Chat Schimmel im Haus: Wie Sie ihn los werden

Chat Schimmel im Haus Special

02.02.2011

Was tun, wenn dunkle Schimmelflecken die Wand bevölkern? Fenster aufreißen und frische Luft herein lassen ist die einfachste Variante. Doch das hilft nicht immer. Alle Fragen zum Pilzbefall und wie ihn Bewohner bekämpfen, beantworten die test-Experten Michael Koswig und Peter Schick im Chat auf test.de.

Alle kalten Wände zugleich dämmen

Moderator: So, es ist jetzt 13 Uhr. Hier im Chat begrüße ich jetzt Michael Koswig und Peter Schick. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatterinnen und Chatter beantworten. Gleich die erste Frage an unsere Gäste: Wie sieht es aus, wollen wir starten?

Michael Koswig und Peter Schick: Einstimmiges Ja!

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Leserinnen bereits die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die TOP 1 Frage aus dem Pre-Chat:

Catmbu: Wir haben dunkle Stellen in den Ecken zu den Außenwänden und vermuten, dass es sich um Schimmel handelt. Lüften und Heizen machen wir in ausreichendem Maß. Welche baulichen Veränderungen bieten sich innen an, um dort die Kältebrücken zu schließen oder zu reduzieren. Von einer Außendämmung wollen wir aus Kostengründen absehen.

Michael Koswig: Ecken sind besonders schimmelgefährdet. Sie kühlen im Winter leicht aus, weil hier einer relativ kleinen Innenfläche eine große Außenfläche gegenübersteht. Eigentlich ist hier meist eine Außendämmung die beste Lösung. Aber auch mit einer gut gemachten Innendämmung lassen sich die Probleme in den Griff bekommen. Wichtig ist, dass alle kalten Wände gleichzeitig gedämmt werden. Andernfalls droht an den Übergangsstellen zwischen gedämmten und ungedämmten Abschnitten eine „Verschlimmbesserung“. Die Innendämmung sollte mindestens etwa 6 Zentimeter stark sein. Ganz wichtig: Für die Planung unbedingt fachlichen Rat einholen!

Peter Schick: Für eine dauerhafte und bauphysikalisch gute Lösung sollte zumindest mittelfristig doch über eine Außendämmung nachgedacht werden. Auch im Hinblick auf die zu erwartende Energieeinsparung und den erheblich größeren Wohnkomfort mit warmen Wandoberflächen ohne Schimmel.

Große Schimmelgefahr im Bad

Martha: Bei uns bildet sich der Schimmel in den Fugen der Fliesen, besonders in den Fugen der Bordüre. Der Pilz befindet sich ausschließlich im Bereich der Dusche. Wir haben eine Duschkabine. Nach dem Duschen lüften wir regelmäßig, oft ist die Duschkabinentür aber zu. Kann es am Ausfugen liegen oder an der überwiegend geschlossenen Duschkabinentür? Wie bekommt man den Schimmel dauerhaft weg in den Fugen?

Peter Schick: Bäder sind besonders gefährdet. Sowohl wegen des Wassers, das die Fliesen direkt benetzt, als auch wegen des Wassers, das hier an verschiedenen Stellen verdunstet und anschließend an kühlen Oberflächen kondensiert. In diesem Fall verschärft die geschlossene Duschkabinentür das Problem: Die Feuchtigkeit wird in der Kabine geradezu eingefangen. Das verhilft den Schimmelpilzen zu idealen Wachstumsbedingungen. Also besser die Tür offen stehen lassen. Es ist auch nützlich, nach dem Duschen die nassen Fliesen mit einer Gummilippe abzuziehen. Das ist ein Gerät wie es professionelle Fensterputzer benutzen. Damit lässt sich das Wasser optimal in Richtung Abfluss befördern. Außerdem am besten direkt danach einmal kurz lüften. Ganz wichtig ist auch richtiges Heizen. Bäder sollten grundsätzlich die wärmsten Räume in der Wohnung sein. Wenn der Schimmel schon länger in den Fugen sitzt, sollte man eventuell daran denken, die Fugen zu erneuern.

Paule: Ich habe gelesen, dass viele Antischimmelsprays giftige Stoffe enthalten. Können Sie trotzdem bestimmte Mittel empfehlen oder lehnen Sie den Einsatz solcher Sprays generell ab?

Michael Koswig: Grundsätzlich besteht immer ein Risiko, dass chemische Substanzen, die Mikroorganismen töten sollen, auch für den Menschen nicht gerade gesundheitsfördernd sind. Bei unserem letzten Test von Mitteln gegen Schimmel im Jahr 2002 waren die Umwelt- und Gesundheitseigenschaften der meisten Mittel weder gut noch sehr gut. Die Bekämpfung der Ursachen muss auf jeden Fall Priorität haben.

Brennspiritus hilft gegen akuten Schimmelbefall

Werner: Ist 70-prozentiger Alkohol wirksamer als käuflicher Schimmelentferner? Allerdings ist der Alkohol mit etwa 10 Euro für 200 ml in der Apotheke recht teuer. Hilft der preiswerte Isopropylalkohol ebenso – oder gar Spiritus?

Michael Koswig: Für die Bekämpfung eines aktuellen Schimmelbefalls eignen sich als Hausmittel Brennspiritus oder Isopropyl-Alkohol. Beides war im Test sehr gut wirksam. Getestet haben wir beide Mittel in 70-prozentiger Konzentration. Die lässt sich zuhause durch Zugabe einer entsprechenden Menge Wasser auch selbst herstellen. Da sich der Alkohol nach der Behandlung verflüchtigt und aus der Wohnung gelüftet werden kann, wird die Raumluft anschließend nicht mehr belastet. Das kann im Vergleich zu anderen Mitteln ein Vorteil sein.

Moderne Wärmeschutzverglasung dämmt gut

Mr. Bien: Wir haben das Problem, dass sich auf der Silikonfuge, mit der die Fenstergläser im (Holz-)Fensterrahmen befestigt sind, Schimmel bildet. Bei starken Minustemperaturen schlägt sich dort in der Nacht das Wasser nieder. Trotz regelmäßigem Abwischen bildet sich dort schwarzer Schimmel. Was kann man dagegen tun?

Michael Koswig: Ursache sind wahrscheinlich die relativ schlechten wärmetechnischen Eigenschaften des Rahmens. Eine moderne Wärmeschutzverglasung dämmt oft recht gut. Den Schwachpunkt der Konstruktion bildet dann der Rahmen. Deshalb kondensiert am Rahmen relativ häufig Luftfeuchtigkeit. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es beim Fensterkauf ist, auf einen gut gedämmten Rahmen zu achten, damit die Probleme von vornherein vermieden werden.

Peter Schick: Ein Austausch der Fuge würde eine kurzfristige Entlastung bringen. Aber ohne Beseitigung der Ursache ist es sehr wahrscheinlich, dass über kurz oder lang wieder Schimmel auftaucht.

Michael Koswig: Es könnte auch sinnvoll sein, vor allem vor einem solchen feuchtgefährdeten Fenster, keine zahlreichen Pflanzen aufzustellen. Die geben einerseits zusätzliche Feuchtigkeit ab und verhindern außerdem den Luftaustausch an der Oberfläche des Fensters.

Neubauten haben mit Baufeuchte zu kämpfen

Keile: In unserer frisch sanierten und renovierten Wohnung bildeten sich nach ca. einem Monat in einer Schlafzimmerecke (Außenwand) und einer Wohnzimmerecke kleine schwarze Stellen. Nach Entfernung der Tapete und Anwendung von 70-prozentigem Alkohol auf Wand und Tapete war für etwa zwei Wochen alles gut. Danach fing das Spiel wieder von vorne an. Kann es sein, dass der Schimmel sich in der Tapete entwickelt? Oder ist es wahrscheinlicher, dass die Außenwände Mängel aufweisen? Gelüftet wird mehrmals täglich.

Michael Koswig: In Neubauten und frisch sanierten Wohnungen ist oft die Baufeuchte ein großes Problem. Oft sind viele hundert Liter Wasser in einem solchen Bau verwendet worden, die erst im Laufe von Monaten oder gar Jahren aus dem Haus entweichen können. Dazu ist es wichtig, dass schon von Anfang an sehr intensiv und häufig gelüftet wird.

Peter Schick: Die Sanierung und Renovierung hat dann offenbar hier in diesem Fall nicht die Außendämmung umfasst, weil damit die Wandoberfläche wärmer und Schimmelprobleme unwahrscheinlicher wären.

Oft Stoßlüften hilft gegen Schimmel

Chris: Ich habe gehört, dass zu viel bzw. zu dichte Dämmung auch nicht gut sein soll. Warum eigentlich bildet sich bei unserem Haus an den Zimmerecken zu den Außenwänden im Winter Schimmel? Das Haus ist vor rund 40 Jahren aus Ziegeln gebaut worden und die Fenster sind neu. Sitzen der Schimmel bzw. die Sporen schon fest in den Wänden und kommen daher automatisch immer wieder, sobald die Temperaturen passen? Oder warum überhaupt entsteht der Schimmel?

Michael Koswig: Die Furcht vor zu dicker und dichter Dämmung ist unbegründet. Die Probleme in Ihrem Haus ergeben sich wahrscheinlich aus der Kombination von ungedämmter Außenwand, aber neuen Fenstern, die den früheren Luftaustausch durch die Ritzen der alten Fenster verhindern.

Peter Schick: Jetzt kommt es darauf an, den Luftaustausch entweder durch häufiges Stoßlüften oder durch eine kontrollierte Wohnungslüftungsanlage sicherzustellen. Nach Einbau neuer Fenster sollte auch die Außenwand gedämmt werden.

Ursachenforschung ist kompliziert

Jens: Gibt es Möglichkeiten festzustellen, ob die Schimmelursache in einem falschen Lüftungs- und Heizverhalten des Mieters oder durch bauliche Mängel begründet ist?

Peter Schick: Die Ursachenforschung ist bei Schimmelbefall eine sehr komplizierte Angelegenheit und muss sehr gründlich und fachmännisch geschehen. Sonst drohen teure Fehlinvestitionen. Möglichkeiten gibt es selbstverständlich: Dazu sollte der Nutzer erst einmal seine Lüftungsgewohnheiten protokollieren und Feuchte- und Temperaturmessungen machen. Der Eigentümer sollte das Gebäude auf physikalische Mängel hin begutachten lassen.

Michael Koswig: Kalte Wintertage eignen sich optimal, um zumindest orientierend Probleme festzustellen. Messen Sie die Temperaturen sowohl außen im Freien als auch in der Zimmermitte und dann an der Oberfläche der kritischen Wandbereiche. So lässt sich nachweisen, dass trotz richtiger Heizung die Wände möglicherweise viel zu stark abkühlen. Wenn zum Beispiel eine Außenwand auf der Zimmerseite nur etwa zehn Grad kalt ist, kondensiert dort sehr leicht Feuchtigkeit aus der Raumluft. Auch gutes Lüften hilft da nur sehr begrenzt.

DK205: Meine Pflanzenerde schimmelt immer wieder. Da ich in der Wohnung insgesamt Probleme mit Schimmel habe, frage ich mich, ob das etwas miteinander zu tun hat.

Peter Schick: Verschimmelte Pflanzenerde kann ein Herd für eine zu hohe Sporenbelastung der Innenraumluft sein. Am besten einmal jährlich auswechseln und die Pflanzen nicht zu oft gießen. Die Erde muss zwischendurch auch trocknen können. Eventuell die Zahl der Pflanzen verringern.

Michael Koswig: Es gibt viele Pflanzen, die eher unter zu viel Bewässerung leiden als unter zu wenig. Andererseits sollte man hier auch nicht in Panik verfallen. Schimmelpilze sind auch überall in der Natur vorhanden und begegnen uns zum Beispiel auch, wenn wir im Garten den Komposthaufen umsetzen.

Wen Schimmel krank macht

Mojo1: Welche gesundheitlichen Folgen sind denn typisch, wenn man unter Schimmelbefall in der Wohnung leidet?

Michael Koswig: Es gibt verschiedene Studien, die auf einen Zusammenhang von Schimmelpilzen und Atemwegsbeschwerden hinweisen. Außerdem können Schimmelpilze allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. Gesunde Menschen sind eher wenig betroffen. Die Hauptprobleme drohen bei Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie bei Allergikern. Dieser Personenkreis sollte zum Beispiel bei einer Schimmelbekämpfung am besten gar nicht in der Wohnung anwesend sein.

Moderator: Eine aktuelle Nachfrage:

Mandy29: Sind Schimmelsporen in der Luft, auch wenn er noch nicht sichtbar ist?

Michael Koswig: Ja! Schimmelpilzsporen sind überall in unserer Umwelt vorhanden. Probleme entstehen dort, wo sich Schimmelpilze in der Wohnung massiv vermehren können. Das können sie nur dort, wo sie viel Feuchtigkeit vorfinden.

HC: Welche Mittel gegen Schimmel können benutzt werden, wenn Kleinkinder und Säuglinge im Haushalt leben?

Michael Koswig: Die Methode mit Brennspiritus oder Isopropyl-Alkohol kann man hier einsetzen – vorausgesetzt man bewahrt diese Hausmittel kindersicher auf.

Peter Schick: Im Hinblick auf Langzeitfolgen muss unbedingt der Schimmel grundsätzlich entfernt werden – also seine Ursachen beseitigt werden. Aber als Zwischenlösung, bis zur Durchführung umfangreicherer Maßnahmen, kann der Schimmel mit den oben genannten Mitteln entfernt werden.

Wenn ich nicht ausreichend lüften kann

Moderator: Eine aktuelle Nachfrage aus dem Chat:

Axs02: Was halten Sie von Fenstern mit Zwangsbelüftung? Einerseits ist ein minimaler Luftaustausch gewährleistet, andererseits kühlen die Räume dadurch aus. Solche Fenster sind in unserer Wohnung (BJ 2007) vorhanden.

Peter Schick: Nichts. Unter energetischen Gesichtspunkten entspricht das einem ständigen Energieverlust. Wer aus bestimmten Gründen befürchtet, dass er nicht häufig genug manuell lüften kann, sollte über eine automatische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nachdenken.

Michael Koswig: Solche Anlagen mit Wärmerückgewinnung gehören in Passivhäusern heutzutage schon zum Stand der Technik und haben sich dort bewährt.

Moderator: Noch eine aktuelle Frage aus dem Chat:

Walex2705: Kann ich jeden Schimmelpilzbefall selber entfernen oder benötige ich in bestimmten Fällen einen Fachmann zur Schimmelpilzbeseitigung (nach Abstellen von deren Ursache)?

Michael Koswig: Je größer und komplizierter der Feuchte- und Schimmelschaden ist, desto eher ist der Fachmann gefragt. Es gibt kleinere Schäden, die man recht gut selbst beheben kann und wenn die Ursachen damit beseitigt werden, kann das auch eine dauerhafte Lösung sein. Aber insbesondere bei komplizierteren Schäden, wenn zum Beispiel der Schimmel in eine Dämmung eingedrungen ist oder sich versteckt in einer Dämmung ausbreitet, muss er von Profis beseitigt werden.

Peter Schick: Wenn der Schimmel selbst entfernt wird, auf einer kleineren Fläche zum Beispiel, dann auf jeden Fall Atemschutz und Handschuhe tragen und währenddessen gut lüften.

Michael Koswig: Am besten besprüht oder bepinselt man den sichtbaren Schimmelschaden mit Alkohol und tötet ihn damit erst einmal ab. Bevor man zum Beispiel die alte Tapete entfernt.

Fliesen im Bad helfen

Moderator: Aktuelle Frage zum Sanitärbereich:

A82b: Welche Wand- und Deckenfarbe ist im Sanitärbereich (insbesondere über der Dusche) zu empfehlen?

Michael Koswig: Dort, wo Wasser hinspritzt, ist es sinnvoll, die Oberflächen zum Beispiel mit Fliesen gut zu versiegeln. Ansonsten kann es in Bädern und Badezimmern durchaus sinnvoll sein, auch Oberflächen zu haben, die quasi als Zwischenspeicher für die Luftfeuchtigkeit dienen können. Solche Puffer geben beim anschließenden Stoßlüften ihre Feuchtigkeit wieder ab.

Peter Schick: Gemeint sind als Puffer zum Beispiel einfach Gipsputz oder Gipskartonplatten mit normalem diffusionsoffenem Farbanstrich.

Umweltoma: Was halten Sie von Antischimmel-Konzentrat (decotric), was man auch der Farbe beigeben kann?

Michael Koswig: Aktuelle Testergebnisse liegen uns noch nicht vor. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, die Schimmelursachen zu beseitigen. Wenn das gelingt, ist auch keinerlei Chemieeinsatz erforderlich. Grundsätzlich sollte man Chemikalien mit biozider Wirkung im privaten Bereich möglichst gar nicht einsetzen.

Moderator: Hier eine aktuelle Frage zur Luftbefeuchtung:

Klaus: Sind elektrische Luftentfeuchter sinnvoll, um Schimmel zu bekämpfen?

Michael Koswig: Temporär nach einem Wasserschaden können solche Luftentfeuchter sinnvoll sein. Eine Dauerlösung sind diese jedoch eher nicht und zur Schimmelbekämpfung auch nicht, da sie erst einmal nur einen aufgetretenen Schaden beseitigen, aber nicht die Ursache.

Energieberater der Verbraucherzentralen helfen weiter

Moderator: Eine Frage zu Gutachten:

Powersurfer: Wie kann ich am besten in meiner Gegend einen Gutachter bzw. Handwerker finden, der mir helfen kann, die Ursache(n) für Schimmel zu finden und zu bearbeiten?

Peter Schick: Eine erste Anlaufadresse kann die Energieberatung der Verbraucherzentralen sein. Dort findet man für einen geringen Betrag Fachleute, die auch für Vor-Ort-Besuche ins Haus kommen und über die Energieprobleme häufig auch mit Schimmel und Feuchtigkeit zu tun haben. Eventuell können diese Kollegen auch weitere lokale Ansprechpartner nennen. Der große Vorteil dieser Beratung besteht darin, dass sie wirklich unabhängig ist. Im Übrigen sollte man grundsätzlich vor allen Aufträgen mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen. Möglichst vermeiden, dass Sanierungsaufträge an Firmen gegeben werden, die zuvor auch scheinbar unabhängige Begutachtungen vorgenommen haben.

Coach: Darf der Vermieter die Kosten der Schimmelbeseitigung einfach auf mich abwälzen? Muss ich meine „Unschuld“ am Schaden beweisen?

Michael Koswig: Nein, das darf er nicht. Wenn der Eigentümer Forderungen geltend machen will, hat er die Beweislast. Dennoch kann es in einem solchen Streitfall sinnvoll sein, auch als Mieter Argumente zu sammeln und zum Beispiel kann es sinnvoll sein, an kalten Wintertagen nachzuweisen, dass trotz guter Heizung und Lüftung an Problemstellen zu niedrige Temperaturen vorherrschen.

So lüften sie richtig

Moderator: Jetzt kommt ein Vermieter zu Wort:

Susanne.kenfenheuer: Ich bin Vermieter einer Wohnung im 1. Geschoss. In den letzten 15 Jahren hatte ich keinerlei Probleme mit Schimmelbefall. Seit einem Jahr habe ich nun neue Mieter. In den Bereichen rund um die Fenster (keine Badezimmer) in drei Zimmern ist nun Schimmelbefall. Laut den Mietern stehen die Fenster in diesen Zimmern tagsüber gekippt. Man heizt auch, aber mein Eindruck ist, das dies nur selten passiert. Könnte das der Grund für einen Schimmelbefall sein?

Michael Koswig: Wie man richtig lüftet, muss manchen Leuten noch vermittelt werden. Fenster ständig auf Kippstellung stehen zu lassen führt dazu, dass die Leibungen sehr stark auskühlen. Die Folge kann dann Kondensation von Wasser sein und die anschließende Bildung von Schimmel. Viel besser ist die Stoßlüftung. Dabei werden die Fenster weit geöffnet und zwar möglichst an verschiedenen Stellen in der Wohnung gleichzeitig, so dass Durchzug entsteht. Dann reichen rund fünf Minuten für einen vollständigen Luftaustausch aus. Das sollte man allerdings mindestens drei bis vier Mal am Tag praktizieren. Zum Beispiel morgens, nach der Arbeit und spätabends. Wir haben dazu ein Info-Dokument erstellt, das sich speziell den Feuchte- und Schimmelproblemen in Wohn- und Badezimmern zuwendet.

Lieber außen dämmen als innen

Otto: Welche Materialien sollte man für eine Innendämmung (6 cm) nehmen?

Michael Koswig: Innendämmungen gelten bei Fachleuten als kompliziert. Wichtig ist, dass zunächst einmal sichergestellt sein muss, dass kein Wasser von außen oder zum Beispiel durch einen Leitungsschaden in die Wand sickert. Mit anderen Worten: Die Wand muss prinzipiell trocken sein. In diesem Fall stehen verschiedene Materialien für die Innendämmung zur Verfügung.

Peter Schick: Zum Beispiel kommen Calcium-Silikat-Platten zur Anwendung. Diese sind diffussionsoffen und haben durch ihre wärmetechnischen Eigenschaften eine ausreichend warme Oberfläche. Ohne Not sollte man aber keine Innendämmung vorsehen, wenn nicht ebenso eine Außendämmung machbar wäre. Solche Fälle kommen vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden zum Einsatz, wenn verzierte Fassaden vorhanden sind.

Michael Koswig: In jedem Fall sollte man vor einer Innendämmung den Rat von Fachleuten einholen, die werden zum Beispiel den richtigen Einbau einer Dampfbremsfolie empfehlen.

Georg: Ist bei luftdichter Gebäudehülle die Außen-oder Innenseite der Außenwände gemeint?

Michael Koswig: Die luftdichte Ebene wird meist auf der Innenseite eines Gebäudes hergestellt. Zum Beispiel mit Hilfe von Dampfbremsfolien. Wichtig ist, dass diese Schicht lückenlos ausgeführt wird – anderenfalls könnte feuchte Luft aus dem Innenraum entweichen, so dass Wasser in der Dämmschicht kondensiert.

Peter Schick: Die Lage der luftdichten Ebene kommt im Einzelfall auf die Konstruktion der Wand an.

Michael Koswig: Auch zu Feuchteschutz und richtiger Dämmung haben wir ein Info-Dokument erstellt.

Moderator: So, die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen Sie noch ein kurzes Schlusswort an die User richten?

Michael Koswig: Bei Schimmelproblemen sollte man grundsätzlich nicht in Panik verfallen. Die meisten Probleme lassen sich gut lösen, wenn erst einmal die Ursachen bekannt sind.

Peter Schick: Bei auftretenden Problemen sollten die Eigentümer und die Mieter miteinander reden und gemeinsam nach Lösungen suchen. Das spart Zeit, Kosten und viel Ärger.

Michael Koswig: Viele nützliche Tipps finden sich in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift test sowie in unseren Info-Dokumenten.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beantworten konnten. Vielen Dank auch an Michael Koswig und Peter Schick, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben. Das Transkript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nachlesen. Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Tag.

Infodokument: Schimmel in der Wohnung
Infodokument: Feuchte- und Schimmelprobleme im Keller
Infodokument: Feuchteschutz und richtiger Dämmung
Analyse: Schimmel im Haus

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