Akku-Schlagbohrschrauber von Lidl: Starke Maschine mit Schwächen

23.08.2011

Das wünscht sich der Heimwerker: Ein kraftvoll arbeitendes Bohrwerk – auch im Schlagbetrieb. Die von Lidl seit Montag verkaufte Maschine geriet jedoch mit ihren 2,9 Kilogramm so schwer, dass sie kaum für Einhand- und feine Arbeiten geeignet ist. Dafür empfehlen sich die leichteren Akku-Schlagbohrschrauber aus unserem Test im Mai. Ärgerlich ist es aber, wenn das Kraftpaket während der Arbeit auch noch schlapp macht, wie im Dauertest geschehen.

Akku-Schlagbohrschrauber von Lidl

Schlampige Montage

Kleine Ursache, große Wirkung: Ein ungeschickt verlegtes Kabel zu den Kohlebürsten des Motors führte im Schlagwerkdauerlauf nach wenigen Stunden zum Totalausfall der Maschine. Das alleine könnte der Service im Handumdrehen beseitigen. Doch infolge dieses Fehlers können Teile des Motors überhitzen, wie bei einem zweiten Exemplar geschehen. Diagnose: Kohlebürsten festgebrannt, Lüfterrad verschmolzen, Schalter verschmort. Die Maschine ist schrottreif. Erst die dritte Maschine bestand die Dauerprüfung des Schlagwerks. Im Motordauerlauf fiel eine Maschine nach etwa fünf simulierten Jahren typischer Heimwerkernutzung aus. Zwei weitere wurden so heiß, dass der Test immer wieder für Abkühlpausen unterbrochen werden musste. Im Dauerbetrieb ist die Lidl-Maschine also nicht zu gebrauchen.

[Update 23.08.2011] Mittlerweile hat sich gezeigt: Die Abkühlpausen während des Dauertests haben auch den beiden verbliebenen Bohrschraubern nichts genutzt. So wie bereits die erste Maschine haben sie die simulierte fünfjährige Heimwerkernutzung nicht überstanden. [Update Ende]

Mangelhafte Sicherheit

In den Sicherheitsprüfungen untersuchten die Warentester wesentliche Aspekte vom Aufbau, zur mechanischen Gefährdung und Festigkeit und zum unsachgemäßen Gebrauch. Die Normanforderungen wurden in einem Prüfpunkt nicht eingehalten: Das Gehäusematerial des Akkus hielt den Anforderungen bei der Brandfestigkeit nicht stand. In der Praxis ist mit derartig extremen Situationen kaum zu rechnen, eine Gefahr kann aber nicht komplett ausgeschlossen werden.

Akzeptable Ausstattung

Ansonsten bekommt der Käufer für seine knapp 60 Euro eine Maschine mit zwei Gängen, einem hochwertigen Röhm-Schnellspannfutter und einem auswechselbaren Akku. Über den Druckschalter ist die Drehzahl stufenlos steuerbar. Auch das Drehmoment ist einstellbar. Mitgeliefert wird ein Zusatzhandgriff mit Schrauberbitdepot für zwei Bits. Verpackt ist die Maschine in einem robusten Kunststoffkoffer, der allerdings keinen Platz für Bohrer bietet. Wünschenswert wäre noch ein Wechselakku im Lieferumfang und ein paar Bohrer für die ersten Löcher.

Fragwürdige Energiequelle

Unverständlich ist, dass das Gerät mit einem Nickel-Kadmium-Akku (NiCd) geliefert wird. Solche Akkus sind zwar enorm leistungsfähig, doch gehört das Umweltgift Kadmium nicht mehr in aktuelle Produkte. Im vergleichenden Warentest würde ein derartiger Akku bei der Bewertung des Akkutyps mit mangelhaft bewertet. Die derzeit fast ausschließlich verwendeten Lithium-Ionen-Akkus sind leichter, robuster und weniger belastend für die Umwelt.

Keine Schadstoffe im Griff

Wenigstens fanden die Tester in den Griffen keine Schadstoffe wie PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) oder Phthalate (Weichmacher).

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