliche Zehn-Liter-Eimer weiße Dispersionsfarbe kostet zwischen 11 Euro (Aldi Malercolor Malerweiß und Aldi King Color Premiumweiß) und 34,50 Euro (Glasurit Wandweiß Premium Plus). Wer beim Kauf Wert auf „Naturfarben“ legt, findet aber kaum etwas in dieser Preislage. Solche Bezeichnungen signalisieren höhere Preise: An der Spitze unser Preisliste liegen Livos Dubron Natur-Dispersionsfarbe für 65 Euro und Leinos Naturfarben Naturharz-Dispersionsfarbe für 70 Euro je zehn Liter. Nur eine flüssige Wandfarbe war noch teurer: Brillux Superdecker LF 4000 für 117 Euro, allerdings für 12,5 Liter. Als einziger Anbieter im Test nannte uns Brillux für andere Eimergrößen keine Preise. Es gäbe keine für Endverbraucher, da die Farbe grundsätzlich nur an Handwerker verkauft werde, teilte uns die Firma mit. Im Test landet der teure Anstrich für den Fachmann im „guten“ Mittelfeld. Unsere Kritik: Die Angaben auf dem Kübel sind zu spärlich für Hobby-Anstreicher. Denn Heimwerker kommen durchaus an die Farbe, wie sich bei unserem anonymen Einkauf zeigte.
Gleiche Farbe, verschiedene Preise
Die Tabelle „Vielzahl von Marken: Gleichheiten“ sorgt für Preisdurchblick. Die gleiche Farbe, für verschiedene Anbieter abgefüllt, hat oft unterschiedliche Preise. Premiumweiß innen gibt es für 22,50 Euro, bei Globus als Primaster Raumweiß für 25 Euro und bei Hornbach als Meister Polarweiß für 29,60 Euro. Handelsmarken aus dem Baumarkt sind demnach nicht immer preisgünstiger. PS 143 Raumweiß Malerqualität kostet sogar 30 Euro. Trotz Preisdifferenz: Im Kübel ist jedes Mal die gleiche Farbe.
Aldi Nord (Malercolor Malerweiß) und Aldi Süd (King Color Premiumweiß) bieten im Laufe eines Jahres Wandfarbe als Aktionsware an, im Test für 11 Euro. Auch sie hat teure Doppelgänger. Düfa D 123 Malerweiß und Flamingo Umweltraumweiß kosten mit jeweils 20 Euro fast das Doppelte. Nicht nur bei knapper Haushaltskasse lohnt sich ein Preisvergleich. Geld zu sparen heißt nicht, auf gute Qualität verzichten zu müssen.
Fachbegriffe verstehen
Doch oft machen dem Käufer Fachbegriffe auf den Etiketten das Renovieren schwer. Rechtzeitige Information schützt vor bösen Überraschungen wie abblätternde Farbanstriche oder unzureichende Deckkraft. Deshalb hier die wichtigsten Erklärungen:
- Dispersionsfarben können mit Wasser verdünnt werden und lassen sich mehrmals überstreichen. Ihre Bindemittel – Natur- und Kunstharze – sind nicht wasserlöslich und als feste Teilchen im Wasser verteilt. Preiswerte waschbeständige Dispersion (Nassabriebbeständigkeit Klasse 3) eignet sich für normal genutzte Wohn- und Kellerräume. Die Farbe ist nicht so stark strapazierfähig. Scheuerbeständige Dispersion (Nassabriebbeständigkeit Klasse 2) empfiehlt sich für Bäder, Flure und Küchen. Auf Raufaser genügt mit dieser etwas strapazierfähigeren Wandfarbe meist ein einziger Anstrich.
- Latexfarben sind spezielle Dispersionsfarben, sehr strapazierfähig, unempfindlich gegenüber normalen Reinigungsmitteln und wasserdampfundurchlässiger. Diese robuste Farbe bietet sich besonders für Treppenhäuser und Bäder an. Wichtige Voraussetzung: eine trockene Wand.
- Vollton- oder Abtönfarben färben weiße Dispersionsfarbe ein. Sie können auch direkt, also ohne Mischung mit Weiß, verarbeitet werden.
In unserem Test mussten neben vielen flüssigen auch vier kompakte Dispersionen Farbe bekennen. Der Marktanteil der Kompakten ist rückläufig. Als weniger spritzend beworben sind sie teurer als die flüssigen Farben.
Mehr oder weniger ergiebig
Wie viel Farbe braucht man für ein Zimmer? Die vom Anbieter auf dem Etikett genannte Ergiebigkeit soll Antwort geben. Zehn Liter flüssige Wandfarbe reichen je nach Marke für 60 bis 100 Quadratmeter. Das gilt allgemein für einen einmaligen Anstrich auf glatter Oberfläche. Diese Angaben decken sich sehr weitgehend mit unseren praktischen Erfahrungen im Prüflabor. Ist der Anstreicher mit der Deckfähigkeit zum Beispiel bei dunklen Untergründen unzufrieden, kann der Eimer schneller leer sein. Die Farbe muss dicker aufgetragen werden. Oder er muss zweimal überstreichen, weil der Untergrund die Farbe stark aufsaugt.
Mit den getesteten kompakten Dispersionsfarben im 2,5-Liter-Schälchen können nur 20 bis 30 Quadratmeter überstrichen werden. Beim Streichen gibts mit den Kompakten kaum Probleme. Bis auf eine Ausnahme: Die Profi Color Feste Farbe lässt sich etwas mühsam aus der Schale entnehmen und es kostet Kraft, sie auf der Wand zu verteilen. Als Einzige bewerteten wir sie im Punkt Verarbeitung nur mit „befriedigend“.
Die Probleme beim Malern zeigten sich anschließend auf der Oberfläche der frisch gestrichenen Wand. Die Farbe war zum Teil unregelmäßig verlaufen, der Glanz ungleichmäßig verteilt. Insgesamt schnitten Profi Color und Baufan Feste Farbe als kompakte Dispersionfarben mit einem „ausreichenden“ Urteil für das Aussehen am schlechtesten ab.
Die beiden Spitzenprodukte Dulux 1xweiss und Histor Edelweiss zeichneten sich durch ein „sehr gute“ Deckfähigkeit aus. Auch Alpinaweiß, Alpina Ultra matt, Glasurit und Brillux deckten „sehr gut“.
Einige der als natürlich und umweltschonend beworbenen Marken fielen in den Anstricheigenschaften ein wenig ab. Leinos Naturharz-Dispersionsfarbe, Livos Dubron-Natur-Dispersionsfarbe und Ultranature Natur-Weiss erhielten hier nur ein „Befriedigend“, Auro Naturharz-Raumweiß sogar ein „Ausreichend“. Sie deckten nicht ganz so gut und auch die fertige Oberfläche war bis auf die Leinos-Farbe wenig meisterhaft.
Gut für die Umwelt
Die Stärken der „Naturfarben“ sollen die geringen und verträglichen Belastungen für Gesundheit und Umwelt sein. Doch hier hätte das Testergebnis durchaus etwas besser ausfallen können. Nur zwei lagen mit Abstand an der Spitze des gesamten Testfelds: die Leinos-Naturharzfarbe („sehr gut“ 0,6) und die Ultranature-Farbe („sehr gut“ 0,7). Mit „sehr guten“ Noten meisterten diesen wichtigen Prüfpunkt immerhin noch einige der „normalen“ Wandfarben und ihre Produktgleichheiten wie Eisodur Powerweiß, Glasurit, Farbturm, Aldi Malercolor und die kompakten Dispersionsfarben. Ein erfreuliches Ergebnis, das viele Renovierer aufatmen lassen dürfte. Für Auro Naturharz-Raumweiß trifft das allerdings nicht zu. Es wies einen relativ hohen Anteil von Lösemitteln auf. Auch wenn sie wie in dieser Farbe aus der Natur kommen, sind Terpene nicht unbedenklich. Schlimmstenfalls können sie bei sensibel reagierenden Personen zu Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen und Allergien führen. Bei anderen Anstrichen im Test stellten wir nur sehr geringe Lösemittelemissionen fest.
Weil die Hersteller auf Bezeichnungen wie Bio, Öko oder Natur im Produktnamen nicht verzichten möchten, tragen diese Farben kein Umweltzeichen. Denn nach den Richtlinien für die Vergabe des Blauen Engels sind solche Werbeaussagen nicht zulässig. Das gilt auch für verharmlosende Angaben wie „nicht giftig“ oder „nicht gesundheitsschädlich“.
Schlecht für die Käufer
Sehr ärgerlich für die Käufer ist der lückenhafte Nachweis der Inhaltsstoffe auf manchen Etiketten der Farbeimer. Auch die wichtige Angabe des Haltbarkeitsdatums vermissten wir bei einigen Produkten, denn Dispersionsfarbe kann im Laufe der Zeit verderben. Wir beurteilten die Deklaration der entsprechenden Farben schlechter. Bei der Nordic Wohnraumfarbe lag der Gehalt an Formaldehyd über den Kriterien des Umweltzeichens Blauer Engel. Mit ihm wurde jedoch auf dem Produkt geworben. Ein „Mangelhaft“ im Prüfpunkt Deklaration und ein nur „ausreichendes“ test-Qualitätsurteil waren die negative Folge.
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