Strom und Gas: Verivox kündigt Flexstrom
21.12.2011
Das Internetportal Verivox hat die Vertriebspartnerschaft mit dem Stromanbieter Flexstrom gekündigt und leitet Wechselwillige nicht mehr zu Flexstrom weiter. Als Begründung gibt Verivox den jahrelangen Streit um die Neukundenboni von Flexstrom und „unterschiedliche Auffassungen zum Verbraucherschutz“ an. Aber auch eine millionenschwere Klage von Flexstrom gegen Verivox dürfte eine Rolle gespielt haben.
Mehr als 2 000 Beschwerden über Neukundenbonus
Die Flexstrom-Tarife werden von Verivox zwar nach wie vor neutral in den Verivox-Preisvergleichen dargestellt. Wechselwillige Stromkunden können aber nicht mehr direkt über das Vergleichsportal zum Stromanbieter Flexstrom gelangen. Verivox hat die Geschäftsbeziehung gekündigt. Aufgrund des jahrelangen Streits über den Neukundenbonus sowie unterschiedlichen Auffassungen zum Verbraucherschutz habe Verivox die Partnerschaft mit dem Versorger beendet. „Zwischen Januar und November 2011 gingen 2 190 Verbraucherbeschwerden zum Thema Neukundenbonus bei Flexstrom bei uns ein“, sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox.
Unfairer Umgang mit Stromkunden
Reese bemängelt auch das Eintreiben von Forderungen durch die Inkassofirma Syllego: „Verbraucher, die auf Zahlungen bestehen oder Abschläge kürzen, bekommen sehr schnell Post vom Inkassounternehmen Syllego Inkasso GmbH, das ebenfalls zur Flexstrom AG gehört. Auf der Webseite von Flexstrom werden Urteile im Sinne des Unternehmens gesammelt, um Klagen von Kunden im Keim zu ersticken. Diesen Umgang mit den Verbrauchern halten wir nicht für fair.“
Flexstrom fordert Schadenersatz von Verivox
Vor der Kündigung ist Flexstrom gerichtlich gegen Verivox vorgegangen und machte dies am gestrigen Dienstag per Pressemitteilung bekannt. Danach reichte Flexstrom am Donnerstag vergangener Woche Klage beim Landgericht Heidelberg ein und fordert darin von Verivox Schadenersatz in Höhe von rund 11 Millionen Euro unter Vorbehalt. Der Stromlieferant fühlt sich mit seinen Stromtarifen im Vergleichsrechner benachteiligt. Flexstrom wirft Verivox vor, mit überzogenen Provisionsforderungen die Preise auf der Plattform in die Höhe zu treiben. Verivox wies die Vorwürfe unmittelbar nach Erscheinen der Flexstrom-Pressemitteilung am gestrigen Tag zurück und teilte nun seinerseits die Kündigung der Vertriebsverträge mit. Mehrere tausend Verbraucherbeschwerten zeigten nach Auffassung von Verivox, dass Flexstrom den Neukundenbonus nicht gewährt, wenn die Verbraucher nach zwölf Monaten Vertragslaufzeit wieder wechseln wollen. Damit verstoße der Neukundenbonus von Flexstrom gegen die Verivox-Richtlinien zum Verbraucherschutz und wird im Strompreisvergleich nicht berücksichtigt.
Kundenbeschwerden auch gegenüber der Stiftung Warentest
Auch gegenüber der Stiftung Warentest beschwerten sich viele Flexstrom-Kunden über das Geschäftsgebaren des Stromanbieters. test.de berichtete sowohl über den undurchsichtigen Neukundenbonus von Flexstrom als auch über die Beschwerden der Leser.
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