Griechenland kauft eigene Anleihen zurück. Privatanleger können bei der Aktion zwar in den wenigsten Fällen mitmachen, doch profitieren können sie trotzdem: Auch an der Börse steigen die Kurse der griechischen Anleihen. Das ist die Chance für einen Ausstieg.
Was der Rückkauf bringt
Anfang der Woche hat die griechische Regierung die Bedingungen für den Anleihenrückkauf veröffentlicht. Sie zahlt je Anleihe zwischen 30 und 40 Prozent des Nennbetrags. Griechenland kann durch den Rückkauf unter dem Nennwert seine Schulden auf einen Schlag deutlich verringern. Würde die Anleihe bis zur Fälligkeit laufen, müsste das Land 100 Prozent je Anleihe zurückzahlen. Das Rückkaufangebot gilt bis Freitag, 07.12.1012. Wer mitmachen will, muss sich daher sputen.
Die meisten Privatanleger bleiben draußen
Für Privatanleger hat das Angebot allerdings einen Haken. Der Umtausch funktioniert nur bei einem Anlagebetrag von mindestens 1000 Euro – pro Anleihe. Seit der Umschuldung im Frühjahr, als die Griechen eine alte in rund zwei Dutzend neue Anleihen tauschten, haben die meisten Anleger jedoch nur noch kleine Stückelungen im Depot. Teilweise haben sie je Anleihe nur zweistellige Beträge angelegt.
Verkauf über die Börse
Das Rückkaufangebot hat Spekulanten auf den Plan gerufen. Wer sich noch rechtzeitig mit Anleihen zum niedrigeren Kurs eingedeckt hat, kann einfach Geld verdienen. An der Börse näherte sich der Kurs der Papiere schnell dem Preisangebot für den Rückkauf an. Private Anleger können sich das zunutze machen und ihre Anleihen an der Börse verkaufen. Zwar verlieren sie dadurch erneut Geld. Schon beim Schuldenschnitt im März 2012 blieb umgerechnet nur knapp die Hälfte ihrer ursprünglichen Anlage übrig. Jetzt müssten sie erneut rund zwei Drittel abschreiben. Doch ein Ende mit Schrecken ist manchmal besser als ein Schrecken ohne Ende. Die Kurse der griechischen Anleihen waren im Sommer noch erheblich niedriger. Anfang Juni notierten die Papiere teilweise deutlich unter 15 Prozent vom Nennwert.
Tipp: Achten Sie auf die Kosten, die Ihnen beim Verkauf Ihrer Papiere an der Börse entstehen. Gerade bei kleinen Orders schlagen die Mindestgebühren überproportional zu Buche. Einige Direktbanken haben bereits beim Umtausch im Frühjahr Betroffenen angeboten, Minibestände kostenlos loszuwerden. Comdirect zum Beispiel verlangt für Orders unter 100 Euro keine Provision. Anleger, die an der Rückkaufaktion mitmachen können, sind ebenfalls kostenlos dabei. Auch bei der DAB Bank gibt es die Möglichkeit, kleine Stückelungen kostenfrei zu verkaufen – allerdings nicht über die Börse, sondern außerbörslich. Auch bei anderen Banken können Anleger eventuell Sonderkonditionen bekommen. Wer seine Anleihen loswerden will, sollte einfach mal bei seinem Berater nachfragen.
Weitere Ansprüche womöglich verwirkt
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) weist darauf hin, dass Anleger, die ihre Anleihen jetzt zurückgeben oder an der Börse verkaufen, damit möglicherweise Entschädigungsansprüche verlieren. Erste Schadenersatzklagen gegen Griechenland laufen schon. Der jetzige Verkauf könnte als nachträgliche Zustimmung zur Umschuldung gedeutet werden. „Wer aussteigt, egal auf welchem Weg, gibt möglicherweise die Klageberechtigung aus der Hand“, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.
Tipp: Wägen Sie gut ab, ob Ihnen der Spatz in der Hand nicht lieber ist als die Taube auf dem Dach. Ein Rechtsstreit kann einige Zeit dauern, und ob am Ende selbst bei einem Urteil gegen Griechenland mehr Geld herausspringt, ist offen. Abgesehen davon könnte auch eine fehlerhafte Anlageberatung vorliegen. Anleger, die dagegen vorgehen wollen, verlieren möglicherweise ihre Ansprüche nicht, wenn sie jetzt verkaufen.
Einen ausführlichen Krisencheck verschiedener Anlageformen finden Sie im Special Eurokrise: Anlageformen im Check.
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