Nassrasierer: Lizenz zum Schaben
Nur mit der richtigen Klinge am Kinn wird die Rasur zum Vergnügen. Wir sagen Ihnen, welche am besten abschneidet, am freundlichsten zur Haut ist und am wenigsten kostet.
Einem unserer Ahnen in grauer Vorzeit muss es irgendwann gereicht haben. Vielleicht hatte er sich wieder mal beim Jagen im Gestrüpp verheddert. Oder er war es leid, dass ihm der Vollbart stets im Feuer hing. Kurzum: Er griff zu einem scharfen Stein und schnitt ihn ab.
Ob es sich so zugetragen hat, muss Spekulation bleiben. Wann und warum der Mensch sich zum ersten Mal rasierte, ist nicht überliefert. Doch Ur- und Frühgeschichtler nehmen an, dass schon der späte Steinzeitmann mit scharfkantigen Feuersteinen oder geschliffenen Muscheln seinem Bartwuchs zu Leibe rückte. Handfeste Beweise indes stammen erst aus der Bronzezeit. Immerhin: Die älteste Rasierklinge, die Archäologen aus europäischen Sedimenten hervorgeholt haben, ist etwa 3 500 Jahre alt.
Vom Feuerstein zur Hightechklinge
Seit diesen frühen Bronzesicheln hat sich einiges getan auf dem Gebiet der Rasur. Große Firmen wie Gillette oder Wilkinson beschäftigen mittlerweile ganze Forschungslabore voller Ingenieure und Wissenschaftler, um nach der besten „Klingengeometrie“ oder den größtmöglichen „Durchspülkanälen“ zu suchen. Die Entwicklung der Rasierklinge ist ein Milliardengeschäft geworden. Kein Wunder: Weltweit rasieren sich neun von zehn Männern, davon die meisten nass.
Gillette ist klarer Testsieger
Auf der Suche nach der besten Klinge sind Gillette und Wilkinson fündig geworden. In unserem Test von 19 Nassrasierern schnitten Produkte aus ihrem Hause am besten ab. Der klare Sieger heißt Gillette Mach3 Turbo. Er rasiert mit Abstand am besten und vor allem am schonendsten. Außerdem hält er am längsten. Dem Testsieger folgt Wilkinson Sword Quattro. Diese beiden Klingen erweisen sich als wirklich gute Abschnittsgefährten.
Aber auch der Gillette M3 Power gehört in diese Liga: Rasur und Hautschonung sind durchweg „sehr gut“. Für unseren Test erschien dieser „Mikroimpuls“-Rasierer jedoch zu spät auf dem Markt. Deshalb taucht er nicht in der Tabelle auf. Die wichtigsten Prüfungen konnten wir dennoch verkürzt bei ihm durchführen (Ergebnisse siehe „Klasse Vibrato“).
Hundert Jahre Sicherheitsrasierer
Seinen ersten Sicherheitsrasierapparat verkaufte Gillette im Jahre 1903: eine dünne Schneide aus gewalztem Stahl, eingefasst in einen Klingenblock mit Griff. Ihr Clou: Die gewölbt eingespannte Klinge steht stets im richtigen Winkel zur Haut – tiefe Schnitte sind so unmöglich. Zugleich ist die Massenproduktion so billig, dass die Schneide einfach in den Müll wandert, wenn sie stumpf ist – nie wieder Messerschärfen. Das hat sich durchgesetzt und wird seither verfeinert: rostfreier Stahl, Teflonbeschichtung, Doppel-, Dreifach-, Vierfachklingen. Trotzdem: Im Grunde schabt sich der Mann noch wie vor Tausenden von Jahren die Stoppeln vom Gesicht – nur besser.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Kleine Geschichte des Rasierens
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (1)
weitere Kommentare anzeigen