Schlafstörungen: Diese Mittel helfen

Schlafstörungen Test
Für viele Menschen bleibt eine „gute Nacht“ nichts weiter als ein frommer Wunsch.

test 05/2006

Überlastung, Stress, Sorgen, Ärger und Anspannung sind Schlafkiller. Fast jeder Fünfte leidet an Schlafstörungen. Viele greifen zu früh zum Medikament, wählen für die Behandlung nicht das Richtige aus. Und sparen könnten Sie auch.

Schlafstörungen

Obwohl sie tausendundeine Nacht dauerte, war Schlaflosigkeit für König Schahryar aus dem Morgenland das größte Vergnügen. Scheherazade, Tochter des Wesirs, las ihm poetische und erotische Märchen vor. Die waren so auf- und anregend, dass er nicht einschlafen mochte. Und Scheherazade kam zum Ziel: Der König vergaß seine mörderischen Absichten, zeugte vielmehr drei Kinder, pries die Klugheit und Treue seiner Frau. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Anders als bei König Schahryar ist die Nachtlektüre, entspannt im Bett gelesen, bei den meisten Menschen ein gutes Mittel, nachts zur Ruhe zu kommen. Solche konventionellen Methoden sollten bei Schlafstörungen stets am Anfang einer Behandlung stehen (siehe „Schlafhygiene“). Erst bei anhaltenden Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten ist eine schlaf­anstoßende Arznei zu empfehlen. Zu Beginn eine mit milder Wirkung, dann langsam gesteigert, wenn sich eine erholsame Nachtruhe nicht einstellen mag.

Lästiges Leiden in Industrieländern

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Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München zählen Ein- und Durchschlafstörungen zu den häufigsten Patientenbeschwerden. Das lästige Leiden breitet sich in allen westlichen Industrieländern zunehmend aus. „Bei der Hälfte der Betroffenen ist das Schlafproblem chronisch und muss ärztlich behandelt werden“, sagt Dr. Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum der Uniklinik Regensburg.

Es gibt verschiedene Schlafstörungen:

  • Ein- und Durchschlafstörungen.
  • Übermäßige Tagesschläfrigkeit.
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Schlafgebundene Störungen.

Eine Schlafstörung ist behandlungsbedürftig, wenn drei Aussagen zutreffen: Sie schlafen schlecht ein, wachen oft auf, und der Schlaf ist nicht erholsam. Mindestens dreimal pro Woche ist Ihr Schlaf gestört und das wiederholt sich mehr als einen Monat lang. Sie sind tagsüber beeinträchtigt, das Problem quält Sie.

Schlafstörungen gehören auch zu den üblichen Entzugserscheinungen nach Absetzen von Alkohol, Zigaretten und Drogen – auch von Beruhigungs- und Schlafmitteln. Auch Präparate gegen Depressionen, zur Entwässerung, Blutdrucksenker, einige Parkinson- und Asthmamittel können zu Schlafstörungen führen. Zuerst sollten stets die Ursachen geklärt werden. Frühes Aufwachen zum Beispiel ist ein Hauptsymptom von Depressionen. Dann muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Viele Patientenklagen beruhen aber auf Missverständnissen. Manchmal benötigt man einfach mehr Zeit, um einzuschlafen. Und im Alter nimmt das Schlafbedürfnis ab. Einige Nächte schlechten Schlafs kann der Organismus wettmachen. Nur auf Dauer macht zu wenig Schlaf krank. Eine wirkliche „Schlaflosigkeit“ gibt es nicht. Sie würde uns in den Wahnsinn treiben. Bei schlechtem Schlaf wird der Schlaf nur mehr oder minder häufig unterbrochen und verläuft „flach“.

Baldrian – mit verzögerter Wirkung

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Ein beliebtes pflanzliches Mittel gegen Schlafstörungen ist Baldrian. Es verkürzt die Einschlafphase und verlängert teilweise den Tiefschlaf, ohne das Schlafprofil zu beeinflussen. Schlafdauer und nächtliches Aufwachen beeinflusst es nicht. Obwohl Baldrian eine lange Tradition hat, ist seine Wirksamkeit noch nicht abschließend nachgewiesen. Deshalb ist es „mit Einschränkung geeignet“. Pflanzliche Wirkstoffe entfalten ihre Wirkung allenfalls nach etwa zwei Wochen Einnahme. Da sie den Schlafrhythmus nicht stören, können sie, wenn nötig, über längere Zeit eingenommen werden. Der Pflanzenextrakt muss ausreichend hoch dosiert sein, um zu wirken. Optimal sind bei Baldrian zum Beispiel 600 Milligramm Trockenextrakt pro Tag. Kombinationen von Baldrian und Melisse sind nicht sinnvoll, da der Nutzen von Melisse nicht ausreichend nachgewiesen ist. Bei Hopfen dagegen gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit zusammen mit Baldrian.

Für die Akutbehandlung

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Johanniskraut.

Antihistaminika: Für die Selbstbehandlung akuter Schlafstörungen sind schlafanstoßende Mittel wie Diphenhydramin und Doxylamin als Einstoffpräparat geeignet. Nur kurzfristig anwenden.

Benzodiazepine: Zum Ein- und Durchschlafen eignen sich auch mittellang wirkende Benzodiazepine, die vom Arzt verordnet werden (siehe Tabelle „Benzodiazepine“). Ein kanadisches Forscherteam hat jedoch nach Auswertung von 24 Studien bei älteren Menschen den Nutzen von Benzodiazepinen bei dieser Patientengruppe wegen häufiger Nebenwirkungen infrage gestellt. Jenseits der 60 Jahre traten häufig Schwindel und Gleichgewichtsstörungen mit Sturzrisiko auf – wegen dieser Risiken werden übrigens auch keine lang wirkenden Benzodiazepine empfohlen. Dann sind Verhaltenstherapien besser.

Schlafmittel „auf Rezept“ wegen Gewöhnung und Abhängigkeitsrisiko nicht länger als 8 bis 14 Tage einnehmen. Wenn Benzodiazepine länger als vier bis acht Wochen geschluckt werden, können sich beim Absetzen Entzugserscheinungen einstellen – daher langsam „ausschleichen“. Nach längerer Einnahmezeit kann es zu Abhängigkeit kommen, eine Entwöhnungstherapie ist dann notwendig.

Sonderfall Johanniskraut

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Handelt es sich um Schlafstörungen durch depressive Verstimmung, muss die psychische Störung behandelt werden, eventuell mit Johanniskraut. Bei leichter (mittelschwerer) vorübergehender depressiver Störung sind laut „Handbuch Selbstmedikation“ der Stiftung Warentest etliche Präparate (mit Einschränkung) geeignet (www.medikamente-im-test.de). Bei Schlafstörungen, die nicht auf einer Depression beruhen, ist die therapeutische Wirksamkeit von Johanniskraut nicht ausreichend nachgewiesen.

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