Rauchmelder: Rechtzeitig aufwachen

Rauchmelder Test

test 11/2002

Rauchmelder sind lebenswichtig. Wir haben diese Warngeräte jetzt erstmals untersucht. Das Testergebnis bietet wenig Anlass für einen ruhigen Schlaf.

Rauchmelder

Bei einem Zimmerbrand in einem Mehrfamilienhaus in Bremen wurden drei Menschen schwer verletzt. Eine brennende Zigarette hat das Feuer verursacht. Die Flammen setzten ein Sofa in Brand, auf dem eine 39-jährige Frau schlief. Sie ist inzwischen an ihren Verletzungen gestorben. Ein 46-Jähriger liegt mit einer schweren Rauchvergiftung im künstlichen Koma. Ein weiterer beim Brand anwesender Mann wird ebenfalls im Krankenhaus behandelt, ist aber wieder ansprechbar.

Fast täglich bringen die Zeitungen solche Schreckensmeldungen. Die Leser, zuerst entsetzt, beruhigen sich rasch wieder: „Mir kann das nicht passieren“, hämmern sie sich ein. Am Brandschutz in den eigenen vier Wänden zweifeln die wenigsten – eine Fehleinschätzung trotz furchtbarer Fakten (siehe „Alarmierende Zahlen“).

Brandtote sind Rauchtote

Rauchmelder Test
Montageort: In der Raummitte an der Decke, weil heißer Rauch nach oben steigt.

Auf ihren Internetseiten räumt die Berliner Feuerwehr mit gefährlichen Mythen auf (www.berliner-feuerwehr.de). „Wenn es brennt, habe ich mehr als zehn Minuten Zeit, die Wohnung zu verlassen“, meinen viele. Im schlimmsten Fall endet dieser Irrtum tödlich: Nur vier Minuten bleiben im Schnitt zur Flucht, lauten die Erfahrungen nicht nur der Berliner Feuerwehr. Schon nach zwei Minuten kann eine Rauchvergiftung zum Tode führen. Denn zuerst brennt die Wohnungseinrichtung. Und Kunststoffe, Kleber, Textilien und Tapeten geben giftige Gase ab. Die Opfer werden ohnmächtig und ersticken, noch bevor das Feuer die Bausubstanz angreifen kann.

Wer sich auf aufmerksame Haustiere und Nachbarn verlässt, lebt ebenfalls äußerst riskant. Tiere werden genauso wie Menschen nicht durch Rauch geweckt. Rauch ist lautlos und breitet sich schneller aus als Feuer. Vor allem Kinder, Alte und Kranke haben kaum eine Chance, wenn keiner hilft. Wird der Nachbar erst durch Geruch und Geräusche auf einen Brand aufmerksam, ist es meist zu spät.

Auch durch mehr Umsicht und Vorsicht lässt sich ein Brand nicht völlig ausschließen. Häufige Brandursachen sind schadhafte elektrische Leitungen und falsch benutzte Elektrogeräte. Brandherde dieser Art werden leicht übersehen, denn es bilden sich nicht gleich Flammen. Zuerst entstehen gefährliche Schwelbrände, die häufig zu spät entdeckt werden.

Rauchmelder sind Privatsache

Rauchmelder Test
Der eindringende Rauch erreicht eine bestimmte Konzentration. Er lenkt dadurch die von einer Leuchtdiode ausgehenden Lichtstrahlen auf ein Fotoelement um. Der akustische Alarm wird ausgelöst.

„Rauchmelder retten Leben“ – unter diesem Motto wollen Versicherer und die Elektroindustrie, unterstützt von Feuerwehr und Schornsteinfeger-Handwerk die unscheinbaren, nur handtellergroßen Frühwarngeräte unters Volk bringen. Die in der Wohnung angebrachten Melder sollen Alarm schlagen und die Bewohner rechtzeitig warnen, wenn der Rauch gefährlich zunimmt.

Die fachkundigen Aufklärer hoffen auf die Einsicht der Bevölkerung. Denn in Deutschland sind Rauchmelder in privaten Haushalten gesetzlich nicht vorge­schrieben, sondern Privatsache. Anders in den USA, Kanada, Großbritannien und Norwegen. Dort ist die Installation Pflicht. Und die Zahlen der Todesopfer bei Haus- und Wohnungsbränden sind gesunken, in den USA seit den 70er Jahren um 40 Prozent.

Bemühungen, eine gesetzliche Grundlage für den Einbau von Heimrauchmeldern zu schaffen, gab und gibt es auch in der Bundesrepublik immer wieder. Erst im Juni hat der Landesfeuerwehrverband Nordrhein-Westfalen eine Resolution verabschiedet. Sie ging an alle Landtagsab­geordneten und an die Landesministerien. Ein ähnlicher Vorstoß wurde im April in Hessen unternommen. Bisher aber vergebens.

So entscheidet jeder selbst, ob er in seiner Wohnung solche Weck- und Warngeräte anbringt. Ob sie wirklich zuverlässig arbeiten, haben wir jetzt erstmals ausgiebig getestet und dazu 18 Rauchmelder zu Preisen zwischen 10 und 60 Euro gekauft. Alle ausgewählten Alarmgeräte funktionieren nach dem Prinzip der Lichtstreuung. Erreichen die Rauchpartikel eine bestimmte Konzentration, löst das Gerät einen schrillen Signalton aus. Der Alarm soll sogar tief Schlafende aufwecken – auch wenn der lebenswichtige Wecker im Nebenzimmer hängt. Das Testergebnis kann aber keinen ruhig schlafen lassen.

Drei hatten nichts zu melden

Wir entfachten vier verschiedene Feuer für den Test: Holzschwelbrand, Baumwollglimmbrand, Kunststoffbrand und einen Flüssigkeitsbrand mit Benzin. Die Rauchmelder mussten jeweils sicher alarmieren. Der Flüssigkeitsbrand ist wegen der wenigen, großen Rauchpartikel am schwierigsten zu entdecken. Drei Geräte (effeff Alarm, Merten Argus, die beiden teuersten im Test, und Detectomat) reagierten darauf im Prüfraum zu spät und bekamen deshalb ein „Mangelhaft“. Der ebenfalls „mangelhafte“ Hekatron-Melder, baugleich mit Jung und ABB, war ein Leisetreter: Sein Warnton lag deutlich unter den vorgeschriebenen 85 Dezibel und war damit nicht laut genug. Drei andere, nur mit „ausreichend“ bewertete Kandidaten (Dicon, Einhell und Maxi-Tronic) neigten zu Fehlalarmen, weil sie sich durch Zugluft irritieren ließen. Je nach Richtung, aus der der Rauch kam, sprach der Firex, baugleich mit D-Secour, recht unterschiedlich darauf an. Eine Schwäche, die nur ein „befriedigendes“ Qualitätsurteil zuließ.

7 der 18 Rauchwächter bekamen insgesamt ein „Gut“. Aber nur zwei, Ei Home für 15,30 Euro und REV für 10 Euro, überzeugten auch in der Handhabung. Den beiden Spitzenreitern lag eine verständliche und vollständige Gebrauchs- und Montageanleitung bei – ebenso sehr hilfreiche Hinweise zum Thema vorbeugender Brandschutz. Die Käufer der übrigen „guten“ Meldegeräte erhalten hingegen nur Informationen zu Montage und Gebrauch – oft auch nur spärliche. Mit Ausnahme des Premisafe-Melders besaßen alle „guten“ ein Prüfzeichen der VdS Schadenverhütung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Auskunft über Melder mit VdS-Zeichen erhalten Sie unter www.vds.de.

Vorsicht bei Montage und Wartung

Ein Rauchmelder pro Wohnung, am besten im Flur, ist die Mindestausstattung. Zusätzlich je einer im Schlaf- und Kinderzimmer erhöht die Sicherheit. Wer das ganze Haus einschließlich Keller und Dachboden überwachen will, sollte aber Orte ausnehmen, in denen es schnell zu Fehlalarm kommen kann – also Küche, Bad und sehr staubige Räume.

Heißer Rauch steigt nach oben. Deshalb gehören die Rauchmelder stets in der Raummitte unter die Zimmerdecke. Den Packungen liegen meist Schrauben und Dübel bei. Aber die beigefügten halfen oft nicht weiter, wenn sie zu kurz waren, nicht zusammenpassten oder sich nicht für eine Altbau- oder Betondecke eigneten. Übrigens: Die Melder dürfen nicht überstrichen werden. Farbe stört ihre Wachsamkeit.

Kabel müssen nicht verlegt werden. Heimrauchmelder haben eine Batterie, meist eine 9-Volt-Blockbatterie. Sie hält ein bis drei Jahre. Lässt die Batterie nach, piepst das Gerät in kurzen Abständen. Dann ist es höchste Zeit, sie zu wechseln. Die Leuchtdiode am Gehäuse zeigt nicht den Batteriezustand, sondern die Funktionstüchtigkeit des Melders an. Außerdem sollte man am Prüfknopf ab und an einen Probealarm auslösen.

Tipps zum Brandschutz

Einige der Geräte lassen sich untereinander über einen dünnen Draht verbinden. Löst ein Rauchmelder innerhalb des Netzes Alarm aus, ertönt das Warnsignal dann über alle anderen. Die Modelle Einhell, Ei Home, Firex, Premisafe, REV und Maxi-Tronic hatten dafür keine Anschlüsse. Jeder Hersteller bietet aber entsprechende Geräte an. Eine besonders bequeme Lösung sind Melder, die Sie per Funk, ohne umständliche Kabelinstallation vernetzen können.

Allein mit der Montage von Rauchmeldern in der Wohnung ist es mit dem vorbeugenden Brandschutz aber noch nicht getan. Die Piepser an der Decke können ihn nur ergänzen, aber nicht ersetzen. Informieren Sie sich und vor allem auch Ihre Kinder über den nächstgelegenen Fluchtweg aus der Wohnung. Achten Sie darauf, dass er stets frei passierbar für die Flüchtenden und die Feuerwehr bleibt.

Überprüfen Sie regelmäßig die vorhandenen Einrichtungen zum Brandschutz wie Feuerlöscher und Löschdecke. Machen Sie sich rechtzeitig mit deren Bedienung vertraut. Beachten Sie, dass mit einem Feuerlöscher nur kleine, gerade entstandene Brände erfolgreich bekämpft werden können. Brennende Personen löschen Sie am einfachsten unter der Dusche. Rufen Sie die Feuerwehr so schnell wie möglich von außerhalb der Wohnung oder des Hauses an.

Rauchen Sie nie im Bett. Lassen Sie offenes Feuer wie Kerzen, vor allem am Weihnachtsbaum, und eingeschaltete Elektrogeräte, zum Beispiel Bügeleisen und Kaffeemaschine, nie unbeaufsichtigt. Löschen Sie Fettbrände in Pfannen und Friteusen nie mit Wasser, sondern nur mit einer Löschdecke. Lagern Sie Altpapier, brennbare Flüssigkeiten und Abfälle nie in der Wohnung.

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